Zerrbild, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungZerr-bild (computergeneriert)
WortzerlegungzerrenBild
eWDG, 1977

Bedeutung

(absichtlich) verzerrte, entstellende Wiedergabe
Beispiel:
in diesem Buch wird ein Zerrbild der damaligen Verhältnisse gegeben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zerren · Zerrbild · verzerren · Verzerrung
zerren Vb. ‘(ruckweise) ziehen’. Das schwach flektierende Verb ahd. zerren ‘zerreißen, zerstören, einen Kampf zu Ende bringen’ (9. Jh.), mhd. zerren (md. auch zarren) ‘(zer)reißen, vertreiben, zerspalten, sich zerteilen, sich öffnen, einen Riß machen, miteinander streiten, zanken’, mnd. terren ‘zanken, streiten’, mnl. terren ‘plagen, quälen’ steht (mit intensivierendem rr oder als kausative jan-Ableitung germ. *tarjan) neben dem unter ↗zehren (s. d.) angeführten starken Verb (ahd. zeran ‘reißen’, germ. *teran) und gehört wie dieses zu der dort genannten Wurzel ie. *der(ə)-, *drē- ‘schinden, (ab)spalten’. Zerrbild n. ‘boshafte, verspottende Wiedergabe, Entstellung’, von Campe vorgeschlagene Verdeutschung von Karikatur (1789), gegen den Widerstand Klopstocks und Nicolais eingebürgert (Ende 18. Jh.); gebildet im Hinblick auf verzerren Vb. ‘verunstalten, entstellen’ (um 1700), älter ‘auseinanderzerren, deformieren’, mhd. verzerren ‘zerreißen’; Verzerrung f. ‘Entstellung, Deformierung’ als Vorgang und Ergebnis (2. Hälfte 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Cartoon · ↗Karikatur · Spottbild · Zerrbild
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abbild Alltag Idealbild Islam Jude Kapitalismus Kapitalist Karikatur Klischee Realität Spiegel Wirklichkeit antisemitisch auflösen entgegensetzen entwerfen gezeichnet gleichen grotesk häßlich korrigieren malen medial spiegeln verbreiten verbreitet vermitteln zeichnen zurechtrücken übel

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Zerrbild‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bis dahin war er längst zu einem Zerrbild seiner selbst geworden.
Der Tagesspiegel, 22.02.2004
Die Zerrbilder, die man voneinander haben muss, wenn man verfeindet ist, erscheinen schon beinahe als natürlich.
Die Welt, 15.02.2003
Denn auch die Zerrbilder der Sprache wandern von Volk zu Volk.
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 562
Nun geht er ruhig neben mir - mein Schatten - mein Zerrbild!
Scheerbart, Paul: Immer mutig! In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1902], S. 10301
Uns ist es glücklicherweise erspart geblieben, ein ähnliches Zerrbild vorgeführt zu erhalten.
Friedländer, Hugo: Die Vorgänge in der Provinzial-Arbeitsanstalt zu Brauweiler vor Gericht. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 28975
Zitationshilfe
„Zerrbild“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Zerrbild>, abgerufen am 25.04.2019.

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