Zustand, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Zustand(e)s · Nominativ Plural: Zustände
Aussprache
WorttrennungZu-stand
Wortbildung mit ›Zustand‹ als Erstglied: ↗Zustandsbild · ↗Zustandsdiagramm · ↗Zustandsgröße · ↗Zustandshaftung · ↗Zustandsänderung
 ·  mit ›Zustand‹ als Letztglied: ↗Aggregatszustand · ↗Aggregatzustand · ↗Alarmzustand · ↗Allgemeinzustand · ↗Anfangszustand · ↗Angstzustand · ↗Anklagezustand · ↗Ausgangszustand · ↗Auslieferungszustand · ↗Ausnahmezustand · ↗Bauzustand · ↗Belagerungszustand · ↗Bestzustand · ↗Betriebszustand · ↗Bewusstseinszustand · ↗Dauerzustand · ↗Dämmerzustand · ↗Endzustand · ↗Erschöpfungszustand · ↗Friedenszustand · ↗Futterzustand · ↗Gefühlszustand · ↗Geisteszustand · ↗Gemütszustand · ↗Gesamtzustand · ↗Gesellschaftszustand · ↗Gesundheitszustand · ↗Gleichgewichtszustand · ↗Hungerzustand · ↗Idealzustand · ↗Ist-Zustand · ↗Istzustand · ↗Krampfzustand · ↗Krankheitszustand · ↗Kriegszustand · ↗Materiezustand · ↗Naturzustand · ↗Neuzustand · ↗Originalzustand · ↗Quantenzustand · ↗Rauschzustand · ↗Rechtszustand · ↗Rohzustand · ↗Ruhezustand · ↗Schmerzzustand · ↗Schockzustand · ↗Schwebezustand · ↗Schwächezustand · ↗Seelenzustand · ↗Soll-Zustand · ↗Sollzustand · ↗Spannungszustand · ↗Straßenzustand · ↗Systemzustand · ↗Trancezustand · ↗Traumzustand · ↗Umweltzustand · ↗Urzustand · ↗Verteidigungszustand · ↗Wachzustand · ↗Weltzustand · ↗Werkszustand · ↗Zielzustand · ↗Zwangszustand · ↗Zwischenzustand
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
zu einem bestimmten Zeitpunkt gegebene Lage, Verfassung, in der sich jmd., etw. befindet
Beispiele:
sein körperlicher, seelischer Zustand ist besorgniserregend
sie befand sich damals in einem elenden, beklagenswerten Zustand
wir hatten ihn in nüchternem, betrunkenem, angeheitertem, trostlosem, in einem verzweifelten Zustande angetroffen
sich in einem Zustand der Erschöpfung, geistiger Verwirrung befinden
die Nachricht versetzte sie in einen Zustand der Erregung, Verzweiflung
der Raumfahrer befand sich im schwerelosen Zustand
die Wohnung, das Grundstück, der Wagen ist, befindet sich in einem tadellosen, fragwürdigen, verwahrlosten, in gutem, im besten Zustand
der bauliche Zustand des Hauses
Gesundheitszustand
Beispiele:
er ist in einem sehr kritischen Zustand ins Krankenhaus eingeliefert worden
sein Zustand hat sich gebessert, verschlechtert, hat sich nicht verändert, ist bedenklich
in diesem, in deinem augenblicklichen, jetzigen Zustand musst du dich sehr vorsehen
sobald es dein Zustand erlaubt, treten wir die Reise an
Aggregatzustand
Beispiel:
der feste, flüssige, gasförmige Zustand eines Stoffes, Körpers
meist im Plural
zu einem bestimmten Zeitpunkt bestehende Verhältnisse, besonders in einem Land, Lage, Situation
Beispiele:
die sozialen, gesellschaftlichen, politischen Zustände in einem Land
es herrschen dort unerträgliche, chaotische Zustände
die sanitären Zustände im Krankenhaus, im Katastrophengebiet
das sind auf die Dauer unhaltbare Zustände
das ist ein unerträglicher Zustand
umgangssprachlich das ist doch kein Zustand! (= das kann doch nicht so bleiben, das geht doch nicht so weiter!)
umgangssprachlich, abwertend Zustände wie im alten Rom! (= Ausruf) (= wird gesagt über unmögliche Verhältnisse)
2.
