Zeug, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Zeug(e)s · Nominativ Plural: Zeuge
Aussprache
Wortbildung mit ›Zeug‹ als Erstglied: ↗Zeugdruck · ↗Zeughaus · ↗Zeugmeister · ↗Zeugwart
 ·  mit ›Zeug‹ als Letztglied: ↗Arbeitszeug · ↗Badezeug · ↗Bettzeug · ↗Billigzeug · ↗Blechzeug · ↗Dreckszeug · ↗Dreckzeug · ↗Drillichzeug · ↗Fahrzeug · ↗Feuerzeug · ↗Flickzeug · ↗Flugzeug · ↗Fußzeug · ↗Grobzeug · ↗Grünzeug · ↗Halbzeug · ↗Handwerkszeug · ↗Jagdzeug · ↗Kleinzeug · ↗Koppelzeug · ↗Kroppzeug · ↗Lederzeug · ↗Leinenzeug · ↗Malzeug · ↗Mistzeug · ↗Nachtzeug · ↗Nähzeug · ↗Rasierzeug · ↗Raubzeug · ↗Reißzeug · ↗Riemenzeug · ↗Rüstzeug · ↗Sattelzeug · ↗Schlagzeug · ↗Schreibzeug · ↗Schuhzeug · ↗Silberzeug · ↗Spielzeug · ↗Steinzeug · ↗Strickzeug · ↗Takelzeug · ↗Teufelszeug · ↗Tischzeug · ↗Turnzeug · ↗Unterzeug · ↗Verbandszeug · ↗Verbandzeug · ↗Viehzeug · ↗Weißzeug · ↗Werkzeug · ↗Winterzeug · ↗Zaumzeug · ↗Zuckerzeug
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
Stoff, festes Tuch, besonders für Kleidung
a)
veraltend besonders gewebter Stoff für Kleider, Wäsche
Beispiele:
weißes, leinenes, feines, grobes Zeug
ein Kittel aus festem Zeug
andere wollene Zeuge [kamen] ... aus Hamburg [Urania1958]
b)
nur im Singular
umgangssprachlich Kleidung, besonders Wäsche aus a
Beispiele:
neues, dickes, trockenes Zeug anziehen
er fror in dem dünnen Zeug
c)
nur im Singular
Seemannssprache
Beispiel:
sie ... setzten alles Zeug (= alle Segel) [WeisenbornMädchen103]
2.
nur im Singular
umgangssprachlich etw. nicht näher Bezeichnetes
a)
Dinge, Geräte, Mittel, die einem bestimmten Zweck dienen
α)
Beispiel:
sein Zeug (= Arbeitsgerät) holen, weglegen
β)
abwertend
Beispiel:
dieses Zeug (= Mittel) dient zum Imprägnieren
etw. Trinkbares, Essbares
Beispiele:
er konnte das fade, zähe Zeug (= Essen) nicht ausstehen
süßes Zeug (= Leckereien) essen
Ich trank das scharfe Zeug (= Rum) [ZechRimbaud100]
b)
abwertend wertlose Dinge, Kram
Beispiele:
auf dem Schutthaufen lag viel zerbrochenes Zeug (= Gerümpel) herum
nutzloses Zeug (= Abfälle) in den Müll werfen
ich habe euch bisher viel trockenes Zeug (= viel wirklichkeitsfremden Lehrstoff) vorgetragen [MoloEin Deutscher111]
c)
abwertend unsinniges Reden, Tun, Unsinn
Beispiele:
dummes, tolles, ungereimtes Zeug
glaub doch das blöde Zeug nicht!
sinnloses Zeug reden, tun
Briefe ... voll unsinnigen Zeugs [DurieuxTür172]
d)
abwertend unbestimmte Anzahl von Lebewesen
Beispiele:
Säufer, Gauner und solches Zeug (= Gesindel)
krabbelndes, kriechendes Zeug (= Gewürm)
3.
in festen Verbindungen
Beispiele:
das Zeug für, zu etw. haben (= für etw. befähigt sein)
umgangssprachlich er strengt sich an, was das Zeug hält (= was seine Kräfte hergeben)
umgangssprachlich für etw., jmdn. (scharf) ins Zeug gehen (= sich für etw., jmdn. einsetzen) (= rücksichtslos vorgehen)
umgangssprachlich sich tüchtig ins Zeug legen (= sich besonders anstrengen)
salopp jmdm. etw. am Zeuge flicken (= jmdm. etw. Nachteiliges, Übles nachweisen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zeug · Zeughaus
Zeug n. ‘Gerät, Ausrüstung, Rohstoff, Material, Gewebe (Kleidung, Wäsche), Kram’, eigentlich (im Hinblick auf den etymologischen Zusammenhang mit ↗ziehen, s. unten) ‘was benutzt, was herangezogen wird’ Ahd. giziug m. n., giziugi n. (8. Jh.), ziug (10. Jh.) ‘Stoff, Ausstattung, Werkzeug, Aufwand’, mhd. (ge)ziuc m. n. ‘Werkzeug, Gerät, Ausrüstung, Kriegsgerät, gerüstete Kriegerschar, Stoff, Material, Beweis, Zeugnis, Zeuge’, asächs. gitiuh ‘Aufwand’, mnd. getǖch, tǖch ‘Gerät, Ausrüstung, Zeugnis, Zeuge’, mnl. ghetuuch ‘Stück einer Ausrüstung, Zeugnis’, nl. tuig ‘Zeug, Gerät’, aengl. getēog ‘Gerät’ in aengl. sulhgetēog ‘Pfluggerät’, anord. (aus dem Mnd.) tȳgi ‘Zeug, Gerät’, schwed. tyg ‘Stoff, Zeug’ sind Substantivbildungen mit grammatischem Wechsel von h und g zum Stamm des unter ↗ziehen (s. d.) behandelten Verbs. Aus der Grundbedeutung ‘das Ziehen, Ziehung, der Heranziehen (einer Sache)’ entwickelt sich das Wort zur Bezeichnung des zur Benutzung Herangezogenen. Daher