ablaufen

GrammatikVerb · läuft ab, lief ab, ist/hat abgelaufen
Aussprache
Worttrennungab-lau-fen
Wortzerlegungab-laufen
Wortbildung mit ›ablaufen‹ als Erstglied: ↗Ablaufbahn · ↗Ablaufberg · ↗Ablaufbrett · ↗Ablauffrist · ↗Ablaufgeschwindigkeit · ↗Ablaufleistung · ↗Ablaufloch · ↗Ablaufmarke · ↗Ablauforganisation · ↗Ablaufplan · ↗Ablaufplanung · ↗Ablaufrinne · ↗Ablaufrohr · ↗Ablaufschema · ↗Ablaufstelle · ↗Ablaufstellung · ↗Ablaufsteuerung
 ·  mit ›ablaufen‹ als Grundform: ↗Ablauf
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›ist‹
zu laufen beginnen, loslaufen, starten
2.
mit Hilfsverb ›ist‹
weglaufen
a)
abfließen, herunterfließen
Beispiele:
das Wasser läuft aus der (Bade)wanne, dem (Schwimm)becken ab
die Flut, das Hochwasser läuft (wieder) ab
das Regenwasser lief von dem Schirm, von ihm ab
der Wein läuft (tropfenweise) ab
der Sand läuft in der Eieruhr, dem Stundenglas ab
streute ... Sand auf die Schrift, ließ ihn in eine tönerne Schale ablaufen [Th. MannTod in Venedig9,470]
bildlich
Beispiel:
gute Lehren laufen an ihm ab (= berühren ihn nicht)
b)
abfahren, herunterfahren
Beispiel:
die Waggons laufen (vom Ablaufberg) in die einzelnen Gleise ab
c)
übertragen abgehen
Beispiel:
der Weg läuft von der Landstraße (in den Wald) ab (= zweigt ab)
3.
mit Hilfsverb ›ist‹
sich leeren
Beispiel:
die (Bade)wanne, das Fass, der Teich läuft ab
trocknen
Beispiel:
das Geschirr, gewaschene Obst (gut) ablaufen lassen
4.
mit Hilfsverb ›hat‹
a)
jmdn. ablaufen lassenjmdn. abweisen
Beispiel:
er ließ den Gatten der Zeset ablaufen ... weil er ihn nicht recht leiden konnte [Th. MannJoseph4,181]
b)
jmdm. (in etw.) den Rang ablaufenjmdn. übertreffen
Beispiele:
er lief ihm den Rang ab
sie haben sich (gegenseitig) den Rang abgelaufen
die Kameraden suchten einander bei ihr den Rang abzulaufen [G. Hauptm.3,239]
dieser Dachs lief ihm die Fährte ab [J. WincklerBomberg238]
5.
mit Hilfsverb ›ist‹
sich (von Anfang bis Ende) abrollen, abwickeln
Beispiele:
der Faden, die Schnur läuft (von der Spule) ab
der Film, das (Fernseh)spiel läuft ab
wie eine ablaufende Turmuhr [Stifter1,216]
übertragen verlaufen, vonstattengehen
Beispiele:
ein Programm, eine Tagung, ein Prozess, der Verkehr läuft ab
die Dinge laufen vor unseren Augen, reibungslos, mit Präzision, planmäßig, ungehindert, ruhig ab
umgangssprachlich die Dinge laufen wie am Schnürchen ab
6.
mit Hilfsverb ›ist‹
zu Ende gehen, aufhören
Beispiele:
die Urlaub, Frist, Pacht, (Warte)zeit, (Amts)periode, das Ultimatum, die Haft läuft ab
das abgelaufene Jahr, die abgelaufene Woche (= das vergangene Jahr, die vergangene Woche)
der Vertrag, Pass, das Visum, der Ausweis läuft ab (= wird ungültig)
bildlich
Beispiel:
Fort mußt du, deine Uhr ist abgelaufen [SchillerTellIV 3]
gut, schlecht ablaufengut, schlecht ausgehen
Beispiele:
es wird (noch einmal) gut, glimpflich ablaufen
es ist anders abgelaufen, als ich dachte
wie wird die Geschichte ablaufen?