nur im Plural
umgangssprachlich Anfälle von körperlichen Beschwerden, von Nervosität, schlechter Laune
Beispiele:
sie hat, bekam wieder ihre Zustände
davon kann man ja Zustände kriegen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stehen · gestanden · abstehen · Abstand · auferstehen · Auferstehung · aufstehen · Aufstand · aufständisch · ausstehen · Ausstand · Außenstände · beistehen · Beistand · bestehen · Bestand · beständig · Bestandteil · einstehen · Einstand · entstehen · gestehen · eingestehen · zugestehen · geständig · Geständnis · Umstand · unterstehen1 · Unterstand · unterstehen2 · vorstehen · Vorsteher · Vorstand · zustehen · Zustand · zuständig
stehen Vb. ‘auf die Füße gestellt sein, auf einer Stelle verharren’ geht zurück auf ahd. (8. Jh.), mhd. stēn, woraus (bei Überführung in die regelmäßige Konjugation mit zur Silbentrennung und wohl auch als Dehnungszeichen nach dem Muster von ↗sehen, s. d., eingefügtem h) stehen (zuerst md. 14. Jh.) wird. Ahd. mhd. stēn ist eine (wohl unter dem Einfluß von ahd. mhd. gēn neben gān, s. ↗gehen, entstandene) Nebenform zu ahd. (8. Jh.), mhd. asächs. mnd. stān, mnl. staen, nl. staan, schwed. stå. Daneben besteht ein nasalierter und Dentalerweiterung aufweisender Stamm germ. *stand- in ahd. stantan (8. Jh.), mhd. standen, asächs. standan, mnl. standen, aengl. standan, engl. to stand, anord. standa, got. standan (wozu auch ↗Stand und mit sekundärem Ablaut ↗Stunde, s. d., gehören). Wie Präteritalformen ohne n (got. stōþ, stōþum, aengl. stōd, stōdon, engl. stood ‘stand, standen’) zeigen, war der Nasal in germ. *stand- ursprünglich nur präsensbildend. Verwandt sind aind. sthā- ‘stehen’, tíṣṭhati ‘steht’, griech. histánai, Aorist stḗnai (ἱστάναι, στῆναι) ‘stellen’, lat. stāre ‘stehen’, air. tair(ṡ)issiur ‘stehe, bleibe stehen’, lit. stóti ‘sich (hin)stellen, treten’, aslaw. stojati, russ. stoját’ (стоять) ‘stehen’, aslaw. stati ‘sich stellen’, russ. stat’ (стать) ‘werden, anfangen, sich stellen’. Man vereinigt alle Formen unter einem Wurzelansatz ie. *stā, *stə- ‘stehen, stellen’ und betrachtet die aspirierte Tenuis (th) des Aind. als Neuerung gegenüber der ie. Ausgangsform. Das ā in den Kurzformen des germ. Verbs (statt eines lautgesetzlich zu erwartenden germ. ō) geht auf eine frühe Angleichung an das unter ↗gehen (s. d.) behandelte, zur Wurzel ie. *g̑hē-, *g̑hēi- gehörende Gegenwort zurück (vgl. ahd. mhd. gān, s. oben). An die Wurzel ie. *stā- bzw. deren unterschiedliche Erweiterungen schließen sich eine Vielzahl von Wörtern an (s. z. B. ↗Stadel, ↗Stadt, ↗Statt, ↗Staude, ↗stauen, ↗staunen, ↗stet, ↗Steuer f. ↗Steuer n., ↗stieren, ↗Stuhl, ↗stur, ↗Stute, ↗stützen). gestanden Part.adj. ‘erfahren, gesetzt’ (ein gestandener Mann), spätmhd. gestanden ‘groß, erwachsen’, also wohl ‘zum Stehen gekommen’. abstehen Vb. ‘von etw. ablassen, abgehen, von etw. entfernt sein’, seit dem 16. Jh. auch ‘durch langes Stehen an Qualität verlieren, verderben’, mhd. abestān, abestēn, auch ‘absteigen’ (vom Pferd); Abstand m. ‘Distanz, Entfernung’ (17. Jh.), ‘das Ablassen, Aufgeben von etw.’ (15. Jh.), Abstand nehmen von etw. ‘auf etw. verzichten’ (19. Jh.). auferstehen Vb. ‘vom Tode wieder erstehen’, ahd. ūfirstantan, -stān, -stēn (9. Jh.), mhd. ūferstān ‘aufstehen, sich erheben, vom Tode auferstehen’; Auferstehung f. ‘Wiedererwecktwerden vom Tode’ (15. Jh.); vgl. mhd. ūferstandunge. aufstehen Vb. ‘sich erheben’, ahd. ūfstantan, -stān, -stēn (9. Jh.), mhd. ūfstān, auch ‘jmdm. aufkündigen, aus dem Dienst treten’; Aufstand m. ‘Erhebung, Empörung, Aufruhr’, spätmhd. ūfstant; aufständisch Adj. ‘aufrührerisch, sich erhebend, empörend’ (19. Jh.). ausstehen Vb. ‘fällig, zu zahlen sein’ (14. Jh.), ‘weggehen, seinen Dienst verlassen, eine Verpflichtung erfüllen’ (15. Jh.), ‘etw. bis zum Ende durchstehen, ertragen, aushalten’ (16. Jh.), mhd. ūʒstān, -stēn ‘aus-, wegbleiben, ausruhen (vom Pferd)’; Ausstand m. ‘Arbeitsniederlegung, Streik’; seit dem 17. Jh. im Obd. (zunächst im Bair.) in der speziellen Bedeutung ‘Ausscheiden aus einem Dienst, einer Stellung’ (Gegensatz Einstand, s. unten); seit den 80er Jahren des 19. Jhs. auf Arbeitsniederlegungen bezogen; in dieser Bedeutung seit etwa 1890 allgemein verbreitet neben dem aus dem Engl. entlehnten Konkurrenzwort ↗Streik (s. d.). Außenstände Plur. ‘fälliges, noch nicht (zurück)gezahltes Geld’ (19. Jh.); älter Ausstände Plur., Ausstand m., mhd. ūʒstant ‘ausstehendes Geld’. beistehen Vb. ‘unterstützen, helfen’, ahd. bīstantan, -stān, -stēn (9. Jh.), mhd. bīstān ‘dabeistehen, Hilfe leisten’; Beistand m. ‘Hilfe, Unterstützung’, spätmhd. bīstant. bestehen Vb. ‘(auf längere Zeit) existieren, vorhanden sein, erfolgreich zum Ende führen’, ahd. bistantan, -stān, -stēn ‘bleiben, verharren’ (9. Jh.), mhd. bestān, bestēn ‘stehenbleiben, standhalten, umstehen, entgegentreten, feindlich angreifen, etw. unternehmen’; Bestand m. ‘Dauer, Existenz, Vorrat’, frühnhd. bestant (Anfang 15. Jh.), auch ‘Waffenstillstand, Pacht’; vgl. ahd. bistentida f. (10. Jh.); beständig Adj. ‘dauerhaft, immer wiederkehrend, festbleibend’, mhd. bestendec; Bestandteil m. ‘Teil eines Ganzen, einer größeren Einheit’ (18. Jh.). einstehen Vb. ‘für etw. eintreten, bürgen, etw. verantworten’ (18. Jh.), frühnhd. ‘in eine Gemeinschaft eintreten, einen Dienst antreten’, spätmhd. īnstān (substantiviert) ‘das In-sich-selbst-Sein’; Einstand m. ‘Amts-, Dienstantritt, Eintrittsleistung, -geld, Eintrittsschmaus’, spätmhd. īnstant ‘Vorkaufsrecht, Einstellung der Gerichtsverhandlung’. entstehen Vb. ‘sich entwickeln, hervorgehen’, ahd. intstantan, -stān, -stēn ‘verstehen’ (8. Jh.), mhd. entstān, -stēn ‘verstehen, wahrnehmen, merken’, vom Mhd. an auch (gemäß den unterschiedlichen Verwendungen von ↗ent-, s. d.) ‘sich von etw. wegstellen, entgehen, mangeln’ (so bis ins 19. Jh.) und ‘zu sein beginnen, werden’. gestehen Vb. ‘bekennen, nicht leugnen’, ahd. gistantan, -stān, -stēn ‘(be)stehen, fest-, stillstehen, beruhen, aufhören, anfangen, standhalten’ (9. Jh.), mhd. gestān, -stēn, auch ‘sich stellen, treten, beistehen, zugestehen, wozu stehen, bekennen (vor Gericht), kosten’; eingestehen Vb. ‘bekennen’ (18. Jh.); zugestehen Vb. ‘gewähren, einräumen’ (17. Jh.); vgl. mhd. zuogestēn ‘mit jmdm. einmütig sein, zur Seite stehen’; geständig Adj. ‘seine Schuld bekennend’ (16. Jh.), mhd. gestendec ‘beständig, unveränderlich, einwilligend, zustimmend, hilfreich’; Geständnis n. ‘Bekenntnis der Schuld, das Eingestehen’ und ‘das Eingestandene’ (17. Jh.). Umstand m. ‘besondere Lage, Sachverhalt’ (15. Jh.), in (gesegneten, anderen) Umständen sein ‘schwanger sein’ (17. Jh.), ‘Umschweif, Umständlichkeit’ (15. Jh.), (keine) Umstände (‘Umständlichkeiten’) machen (16. Jh.), ‘(keine) Mühe, Förmlichkeit machen’ (18. Jh.); vgl. mhd. umbestant ‘was, wer herumsteht’ (kollektiver Sing.). unterstehen1 Vb. ‘unter einem Schutzdach stehen, sich