auch mhd. (ge)ziuc ‘Ziehung vor Gericht’, und zwar das Beibringen des Beweises (‘das Beweisverfahren’) wie auch der zum Verfahren beigebrachte Mann (‘der Beweisende, Bewahrheitende’); zur Weiterentwicklung des Wortes im rechtlichen Bereich s. ↗Zeuge, ↗zeugen, ↗Zeugnis. Die präfixlose Form Zeug wird vom 15. Jh. an vorherrschend. Als Sammelbezeichnung (vgl. mhd. geziuge ‘Gerätschaften, Ausrüstung’) steht Zeug vielfach für ‘Gegenstände aller Art, (minderwertiger) Kram, Worte, Gedanken’ und dgl. (seit dem 16. Jh.), stärker abwertend auch Zeugs n. (2. Hälfte 18. Jh.), entstanden aus genitivischen Fügungen, vgl. viel schönes Dings und Zeugs (17. Jh.). Redensartlich sich ins Zeug legen, werfen ‘tüchtig an die Arbeit gehen, sich anstrengen’ (19. Jh.); das Zeug zu etw. haben ‘begabt für etw. sein’, eigentlich ‘die Ausrüstung zu etw. haben’ (18. Jh.); was das Zeug halten will, hält ‘mit allen Kräften’, eigentlich ‘was das Geschirr des Zugpferdes aushält’ (18. Jh.). In der Komposition ist -zeug so vielseitig verwendbar, daß es in heutiger Sprache den Charakter eines Kompositionssuffixes angenommen hat. Zeughaus n. ‘Gebäude zur Aufbewahrung von Ausrüstungen und Vorräten’, also für Zeug (s. oben), für Kriegsgerät und Munition (16. Jh.), Verdeutschungswort für ↗Arsenal (s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Dinge · ↗Gimmick · Sachen · Utensilien · Zeug  ●  ↗Gedöns  ugs. · ↗Pipapo  ugs. · Teile  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Bekleidung · ↗Garderobe · ↗Gewand · Kleider · ↗Kleidung · ↗Kluft · ↗Mode · ↗Outfit · ↗Textilie(n)  ●  ↗Anziehsachen  ugs. · ↗Gewandung  geh. · Klamotten  ugs. · ↗Kledage  ugs., salopp, regional · ↗Konfektion  geh. · ↗Plünnen  ugs., norddeutsch · Sachen  ugs. · Zeug  ugs.
Oberbegriffe
  • Textilien · ↗Textilware  ●  Wirkwaren  geh., veraltet
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Gerümpel · ↗Klüngel · ↗Kram  ●  (wertloses) Zeug  Hauptform · ↗Klumpert  österr. · Driss  ugs., kölsch · ↗Firlefanz  ugs. · ↗Gedöns  ugs., norddeutsch · ↗Gelumpe  ugs. · ↗Geraffel  ugs. · Gesumsel  ugs. · Glump  ugs., mitteldeutsch, süddt., bair. · ↗Glumpert  ugs., bair., österr. · Graffel  ugs., österr., bair. · Grusch  ugs. · ↗Kladderadatsch  ugs. · ↗Klimbim  ugs. · Kramuri  ugs., österr. · ↗Krempel  ugs., Hauptform · ↗Krimskrams  ugs. · Krusch(t)  ugs. · ↗Müll  derb · ↗Nippes  ugs. · ↗Plunder  ugs. · Plörren  ugs., ruhrdt. · ↗Ramsch  ugs. · ↗Schnickschnack  ugs. · ↗Schrott  derb, abwertend · ↗Tand  geh., veraltet · ↗Tinnef  ugs. · ↗Trödel  ugs. · ↗Zeugs  ugs., abwertend · ↗Zinnober  ugs.
Oberbegriffe
  • nicht lebendes Objekt · unbelebtes Objekt
Assoziationen
Synonymgruppe
Gewebe · Webstoff · gewebte Textilie  ●  gewebter Stoff  Hauptform · ↗Webware  fachspr. · Zeug  geh., veraltet

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angeklagte Anhörung Anklage Aussage Beeinflussung Befragung Beschuldigte Gericht Klassiker Prozeß Sachverständiger Unfall Untersuchungsausschuß Vernehmung Vorladung auftreten aussagen befragen bekunden dumm flicken gehaben klebrig laden legen schmecken vernehmen vorladen wertlos wirr

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Zeug‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Am besten ist in jedem Fall, man verbraucht viel weniger von dem Zeug.
Die Zeit, 04.05.2006, Nr. 19
Es folgten noch ein paar Sätze dieser Art, völlig absurdes Zeug.
Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 1004
Aber dann ist es ja schon gar kein dummes Zeug mehr.
Der Tagesspiegel, 01.02.2004
Das Zeug wirkt gegen jede Art von umhülltem Virus, also auch gegen Aids, denke ich mir.
konkret, 1986
Da raffte Eva unser Zeug zusammen, und gleich darauf saßen wir auch auf dem Wagen.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1945. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1945], S. 162
Zitationshilfe
„Zeug“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Zeug>, abgerufen am 19.10.2019.

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