Zapfenstreich, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungZap-fen-streich
WortzerlegungZapfenStreich
eWDG, 1977

Bedeutung

Militär Signal am Abend, durch das zum Aufsuchen der Unterkünfte aufgefordert wird
Beispiele:
den Zapfenstreich blasen
der Große Zapfenstreich
von Militärkapellen am Abend durchgeführte Feier
Beispiel:
der große Zapfenstreich hatte viele Bewohner verlockt, abends noch einmal hinauszugehen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zapfen · zapfen · abzapfen · anzapfen · verzapfen · Zäpfchen · Zapfenstreich
Zapfen m. ‘länglicher, sich verjüngender Holzpflock (Stöpsel) zum Verschließen eines Gefäßes, konisch runder, mit holzigen Schuppen versehener Fruchtstand der Nadelhölzer’, ahd. zapho (11. Jh.), mhd. zapfe, (md.) zappe, mnd. mnl. tappe, nl. tap, aengl. tæppa, engl. tap führen auf germ. *tappan-, umgelautetes, im Nhd. untergegangenes ahd. zepho (Hs. 12. Jh.), mhd. zepfe ‘Fruchtstand (Traube, Rispe, Ähre)’ auf germ. *tappjan- mit einer Ausgangsbedeutung ‘länglich Ausgezogenes, Spitziges’. Verwandt sind die ablautenden unter ↗Zipfel (s. d.) behandelten Substantive und offensichtlich auch das lautlich und semantisch nahestehende ↗Zopf (s. d.), so daß, da außergerm. Vergleiche fehlen, von einer onomatopoetischen germ. Grundform zur Bezeichnung von etw. Spitzem auszugehen ist. Das Endungs-n der nhd. Form (seit Ende 15. Jh.) entstammt den obliquen Kasus des schwach flektierten Substantivs; im Md. hält sich Zapfe bis ins 18. Jh. Der verdeutlichenden Bildung Tannenzapfen (15. Jh.) folgt (nach der Ähnlichkeit) Eiszapfen (16. Jh.). zapfen Vb. ‘mit Hilfe eines Zapfens durch ein Spundloch ausfließen lassen, entnehmen, abfüllen’, mhd. zapfen, zepfen, auch ‘mit einem Zapfen versehen’; vgl. mnd. mnl. nl. tappen, aengl. tappian, engl. to tap. abzapfen Vb. ‘Flüssigkeit entnehmen, ablaufen lassen’ (16. Jh.), übertragen ‘jmdm. etw. abnötigen, jmdn. ausnutzen’ (17. Jh.). anzapfen Vb. ‘durch Lösen des Zapfens öffnen, anstechen’, übertragen ‘von jmdm. Geld borgen’ (15. Jh.). verzapfen Vb. ‘direkt vom Faß ausschenken’ (15. Jh.), ‘Törichtes tun, Unsinniges von sich geben’ (19. Jh.). Zäpfchen n. zapfenförmige Vorwölbung des weichen Gaumens im Rachen, ‘Gaumenzäpfchen’ (um 1500), ‘zapfenförmiges, rektal einzuführendes Medikament’ (18. Jh.), auch (in beiden Bedeutungen) Zäpflein (16. Jh.). Zapfenstreich m. Beginn der Nachtruhe in der Soldatenunterkunft, anfangs ein Signal, durch Trompete oder durch Trommelwirbel gegeben, dann mit anschließender Begleitmusik als Aufforderung für die Soldaten, sich in ihre Quartiere zu begeben (17. Jh.), schließlich zu einem Musikstück und zu festlicher Militärmusik erweitert; eigentlich ‘Streich, Schlag auf den Zapfen des Bierfasses, um dieses zu schließen und den Ausschank im Militärlager zu beenden’; vgl. nd. taptō, nl. tap toe ‘Zapfen zu’, danach nl. taptoe ‘abendliche Militärmusik, festliche Musikparade’, woraus gleichbed. engl. tattoo, (älter) taptoo (s. ↗Tattoo), und russ. (älter) taptá (тапта) ‘Zapfenstreich’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Arbeitsende · ↗Büroschluss · ↗Dienstschluss · ↗Feierabend · ↗Geschäftsschluss  ●  Finito  ugs. · ↗Schicht  ugs. · Schicht im Schacht  ugs. · Zapfenstreich  ugs., fig.
Assoziationen
  • aufgeben · ↗schließen  ●  ↗(aus dem Markt) ausscheiden  fachspr., Jargon · (seine) Pforten schließen  ugs. · ↗dichtmachen  ugs. · ↗zumachen  ugs.
  • Abgabetermin · ↗Ablieferungstermin · Fristende · ↗Stichtag · ↗Ultimo · letzter Termin  ●  ↗(letzte) Frist  Hauptform · ↗Deadline  engl.
  • Ende · ↗Punktum · ↗Schluss · genug ist genug! · genug jetzt!  ●  (dann ist bei mir) Feierabend!  ugs. · ↗(und damit) basta  ugs. · Aufhören!  ugs. · Aus die Maus.  ugs. · Das reicht!  ugs. · Ende der Durchsage!  ugs. · Ende im Gelände!  ugs. · Ende und aus!  ugs. · Ende, aus, Mickymaus.  ugs. · Ende, aus, Nikolaus.  ugs. · Es langt!  ugs., regional · Halt ein!  geh., veraltet · Jetzt ist (bei mir) Sense!  ugs. · Jetzt reicht's!  ugs. · Kein Kommentar!  ugs. · Klappe zu, Affe tot.  ugs. · Mehr habe ich dem nicht hinzuzufügen.  geh. · Punkt. Aus. Ende.  ugs. · Rien ne va plus.  geh., franz. · Schluss mit lustig!  ugs. · Schluss, aus, Ende!  ugs. · Stopp!  ugs. · Thema durch.  ugs. · aus!  ugs. · es reicht (jetzt langsam)!  ugs. · es reicht (jetzt)  ugs., Hauptform · genug damit  ugs. · genug davon  ugs. · genug!  geh. · und damit hat sich's  ugs.
  • nach Feierabend · nach getaner Arbeit
  • Kontrolluhr · ↗Stechuhr · Stempeluhr
Synonymgruppe
(jetzt ist) Nachtruhe · ↗(jetzt ist) Schlafenszeit · Zeit ins Bett zu gehen · Zeit schlafen zu gehen  ●  (es ist) Zapfenstreich  fig.
Assoziationen
  • ab ins Bett  ugs. · husch husch, die Waldfee  ugs., veraltend, Spruch · husch husch, ins Körbchen  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Gelöbnis

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Zapfenstreich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Seine Orden und Zapfenstreiche gefielen nicht einmal den eigenen Genossen.
Die Zeit, 12.01.1981, Nr. 02
Heute sollen wir wieder mit großen Zapfenstreichen für die Militarisierung der Politik begeistert werden.
Süddeutsche Zeitung, 05.10.1994
Die Bundeswehr droht mit weiteren Truppengelöbnissen und neuen Großen Zapfenstreichen.
Die Zeit, 19.12.1980, Nr. 52
Zapfenstreiche werden nur für ganz bedeutende Persönlichkeiten veranstaltet, man kann nicht einfach beim Zapfenstreichbringdienst anrufen und sich einen bestellen.
Die Welt, 30.06.2004
Zitationshilfe
„Zapfenstreich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Zapfenstreich>, abgerufen am 20.10.2019.

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