Wiege, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Wiege · Nominativ Plural: Wiegen
Aussprache
WorttrennungWie-ge (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Wiege‹ als Erstglied: ↗Wiegendruck · ↗Wiegenfest · ↗Wiegenlied
 ·  mit ›Wiege‹ als Letztglied: ↗Bauernwiege · ↗Doppelwiege · ↗Holzwiege · ↗Kinderwiege · ↗Puppenwiege
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
früher übliches, kleines Bett für den Säugling, das an seinen Schmalseiten auf einem nach oben abgerundeten Brett aufliegt, sodass es seitwärts geschaukelt werden kann
Beispiele:
eine geschnitzte, bemalte Wiege aus Holz
das Kind lag in der Wiege und schlief
Da setzte sie sich neben die Wiege und wiegte ihr Kind [Hesse3,264]
bildlich
Beispiel:
gehobenseine Wiege stand in B (= er ist in B geboren, stammt aus B)
etw. ist jmdm. in die Wiege gelegt wordenjmd. besitzt etw. von Geburt an
Beispiele:
dieses Talent, diese Gabe ist ihr in die Wiege gelegt worden
von der Wiege an (= von Geburt an, von klein auf) hatte er ein schweres Leben
von der Wiege bis zur Bahre (= das ganze Leben hindurch)
Die Sprache ... bekommt der Mensch nicht als Geschenk in die Wiege gelegt, sondern er muß sie erlernen [Gesundheit1967]
das ist ihm nicht an der Wiege gesungen wordendas war nicht vorauszusehen, das hätte er nie gedacht
Beispiel:
Auch an der Wiege der Rheinländerin hätte man es wahrscheinlich nicht gesungen, daß sie einmal Löwen im roten Ring vorführen würde [SokolZirkus164]
2.
gehoben, übertragen Anfang, Ursprung von etw., Ausgangspunkt
Grammatik: meist im Singular
Beispiele:
Frankreich war im 18. Jahrhundert die Wiege des Fortschritts
diese Halle ist die Wiege des Walzwerks
ich habe unter Bopp Sanskrit getrieben und glaubte damit bis zur Wiege der Menschheit vorzudringen [G. HermannGebert110]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wiege · wiegen1 · Wiegendruck
Wiege f. ‘zum Schaukeln eingerichtetes, ursprünglich frei an Deckenbalken hängendes Kinderbett’, ahd. wiega (Hs. 12. Jh.), mhd. wiege, (md.) wige, mnd. wēge, mnl. wieghe, nl. wieg. Daneben stehen ablautend die gleichbed. Formen ahd. waga (9. Jh.), wiga, wega (11. Jh.), mhd. wage und (mit expressiver Konsonantendoppelung) anord. schwed. vagga, die sich an die unter ↗bewegen (s. d.) angeführte Wurzel ie. *u̯eg̑h- ‘bewegen, ziehen, fahren’ anschließen. Ahd. wiega, mhd. wiege, nhd. Wiege und seine unmittelbaren Verwandten dürften dagegen eine auf dem iterativen Charakter des Wortes (‘das sich Bewegende, das Schaukelnde’) beruhende reduplizierende Wurzelform ie. *u̯eug̑h- (germ. *weug-) voraussetzen. wiegen1 Vb. ‘ein Kind in der Wiege schaukeln’ (Ende 15. Jh.), dann auch ‘(sich) hin und her bewegen, schwanken’ (17. Jh.); vom Substantiv abgeleitet. Wiegendruck m. ‘Druck aus der Frühzeit (bis 1500) des Buchdrucks’ (1. Hälfte 19. Jh., geläufig gegen Ende 19. Jh.), zu Wiege im Sinne von ‘Ursprung, erster Anfang’, Verdeutschung von ↗Inkunabel (s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Ursprung  ●  ↗Geburtsstätte  fig. · Wiege  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
Ausgangspunkt · ↗Ursprungsort  ●  Wiege  geh., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abendland Arbeiterbewegung Bahre Christentum Eidgenossenschaft Fee Geburtsstätte Golfsport Industrialisierung Luftfahrt Menschheit Neugeborene Raumfahrt Reformation Ruhrindustrie Serbentum Skilauf Skisport Solidarnosc Staatlichkeit Säugling Weinbau Weltreligion Wiege Zivilisation Zählen erwürgen legen schaukeln singen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Wiege‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Kreolischen Kindern ist der Rhythmus quasi in die Wiege gelegt.
Der Tagesspiegel, 08.06.2003
Die Wiege der neuzeitlichen Kultur aber liegt wie immer in den Städten.
Schwanitz, Dietrich: Bildung, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 80
Ist Ihnen das politische Engagement sozusagen in die Wiege gelegt?
Süddeutsche Zeitung, 16.03.1998
Nein, die Männer werfen sie wieder ins Meer, darin sie wohlig schaukeln wie in einer Wiege.
Kisch, Egon Erwin: Der rasende Reporter, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1925], S. 207
Das Kind schrie auf, besorgt versuchte sie nach der Wiege zu blicken.
Viebig, Clara: Das Weiberdorf, Briedel u. Mosel: Houben 1996 [1900], S. 108
Zitationshilfe
„Wiege“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Wiege>, abgerufen am 14.11.2019.

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