Zapfen, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Zapfens · Nominativ Plural: Zapfen
Aussprache
WorttrennungZap-fen
Wortbildung mit ›Zapfen‹ als Erstglied: ↗Zapfenstreich · ↗Zapfenträger · ↗Zapfenzieher · ↗Zäpfchen · ↗zapfenförmig
 ·  mit ›Zapfen‹ als Letztglied: ↗Achszapfen · ↗Eiszapfen · ↗Fichtenzapfen · ↗Kiefernzapfen · ↗Kienzapfen · ↗Königszapfen · ↗Tannenzapfen
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
Fruchtstand der Nadelhölzer, dessen meist gestreckte Achse zahlreiche holzige Schuppen trägt, zwischen denen die Samen sitzen
Beispiel:
die Zapfen der Fichten, Tannen, Kiefern sind verschieden
2.
kleiner, runder (hohler) Pflock, der als Verschluss eines Gefäßes, besonders eines Fasses, dient
Beispiel:
einen Zapfen in ein Fass schlagen
schweizerisch Korken
Beispiel:
mit einem sonderbaren, altertümlichen Zapfenzieher, der es ihm ermöglichte, den Zapfen aus der liegenden Flasche zu ziehen [DürrenmattPanne199]
3.
Vorsprung, vor allem an Kanthölzern, der in einen dazu passenden Schlitz greift
Beispiel:
für die Verbindung von Hölzern durch Schlitz und Zapfen genügt eine dünne Leimbrühe
4.
herablaufendes und in der Form von 1 durch Frost erstarrtes Wasser, Eiszapfen
Beispiel:
Mitten im Tropfen vereisten die Zapfen aufs neue [J. RothRechts und links189]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zapfen · zapfen · abzapfen · anzapfen · verzapfen · Zäpfchen · Zapfenstreich
Zapfen m. ‘länglicher, sich verjüngender Holzpflock (Stöpsel) zum Verschließen eines Gefäßes, konisch runder, mit holzigen Schuppen versehener Fruchtstand der Nadelhölzer’, ahd. zapho (11. Jh.), mhd. zapfe, (md.) zappe, mnd. mnl. tappe, nl. tap, aengl. tæppa, engl. tap führen auf germ. *tappan-, umgelautetes, im Nhd. untergegangenes ahd. zepho (Hs. 12. Jh.), mhd. zepfe ‘Fruchtstand (Traube, Rispe, Ähre)’ auf germ. *tappjan- mit einer Ausgangsbedeutung ‘länglich Ausgezogenes, Spitziges’. Verwandt sind die ablautenden unter ↗Zipfel (s. d.) behandelten Substantive und offensichtlich auch das lautlich und semantisch nahestehende ↗Zopf (s. d.), so daß, da außergerm. Vergleiche fehlen, von einer onomatopoetischen germ. Grundform zur Bezeichnung von etw. Spitzem auszugehen ist. Das Endungs-n der nhd. Form (seit Ende 15. Jh.) entstammt den obliquen Kasus des schwach flektierten Substantivs; im Md. hält sich Zapfe bis ins 18. Jh. Der verdeutlichenden Bildung Tannenzapfen (15. Jh.) folgt (nach der Ähnlichkeit) Eiszapfen (16. Jh.). zapfen Vb. ‘mit Hilfe eines Zapfens durch ein Spundloch ausfließen lassen, entnehmen, abfüllen’, mhd. zapfen, zepfen, auch ‘mit einem Zapfen versehen’; vgl. mnd. mnl. nl. tappen, aengl. tappian, engl. to tap. abzapfen Vb. ‘Flüssigkeit entnehmen, ablaufen lassen’ (16. Jh.), übertragen ‘jmdm. etw. abnötigen, jmdn. ausnutzen’ (17. Jh.). anzapfen Vb. ‘durch Lösen des Zapfens öffnen, anstechen’, übertragen ‘von jmdm. Geld borgen’ (15. Jh.). verzapfen Vb. ‘direkt vom Faß ausschenken’ (15. Jh.), ‘Törichtes tun, Unsinniges von sich geben’ (19. Jh.). Zäpfchen n. zapfenförmige Vorwölbung des weichen Gaumens im Rachen, ‘Gaumenzäpfchen’ (um 1500), ‘zapfenförmiges, rektal einzuführendes Medikament’ (18. Jh.), auch (in beiden Bedeutungen) Zäpflein (16. Jh.). Zapfenstreich m. Beginn der Nachtruhe in der Soldatenunterkunft, anfangs ein Signal, durch Trompete oder durch Trommelwirbel gegeben, dann mit anschließender Begleitmusik als Aufforderung für die Soldaten, sich in ihre Quartiere zu begeben (17. Jh.), schließlich zu einem Musikstück und zu festlicher Militärmusik erweitert; eigentlich ‘Streich, Schlag auf den Zapfen des Bierfasses, um dieses zu schließen und den Ausschank im Militärlager zu beenden’; vgl. nd. taptō, nl. tap toe ‘Zapfen zu’, danach nl. taptoe ‘abendliche Militärmusik, festliche Musikparade’, woraus gleichbed. engl. tattoo, (älter) taptoo (s. ↗Tattoo), und russ. (älter) taptá (тапта) ‘Zapfenstreich’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Spund · Zapfen
Oberbegriffe
  • nicht lebendes Objekt · unbelebtes Objekt
Synonymgruppe
Hahn · ↗Spund · Zapfen · ↗Zapfhahn
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Pfropfen · ↗Proppen · ↗Stopfen · ↗Stöpsel · Verschlussstopfen  ●  ↗Korken  Hauptform · ↗Stoppel (Flasche)  österr. · Zapfen (Flasche)  schweiz.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Pflock · Zapfen  ●  Pinn  norddeutsch · ↗(die) Dolle  fachspr., technisch
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Baum Blatt Faß Kiefer Kugel Nadel Netzhaut Schlag Signal Stab bilden grün mächtig nachkommen pflücken reif schneiden sogenannt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Zapfen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wer zu früh pflückt, kommt mit unreifen Zapfen nach Hause.
Die Zeit, 30.12.2013, Nr. 52
Diese Bäume produzieren in manchen Jahren Zapfen im Überfluss, in anderen fast keine.
Die Welt, 16.09.2004
Die Zapfen müssen 20 cm voneinander entfernt stehen; sie bilden die Fruchtzweige.
Schlipf, Johann Adam: Schlipfs populäres Handbuch der Landwirtschaft, Berlin: Parey 1918, S. 300
Der Anordnung der Zapfen entspricht also die Verteilung der Farbenempfindlichkeit in unserem Auge.
Hesse, Richard: Der Tierkörper als selbständiger Organismus, Leipzig u. a.: B. G. Teubner 1910, S. 1040
Manche hingen sich als starrer, brauner Zapfen mit einem unsichtbaren Fädchen an den Deckel des Kastens.
Bischoff, Charitas: Bilder aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 21605
Zitationshilfe
„Zapfen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Zapfen>, abgerufen am 23.07.2019.

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