abschieben

GrammatikVerb · schiebt ab, schob ab, hat/ist abgeschoben
Aussprache
Worttrennungab-schie-ben
Wortzerlegungab-schieben
Wortbildung mit ›abschieben‹ als Erstglied: ↗Abschiebegefängnis · ↗Abschiebegewahrsam · ↗Abschiebehaft · ↗Abschiebeknast · ↗Abschiebezentrum · ↗Abschiebung
Wahrig und DWDS, 2018

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹
jmd. schiebt etw. abetw. von der bisherigen Stelle wegschieben
Beispiel:
Ich wollte ihn [den Spiegel] von der Wand abschieben, um dahinter nachzusehen, doch es gelang mir nicht. [Nossack, Hans Erich: Nekyia, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1961 [1947], S. 28]
a)
übertragen jmd. schiebt etw. auf jmdn., etw. abetw. (eine Verantwortung, Aufgabe) jmd. anderem auferlegen, zuweisen
Beispiele:
[…] [Er] wollte die Verantwortung für die manipulierte Motorsteuerung auf die Programmierer abschieben. [Der Standard, 21.11.2016]
Auch vor [dem] Obergericht fällt auf, wie sehr der Täter bemüht ist, Schuld und Verantwortung auf andere abzuschieben. [Neue Zürcher Zeitung, 01.09.2015]
Er monierte, dass nun Verantwortung für Managementfehler auf die Politik abgeschoben […] werden solle. [Spiegel, 06.10.2008 (online)]
Stoiber nannte es eine »gravierende Ausrede« des Kanzlers, die Schuld an der Arbeitslosigkeit auf andere Ursachen abzuschieben. [Der Tagesspiegel, 26.08.2002]
Wenn es im Alltag über eine Person heißt, sie könne »gut delegieren«, dann ist das nicht positiv, sondern abfällig oder vorwurfsvoll gemeint. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, daß die betreffende Person faul ist und Arbeit möglichst auf andere abschiebt. [Kellner, Hedwig: Das geheime Wissen der Personalchefs, Frankfurt a. M.: Eichborn 1998, S. 77]
b)
abwertend, umgangssprachlich, übertragen jmd. schiebt jmdn. abjmdn., der unerwünscht oder lästig ist, loszuwerden versuchen, an eine weniger vorteilhafte Position versetzen
Beispiele:
Die parteilose Volkswirtschafterin […] wurde nach Streitigkeiten mit einflussreichen Politikern […] auf einen Posten bei der Weltbank abgeschoben. [Neue Zürcher Zeitung, 28.07.2016]
Auf einmal hat man das Gefühl, man ist draußen, abgeschoben – und je mehr man das Gefühl hat, desto mehr stellt man sich selbst nach draußen. [Süddeutsche Zeitung, 10.09.2016]
[…] Lernschwache oder sozial unangepasste Kinder werden links liegen gelassen, gerne auch in die Sonderschule abgeschoben. [Der Standard, 02.10.2009]
Weil der mittellose alte Mann der Familie auf der Tasche liegt, soll er ins Altersheim abgeschoben werden. [Berliner Zeitung, 26.08.1999]
2.
mit Hilfsverb ›hat‹
jmd. schiebt jmdn. abjmdn. aufgrund einer behördlichen Anordnung aus einem Land ausweisen (und ihn in sein Herkunftsland zurückschicken)
Beispiele:
Die Bundesregierung ist darum bemüht, abgelehnte afghanische Asylbewerber in ihre Heimat abzuschieben, obwohl die Sicherheitslage prekär ist. [Süddeutsche Zeitung, 23.12.2016]
Mit Abstand am häufigsten würden Illegale und abgelehnte Asylbewerber aus den Westbalkanstaaten abgeschoben, heißt es in dem Bericht. [Spiegel, 18.11.2016 (online)]
Den Flüchtlingen sei gedroht worden, sie nach Afghanistan abzuschieben. [Die Zeit, 11.10.2016 (online)]
Also, Mario und Luigi, da ihr euch nicht ausweisen könnt … werdet ihr direkt in euer Heimatland abgeschoben. [Vive la France, 2013 (Filmuntertitel)]
Soll der Ausländer in einen sicheren Drittstaat (§ 26a) abgeschoben werden, ordnet das Bundesamt die Abschiebung in diesen Staat an, sobald feststeht, daß sie durchgeführt werden kann. [o. A.: Asylverfahrensgesetz (AsylVfG). In: Sartorius 1: Verfassungs- und Verwaltungsgesetze der Bundesrepublik Deutschland, München: Beck 1998]
Kollokationen:
mit Akkusativobjekt: abgelehnte Asylbewerber, Ausländer abschieben
hat Präpositionalgruppe/-objekt: jmdn. in sein Heimat-, Herkunftsland abschieben
3.
mit Hilfsverb ›ist‹
salopp jmd. schiebt absich davonmachen
Synonym zu abhauen2
Beispiele:
Opa geht jetzt aber nach Hause, hängt eine Menge Taschen[…] an den Fahrradlenker und schiebt ab. [Frankfurter Rundschau, 14.08.1998]
Hau ab, Mikhail, ich hab keine Zeit. Schieb ab, und nimm diesen Idioten mit. [»Nordlicht – Mörder ohne Reue« Øje for øje, del 1, 2011 (Filmuntertitel)]
Er streckt seine von engen Jeans zusammengehaltenen Einsneunzig, dass es nur so kracht, lüftet seinen Hut für die Ladys und schiebt ab. [Spiegel, 03.05.2004 (online)]
Ludwig verleiht der Figur viele Züge des »Drachens« aus der Inszenierung im Deutschen Theater (unverwechselbar z. B. sein lässig-böses »Schieb ab«, mit dem er Gesprächspartner hinauskomplimentiert, die ihm lästig geworden sind). [Berliner Zeitung, 08.03.1983]
Nimm dein Geld und schieb ab. [Fallada, Hans: Wer einmal aus dem Blechnapf frißt – Bd. 2, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1990 [1934], S. 162]