7.
mit Hilfsverb ›ist‹, mit Hilfsverb ›hat‹
eine Strecke entlanglaufen
Beispiel:
Er lief in seiner Zelle viele Kilometer ab [BrechtDreigroschenroman302]
eine Strecke, Gegend nach etw., jmdm. absuchen
Beispiele:
ich bin, habe alle Läden danach abgelaufen
der bereits die halbe Stadt nach ihm [Wunnigel] abgelaufen hatte [RaabeWunnigelII 5, 108]
8.
mit Hilfsverb ›hat‹
Schuhwerk abnutzen
Beispiel:
man verdient sich kaum die Sohlen, die man sich abläuft [EichendorffTaugenichts3,23]
bildlich
Beispiele:
salopp sich [Dativ] die Schuhsohlen, Absätze, Hacken, Beine nach etw. ablaufen (= lange nach etw. suchend herumlaufen)
salopp das habe ich mir schon längst an den Schuhsohlen abgelaufen (= das kenne, weiß ich schon lange)
bildlich
Beispiel:
umgangssprachlich er hat sich die Hörner abgelaufen (= hat sich ausgetobt, ist durch Schaden besonnener geworden)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

laufen · Lauf · Läufer · Zeitläufte · Lauft · Zeitlauf · läufig · geläufig · beiläufig · landläufig · vorläufig · ablaufen · Ablauf · anlaufen · Anlauf · auflaufen · Auflauf · auslaufen · Auslauf · belaufen · einlaufen · Einlauf · überlaufen · Überläufer · verlaufen · Verlauf · zerlaufen · Laufbahn · Lauffeuer · Laufgraben · Laufpaß · Laufzettel
laufen Vb. ‘(zu Fuß) gehen, rennen, fließen’. Für das gemeingerm. reduplizierende Verb ahd. (h)loufan (8. Jh.), mhd. loufen, asächs. -hlōpan, mnd. mnl. lōpen, nl. lopen, aengl. hlēapan ‘laufen, treten, tanzen’, engl. to leap ‘springen, hüpfen’, anord. hlaupa ‘laufen, springen’, schwed. löpa ‘laufen’, got. ushlaupan ‘aufspringen’ sind ie. Verwandte nicht mit Sicherheit nachzuweisen; eine (lautlich mögliche) Verbindung mit lit. šlubúoti ‘lahmen, hinken’ bzw. klùpti ‘niederknien, stolpern’ befriedigt semantisch nicht. Seebold 261 sieht Anknüpfungsmöglichkeiten in lit. keliáuti ‘wandern, reisen’, griech. kéleuthos (κέλευθος) ‘Weg, Pfad, Bahn, Reise’. Dann vielleicht über eine Erweiterung ie. *keleu- ‘wandern, Weg’ zur Wurzel ie. *kel- ‘treiben, zu schneller Bewegung antreiben’ (s. ↗halten)? Die Vorstellung größerer Schnelligkeit tritt in neuerer Sprache vielfach zurück, so daß laufen für gehen eintreten kann. In nhd. Zeit wird laufen häufig auf Bewegungen von Fahrzeugen und Maschinen und speziell von Flüssigkeiten bezogen. Lauf m. ‘das Laufen, Verlauf, Flußlauf, Bein des Haarwilds’, auch ‘Rohr von Handfeuerwaffen’ (vgl. Gewehrlauf), ahd. (h)louf (9. Jh.), mhd. louf, mnd. lōp, mnl. nl. loop ‘Gang, Lauf, Verlauf’, anord. hlaupr ‘Sprung’ führen auf germ. *hlaupa-, daneben (mit anderer Stammbildung) aengl. hlīep ‘Sprung’, anord. hlaup n. ‘Sprung, Lauf, Galopp (des Pferdes)’. Im Dt. auch das ti-Abstraktum germ. *hlaufti- mit ahd. (h)louft (8. Jh.), mhd. louft, nhd. (älter) Lauft, erhalten in Zeitläufte (s. unten). Läufer m. ‘wer (gut) läuft, Sportler einer Laufdisziplin, langer Teppich’, ahd. (h)loufāri (um 800), mhd. loufære, löufære ‘Bote, Rennpferd’. Zeitläufte Plur. ‘Zeitabschnitte mit ihren Ereignissen’ (18. Jh.), Zusammensetzung mit