Zaghaftigkeit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Zaghaftigkeit · Nominativ Plural: Zaghaftigkeiten · wird selten im Plural verwendet
Aussprache
WorttrennungZag-haf-tig-keit
Wortzerlegungzaghaft-igkeit
Wahrig und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
zaghaftes Wesen, Verhalten
Beispiele:
In einer Zeit der politischen Zaghaftigkeit […] bleiben mutige Würfe leider Wunschdenken. [Neue Zürcher Zeitung, 08.01.2011]
Zudem muss die demokratische Bewerberin [Clinton] den Anschein von Schwäche und Zaghaftigkeit ausräumen[…]. [Die Zeit, 20.09.2016 (online)]
Im Grunde genommen geht es bei der mentalen Kompetenz, sprich: dem Vermögen, sich ziel-, situations- und anforderungsangemessen steuern und organisieren zu können, um ein ganz einfaches Entweder-oder: Man kann sich entweder in Mut, Zuversicht und Umsetzungsstärke denken oder in Mutlosigkeit, Zaghaftigkeit und Überforderungsangst. [Der Standard, 13.09.2013]
Doch bei aller Zaghaftigkeit, die N[…] auch noch als betagter Herr ausstrahlte, wurde er von einem inneren Selbstbewußtsein getragen, das ihn stets bewog, dem Gewissen zu folgen[…]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.09.2004]
Teils durch fortgesetzte Kränklichkeit an der Arbeit gehindert, teils infolge einer übergroßen Bescheidenheit und Zaghaftigkeit blieb er mit seinen wichtigen Entdeckungen im Hintergrunde und überließ anderen die Ernte, zu der er die Saat ausgebracht hatte. [Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 03.03.1909]
Kollokation:
in Koordination: Zaghaftigkeit und Mutlosigkeit, Unsicherheit
übertragen Verhaltenheit des künstlerischen Ausdrucks in Musik, Literatur und Kunst
Beispiele:
Der grell ausgemalte Schrecken, den [der Schriftsteller] Setz verbreitet, erscheint als ein Gegenprogramm zu einer weitgehend dem Ideal der Zaghaftigkeit verpflichteten Gegenwartsliteratur. [Der Spiegel, 21.03.2011, Nr. 12]
Die entscheidende Schwäche des Films liegt in seiner ausgeprägten formalen Zaghaftigkeit. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.05.1996]
2.
zögerliches Vorgehen, Unentschlossenheit zu handeln
Beispiele:
Der zwiespältige Charakter dieser Krise [im Jahr 1918], der Widerspruch zwischen dem kraftvollen, entschlossenen offensiven Auftreten der Berliner Massen und der Unentschlossenheit, Zaghaftigkeit, Halbheit der Berliner Führung ist das besondere Kennzeichen dieser jüngsten Episode. [mbfotodoku.wordpress.com, 20.04.2014]
Erklären konnte er sich die Lethargie und Zaghaftigkeit seiner Spieler jedoch nicht. »Das passiert im Fussball eben manchmal«, sagte [der Trainer] […]. [Neue Zürcher Zeitung, 04.03.2012]
Der Ermittlungseifer Bruguières über die mögliche Verstrickung ruandischer Persönlichkeiten steht in krassem Gegensatz zur Zaghaftigkeit, mit der in Frankreich über die Rolle der französischen Armee bei den Massakern aufgeklärt wird. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.11.2006]
Die Psychologie hat sich[…] bislang weit ausgiebiger mit dem tierischen als mit dem menschlichen Lernen beschäftigt. Diese Zaghaftigkeit an einer so wichtigen Stelle ihres Forschungsgebietes läßt aufhorchen[…]. [Die Zeit, 17.07.1964, Nr. 29]
Aber vielleicht hat sie [die Regierung] ja […] eingesehen, daß ein größerer Veränderungsschritt leichter sein kann als viele kleine Zaghaftigkeiten, eine Steuerreform beispielsweise, die den Namen verdient. [Die Zeit, 19.04.1996, Nr. 17] ungewöhnl. Pl.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zagen · verzagen · zag · zaghaft · Zaghaftigkeit · Zagheit
zagen Vb. ‘aus Ängstlichkeit, Unsicherheit zögern, unentschlossen sein’, ahd. (vereinzelt) zagēn (11. Jh., zuvor irzagēn ‘furchtsam, schlaff werden’, 9. Jh.), mhd. zagen ‘feige, furchtsam sein’, ein nur im Hd. bezeugtes Verb, für das weitere Anknüpfungsmöglichkeiten fehlen. Man nimmt daher an, daß es aus einem ahd. *aʒ-agēn (germ. *at-agēn) durch falsche Abtrennung des Präfixes ahd. aʒ- (vgl. nur im 8./9. Jh. übliches ahd. Präp. ‘zu, an, in’, ferner asächs. anord. got. at, aengl. æt ‘bei, zu, an, auf, nach’ und gleichbed. lat. ad) entstanden ist. Ahd. *-agēn ließe sich zu ahd. egī ‘Schrecken, Strafe, harte Zucht’ (9. Jh.), mhd. ege, aengl. ege, ōga ‘Furcht, Schrecken’, anord. ōgn ‘Schrecken, Drohung, Streit’, got. agis ‘Furcht, Schrecken ken’, afagjan ‘abschrecken, ängstigen’, ōgjan ‘in Furcht versetzen’ stellen und mit den außergerm. Verwandten griech. áchos (ἄχος) ‘Trauer, Schmerz, Leid’, air. adāgor, adāgur ‘ich fürchte’ auf die Wurzel ie. *agh- ‘seelisch bedrückt sein, sich fürchten’ zurückführen. Geläufiger als zagen ist heute verzagen Vb. ‘den Mut, die Zuversicht verlieren’, mhd. verzagen. zag Adj. ‘ängstlich, zaghaft’, ahd. zag (9. Jh.), mhd. zage ‘zaghaft, verzagt, feige’, wohl Rückbildung aus dem Verb, früh geläufig in der Substantivierung ahd. zago m. ‘Feigling’ (9. Jh.), mhd. zage ‘verzagter, feiger Mensch, elender, durchtriebener Kerl’. zaghaft Adj. ‘schüchtern, scheu, ängstlich, unentschlossen’, mhd. zag(e)haft; dazu Zaghaftigkeit f. (17. Jh.). Zagheit f. ‘zaghaftes Wesen’, ahd. zagaheit (9. Jh.), mhd. zag(e)heit ‘Feigheit, Verzagtheit’.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Mutlosigkeit gewiss

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Zaghaftigkeit‹.

Zitationshilfe
„Zaghaftigkeit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Zaghaftigkeit>, abgerufen am 24.04.2019.

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