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem etwas) zuschieben · ↗abgeben (an) · abschieben (auf) · ↗abwälzen (auf) · ↗andrehen · ↗überwälzen (auf)  ●  ↗loswerden (an)  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
abschieben · ↗ausweisen · ↗deportieren · ↗rückführen  ●  ↗ausschaffen  schweiz.
Synonymgruppe
(sich) entfernen · ↗(sich) zurückziehen · auf und davon gehen · ↗davonziehen · plötzlich weg sein · ↗verschwinden · ↗weggehen  ●  ↗entfleuchen  scherzhaft, literarisch · (einen) Rückzieher machen  ugs. · ↗(sich) absentieren  geh., veraltend · (sich) davon machen  ugs. · (sich) in Luft auflösen  ugs. · ↗(sich) rausscheren  ugs. · ↗(sich) retirieren  geh., veraltet · ↗(sich) schleichen  ugs., süddt. · (sich) selbständig machen  ugs., ironisch · (sich) von dannen machen  geh., veraltend, literarisch · abdackeln  ugs. · ↗abdampfen  ugs. · ↗abhauen  ugs. · abschieben  ugs. · ↗abschwirren  ugs. · ↗abziehen  ugs. · abzischen  ugs. · ↗enteilen  geh. · ↗fortstreben  geh. · ↗gehen  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
  • (jemandem) davonlaufen · ↗(sich) absetzen  ●  ↗abspringen  fig. · ↗aussteigen  fig. · ↗desertieren  fig., militärisch · von der Fahne gehen  fig. · von der Stange gehen  fig. · ↗(sich) abseilen  ugs., fig. · ↗(sich) absentieren  geh., veraltet · ↗(sich) ausklinken  ugs., fig. · ↗(sich) verkrümeln  ugs. · ↗(sich) verpissen  derb
  • (jemandem) auskommen · ↗(jemandem) weglaufen · ↗ausbüxen · ↗ausreißen · das Weite suchen · ↗durchbrennen · ↗entlaufen · laufen gehen · sich aus dem Staub machen  ●  Reißaus nehmen  veraltend · ↗stiften gehen  ugs.
  • (das) Weite suchen · die Flucht ergreifen · ↗entkommen · ↗fliehen · ↗flüchten · ↗weglaufen · zu entkommen versuchen  ●  Fersengeld geben  veraltend · (sich) aus dem Staub machen  ugs. · ↗(sich) dünn(e) machen  ugs. · ↗(sich) verdrücken  ugs. · ↗abhauen  ugs. · ↗ausfliegen  ugs., ironisch · ↗stiften gehen  ugs. · ↗türmen  ugs. · ↗verduften  ugs. · zu entkommen suchen  geh.
  • (sich) fluchtartig entfernen · ↗davonlaufen · ↗davonrennen · es (auf einmal) (sehr) eilig haben · ↗fortlaufen · ↗fortrennen · laufen gehen · ↗weglaufen  ●  ↗wegrennen  Hauptform · (die) Beine in die Hand nehmen  ugs., fig., variabel · (die) Beine untern Arm nehmen  ugs., fig., variabel · (einen) flotten Schuh machen  ugs. · Hackengas geben  ugs. · ↗davonstieben  geh. · ↗enteilen (lit.)  geh.