Lauft m. das im Anschluß an ahd. (h)louft (9. Jh.), mhd. louft im älteren Nhd. neben Lauf (s. oben) gebraucht wird; daneben Zeitlauf m. seit dem 17. Jh. bezeugt und im Sing. wie im Plur. verwendet. läufig Adj. ‘brünstig’, besonders von Hunden (15. Jh.), mhd. löufec, löufic ‘gangbar, bewandert, gerieben’, noch bis ins 18. Jh. im Sinne von ‘häufig vorkommend, gebräuchlich’ (wofür dann geläufig). geläufig Adj. ‘häufig vorkommend, allgemein bekannt, vertraut, fließend, perfekt’ (17. Jh.). beiläufig Adj. ‘wie zufällig, nebenher’, (südd.) ‘ungefähr’ (um 1500), daneben frühnhd. auch beiläuftig (15. Jh.). landläufig Adj. ‘üblich, allgemein bekannt’, frühnhd. lantlöufig, auch ‘im Lande umgehend’ (15. Jh.). vorläufig Adj. ‘nicht endgültig, einstweilig’ (17. Jh.), eigentlich ‘vorher-, vorausgehend’. ablaufen Vb. ‘weglaufen, abfließen, zu Ende gehen, sich ereignen, seinen Verlauf nehmen’, mhd. abeloufen; Ablauf m. ‘das Ablaufen, Abfluß(graben), Verlauf’, mhd. abelouf. anlaufen Vb. ‘sich in Bewegung setzen, anstürmen, ansteuern, beginnen, beschlagen, zunehmen’, ahd. ana(h)loufan (9. Jh.), mhd. aneloufen; Anlauf m. ‘das Anlaufen, Beginn, Anstoß’, ahd. ana(h)louf (10./11. Jh.), ana(h)louft (8. Jh.), mhd. anlouf ‘Ansturm, Angriff’. auflaufen Vb. ‘auf Grund laufen, aufgehen, anwachsen’, mhd. ūfloufen, auch ‘einen Auflauf bilden, anschwellen’; Auflauf m. ‘Zusammenlaufen einer erregten Menschenmenge’, mhd. ūflouf; ‘überbackene Speise’ (19. Jh.). auslaufen Vb. ‘herausfahren, zu Ende gehen, aufhören’, mhd. ūʒloufen, auch ‘hinauslaufen, entlaufen’; Auslauf m. ‘das Auslaufen, Strecke hinter dem Ziel’, mhd. ūʒlouf ‘Auszug, Durchfall, Ruhr’. belaufen Vb. ‘anlaufen, beschlagen’, sich belaufen auf ‘betragen’, mhd. beloufen, auch ‘durchlaufen, überlaufen’. einlaufen Vb. ‘kleiner werden, ankommen, eingehen’ (17. Jh.). Einlauf m. ‘Ankunft am Ziel, Darmspülung’, frühnhd. ‘Einfall, das Eindringen’ (16. Jh.). überlaufen Vb. ‘desertieren, überfließen’, mhd. überloufen, auch ‘treffen, befallen, übergehen, auslassen, durchlaufen’; Überläufer m. ‘Deserteur’ (15. Jh.), mhd. überloufer ‘wer etw. kurz behandelt, abtut’. verlaufen Vb. ‘ablaufen, vergehen, verirren’, ahd. fir(h)loufan ‘vorauslaufen, überholen’ (9. Jh.), ‘vergehen’ (um 1000), mhd. verloufen, auch ‘vorüberlaufen, sich begeben, sich abnützen’; Verlauf m. ‘Ablauf, Entwicklung, Vorgang’ (15. Jh.). zerlaufen Vb. ‘auseinandergehen, -fließen’, ahd. zi(h)loufan ‘herab-, auseinanderlaufen’ (8. Jh.), mhd. zerloufen, auch ‘vergehen’. Laufbahn f. ‘Bahn für Wettrennen’ (17. Jh.), ‘Werdegang, Berufsweg’ (seit dem 18. Jh. als Verdeutschung von ↗Karriere, s. d.). Lauffeuer n. ‘Feuer (zur Fernzündung), das sich über einen Strich ausgeschütteten Pulvers bewegt’ (17. Jh.), in der Wendung wie ein Lauffeuer (sich ausbreiten) ‘sehr schnell’; in jüngerer Zeit als ‘sich schnell (über trockenes Laub und Gras hin) ausbreitendes Feuer’ aufgefaßt (vgl. schweiz. Laubfeuer). Laufgraben m. ‘zum Schutz vor Geschossen angelegter Graben’ (16. Jh.). Laufpaß m. ‘Ausweis für