abkanzeln

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungab-kan-zeln (computergeneriert)
Wortzerlegungab--kanzeln
Wortbildung mit ›abkanzeln‹ als Erstglied: ↗Abkanzelung · ↗Abkanzlung
eWDG, 1967

Bedeutung

salopp jmdn. scharf tadeln, heftig ausschelten
Beispiel:
er hat ihn gehörig, nach Strich und Faden, vor allen Leuten abgekanzelt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kanzel · abkanzeln · Kanzlei · Kanzleisprache · Kanzleistil · Kanzler
Kanzel f. ‘erhöhter, mit einer Brüstung umgebener Platz des Predigers in der Kirche, verglaster Pilotensitz im Flugzeug, Hochsitz des Jägers’, ahd. kanzella f. (um 800), mhd. kanzel f. m. ist entlehnt aus spätlat. cancella ‘Gitter, Schranke’ (in Kirchen vor dem Altar), zu lat. cancellī (Plur.) ‘Gitter, Einzäunung, Schranken’. Dies ist eine deminutive Bildung zu lat. cancer ‘Schranke, Gitter’, dissimiliert aus lat. carcer ‘Schranke, Umfriedung, Kerker’. Ein zu cancellī hinzugebildeter Sing. spätlat. cancellus bezeichnet ‘den für den Geistlichen abgegrenzten Raum in der Kirche’, mlat. auch ‘Geländer, Podium, Lesepult’. Das mit einer Brüstung versehene Lesepult steht ursprünglich an den Chor und Mittelschiff trennenden Schranken. abkanzeln Vb. ‘von der Kanzel herab verkünden, tadeln’ (17. Jh.), ‘zurechtweisen, ausschelten’ (18. Jh.), vgl. heute unübliches gleichbed. kanzeln (18. Jh.). Kanzlei f. ‘Büro’, mhd. kanzelīe, kenzelīe (mit dem Suffix -īe zu mhd. kanzel), spätmhd. kanzellerīe (aus mlat. cancelleria), ‘der mit Schranken umgebene Raum eines Gerichtshofes, Verwaltungsbehörde, Schreibstube’. Kanzleisprache f. sprachwissenschaftlicher Terminus ‘Sprache der in den mittelalterlichen Kanzleien geschriebenen Urkunden, die deutlich mundartliche Kennzeichen meidet und als Amtssprache überlandschaftlichen Charakter trägt’, auch Bezeichnung für den juristisch geprägten, trockenen Behördenstil, den Kanzleistil m. (beide 19. Jh.). Kanzler m. ‘Leiter einer Verwaltungsbehörde, Regierungschef’, ahd. kanzillāri ‘Kanzlist, Schreiber, Notar’ (um 900), mhd. kanzelære, aus lat. cancellārius ‘Türvorsteher’, spätlat. ‘Vorsteher der Kanzlisten, Kanzleivorsteher’; im Mhd. speziell ‘(Reichs)beamter (des rīches kanzeler), der für die Ausfertigung von Staatsurkunden verantwortlich ist’, später ‘oberster Leiter einer staatlichen Verwaltung’, z. B. Vorsitzender des obersten Gerichtshofes (15. Jh.), preuß. Justizminister (18. Jh.), Regierungschef, vgl. Reichs- (17. Jh.), Bundeskanzler (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abkanzeln · ↗abwerten · ↗diskreditieren · ↗herabwürdigen · in Misskredit bringen · ↗niedermachen · ↗schlechtmachen  ●  ↗mobben  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
abkanzeln · ↗ausschimpfen · ↗beleidigen · ↗entwerten · ↗entwürdigen · ↗herabsetzen · ↗herabwürdigen · ↗niedermachen  ●  ↗abqualifizieren  ugs. · absauen  derb · ↗anmachen  ugs. · ↗anmotzen  ugs. · anpampen  ugs. · ↗anpöbeln  ugs. · ↗diffamieren  geh. · ↗heruntermachen  ugs. · ↗herunterputzen  ugs. · ↗schimpfen  ugs. · zur Sau machen  derb, fig. · zur Schnecke machen  ugs., fig. · ↗zusammenstauchen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Argument Bemerkung Fragesteller Gegner Journalist Kanzler Kollege Kritiker Minister Premier Presse Pressekonferenz Regierungschef Richter Schulbub Schuljunge Verräter Weise als er gelegentlich gern kanzeln lautstark mal pauschal rüde Öffentlichkeit öffentlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abkanzeln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er hatte genug davon, ständig als rechter Überpatriot abgekanzelt zu werden.
Der Tagesspiegel, 06.02.2005
Oft hat er seine Gegner abgekanzelt, doch diesmal schlägt er vermutlich sanftere Töne an.
Süddeutsche Zeitung, 10.08.2002
So ging es zwei Stunden lang fort, jeder von uns kam an die Reihe, jeder wurde »abgekanzelt«.
Beckenbauer, Franz: Einer wie ich, München: Wilhelm Heyne Verlag 1977, S. 224
Marion hatte das zufällig mitbekommen und Fred auf der Stelle abgekanzelt.
Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 966
Er kanzelte mich ziemlich hochmütig ab, vom Fahren verstünde ich noch gar nichts, ich sei viel zu nervös und gäbe beim Anfahren viel zuviel Gas.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1937. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1937], S. 23
Zitationshilfe
„abkanzeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/abkanzeln>, abgerufen am 20.04.2019.

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