unterstellen’, spätmhd. understān, -stēn; Unterstand m. ‘Unterkunft, wo man sich unterstellt, Schutz’ (16. Jh.), militärisch ‘abgedeckter Schutzraum’ (19. Jh.), spätmhd. understant ‘Stütze, Hilfe’. unterstehen2 Vb. ‘untergeordnet, unterstellt sein’ (17. Jh.), reflexiv ‘wagen, sich erlauben, erdreisten’ (16. Jh.), ahd. untarstantan, -stān, -stēn ‘haltmachen, zukommen’ (8. Jh.), mhd. understān, -stēn ‘zustande bringen, bewirken, bestehen, bekämpfen’, reflexiv ‘etw. unternehmen, sich einer Sache unterziehen’. ↗verstehen s. d. vorstehen Vb. ‘hervorragen, an der Spitze stehen, leiten’, ahd. forastantan, -stān, -stēn ‘voranstehen, sich auszeichnen, vorhanden sein’ (9. Jh.), mhd. vorestān, -stēn ‘bevorstehen, sorgen für, regieren’; Vorsteher m. ‘Leiter’ (16. Jh.); Vorstand m. ‘Leitungsgremium, Leiter’ (Anfang 19. Jh.), älter ‘Verteidiger, Bürge’ (15. Jh.), ursprünglich auch ‘Zustand des Stehens vor einem anderen oder etw. anderem, Bürgschaft, erste Stelle’ (16. Jh.). Widerstand, widerstehen s. ↗wider. zustehen Vb. ‘von Rechts wegen gebühren, Anspruch auf etw. haben’ (15. Jh.), mhd. zuostān, -stēn ‘verschlossen sein, zu einem treten, ihm beistehen, zukommen, angehören, zuständig sein’; Zustand m. ‘Art und Weise, Verhältnisse, worin sich Personen und Dinge befinden’ (17. Jh.), älter ‘Hinzugehöriges, Dabeistehendes’ (15. Jh.); zuständig Adj. ‘zur Sache gehörig, kompetent’, auch ‘dazugehörig’ (16. Jh.), ‘zeitlich bevorstehend’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Anordnung · ↗Aufbau · ↗Beschaffenheit · ↗Form · ↗Geflecht · ↗Gefüge · ↗Gerippe · ↗Gerüst · ↗Konsistenz · ↗Organisation · ↗Qualität · ↗Struktur · Zustand
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Synonymgruppe
Befindlichkeit · ↗Konstitution · ↗Stand · ↗Status · ↗Verfassung · Zustand
Oberbegriffe
  • Irgendetwas
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Fall · ↗Gegebenheit · ↗Konstellation · ↗Kontext · ↗Lage · ↗Sachverhalt · ↗Situation · Stand der Dinge · ↗Status · ↗Umstand · Zustand
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

baulich befinden beklagenswert beschreiben bessern bürgerkriegsähnlich chaotisch derzeitig desolat erbärmlich gegenwärtig gesellschaftlich herrschen heutig inner jetzig katastrophal kritisch körperlich marod miserabel paradiesisch schlecht stabil unerträglich unhaltbar ursprünglich verschlechtern versetzen ändern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Zustand‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das hört sich so an, als könnte man an dem jetzt vorhandenen Zustand nichts ändern.
konkret, 1988
Letztlich handelt es sich hier um die Analyse von Zuständen mit potentiell unendlichem Informationsgehalt.
Klix, Friedhart: Information und Verhalten, Berlin: Deutscher Verl. der Wissenschaften 1971, S. 669
Man spricht auch eher noch von neurotischen Störungen als von psychopathischen Zuständen.
Werner, Reiner: Das verhaltensgestörte Kind, Berlin: Dt. Verl. d. Wiss. 1973 [1967], S. 46
Das Geschehen in der Zeit verdrängt die Beschreibung des Zustandes im Raume.
Schrey, H-H.: Weltbild. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 42169
Seit er Treuen verlassen hatte, war ein seltsamer Zustand über ihn gekommen.
Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 02.03.1926
Zitationshilfe
„Zustand“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Zustand>, abgerufen am 25.06.2019.

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