entlassene (invalide) Soldaten und Arbeitsuchende, der die freie Bewegung innerhalb eines Landes zusichert’ (18. Jh.), heute noch in der Wendung jmdm. den Laufpaß geben ‘jmdn. wegschicken’. Laufzettel m. zunächst (17. Jh.) wie jüngeres Laufpaß, dann ‘Zettel an Werkstücken zur Eintragung bestimmter Arbeitsgänge, Zettel, der durch eine Reihe von Büros läuft’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) leeren · ↗abfließen · ablaufen · ↗absickern · ↗abströmen · ↗ausfließen · ↗auslaufen · ↗entrinnen · ↗versickern · ↗versiegen
Synonymgruppe
(Zeit) ins Land gehen · (Zeit) ins Land ziehen · ↗(Zeit) verfließen · ablaufen · ↗vergehen · ↗verlaufen · ↗verstreichen · ↗vorbeigehen  ●  ↗verrinnen (lit.)  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
abgewickelt werden · ablaufen · ↗abrollen · im Gange sein · laufen · seinen Lauf nehmen · seinen Verlauf nehmen · ↗stattfinden · veranstaltet werden · ↗verlaufen · ↗vonstattengehen  ●  ↗(sich) vollziehen  geh. · ↗vorgehen  ugs. · über die Bühne gehen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein) Ende haben · ↗(in bestimmter Weise) ausgehen · ablaufen · ↗aufhören · ↗ausklingen · ↗auslaufen · ein (...) Ende finden · ↗enden · ↗schließen · ↗verfallen · zu Ende gehen  ●  zu Ende sein  ugs.
Assoziationen
  • (dem) Ende näherkommen · (sich dem) Ende zuneigen · langsam zu Ende gehen
Synonymgruppe
abgehen · ablaufen · ↗entlanggehen  ●  ↗ablatschen  ugs. · ↗langgehen  ugs., regional
Oberbegriffe
  • einen Fuß vor den anderen setzen · ↗gehen · laufen  ●  zu Fuß gehen  Hauptform · ↗latschen  ugs., salopp · zu Fuß laufen  ugs.
  • (sich) fortbewegen · von A nach B kommen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Amtszeit Aufenthaltsgenehmigung Bewerbungsfrist Einspruchsfrist Frist Hacken Mandat Meldefrist Mitternacht Muster Patentschutz Prozeß Rang Reaktion Schema Schonfrist Sperre Uhr Ultimatum Verjährungsfrist Visum Vorgang Zeit anders automatisch glimpflich langsam laufen parallel reibungslos

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ablaufen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Irgendwie lief das dort aber alles gesitteter ab als bei uns.
Die Welt, 23.07.2004
Nur der Kaffee läuft dem Bier noch den Rang als beliebtestes Getränk ab.
Der Tagesspiegel, 24.06.2004
In der Tat lief denn auch kaum etwas programmgemäß ab.
Heuß, Alfred: Das Zeitalter der Revolution. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 20566
Wie liefe die Evolution auf einem der Erde sehr ähnlichen Planeten ab?
Heberer, Gerhard: Die Herkunft der Menschheit. In: Mann, Golo u. a. (Hgg.) Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 214
Aber wenn ich an eine Uhr ein schwereres Gewicht hänge, läuft sie rascher ab.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1941. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1941], S. 183
Zitationshilfe
„ablaufen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/ablaufen>, abgerufen am 19.10.2019.

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