  • Abflug! · Geh!  ●  Fort mit dir!  veraltet · Geh mit Gott, aber geh!  Redensart · Wegtreten!  militärisch · Abmarsch!  ugs. · Da ist die Tür!  ugs. · Fahr zur Hölle! (aggressiv)  derb · Geh mir aus den Augen!  ugs. · Geh mir vom Acker!  ugs. · Geh sterben!  vulg. · Geh weg!  ugs. · Hau ab!  ugs. · Mach 'n Abgang!  ugs. · Mach 'ne Fliege!  ugs. · Mach Meter!  ugs., österr. · Mach die Fliege!  ugs. · Mach, dass du wegkommst!  ugs. · Pack dich!  ugs. · Raus (mit dir)!  ugs. · Scher dich fort!  ugs., veraltend · Scher dich weg!  ugs., veraltend · Scher dich zum Teufel!  ugs., veraltend · Schieb ab!  ugs. · Schieß in'n Wind!  ugs. · Schleich di!  ugs., süddt. · Schleich dich!  ugs. · Schwirr ab!  ugs. · Sieh zu, dass du Land gewinnst!  ugs. · Verpiss dich!  derb · Verschwinde!  ugs. · Verzieh dich!  ugs. · Zieh Leine!  ugs. · Zisch ab!  ugs.
  • (sich) auf den Weg machen · ↗(sich) aufmachen · ↗losgehen · ↗losziehen · seinen Weg antreten  ●  ↗aufbrechen  Hauptform · (sich) auf die Beine machen  ugs. · (sich) auf die Socken machen  ugs. · ↗lossocken  ugs., regional
  • entschwunden · ↗fort · hat sich verflüchtigt · nicht auffindbar · nicht aufzufinden · nicht zu finden · spurlos verschwunden · ↗unauffindbar · ↗verloren · verloren gegangen · vermisst (werden) · ↗verschollen · verschwunden · vom Winde verweht · von jemandem fehlt jede Spur  ●  ↗weg  Hauptform · (sich) in Luft aufgelöst haben  ugs. · abhanden gekommen  ugs. · ↗dahin  geh. · ↗flöten  ugs. · flöten gegangen  ugs. · ↗futsch  ugs. · futschikato  ugs., scherzhaft · ↗hops  ugs. · ↗perdu  ugs., franz. · ↗sonst wo  ugs. · verschütt gegangen  ugs. · von Windows verweht  ugs., scherzhaft · wie vom Erdboden verschluckt  ugs. · wie weggeblasen  ugs.
  • (sich) davonmachen  ●  ↗(sich) verkrümeln  ugs. · (sich) vertschüssen  ugs. · ↗abhauen  ugs.
  • abtauchen · nicht mehr erreichbar sein · ↗untertauchen · von der Bildfläche verschwinden

Typische Verbindungen
computergeneriert

Afghane Albaner Altenteil Altersheim Asylbewerber Ausländer Ausländerbehörde Bosnier Bürgerkriegsflüchtling Drittland Einwanderer Farmteam Flüchtling Gewalttäter Heim Heimat Heimatland Herkunftsland Kosovo-Albaner Kriegsflüchtling Kurde Post Straftäter Verantwortung Verbüßung Vietnamese Weste dorthin schieben verhaften

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abschieben‹.

Zitationshilfe
„abschieben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/abschieben>, abgerufen am 19.10.2019.

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