Weltbürger, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungWelt-bür-ger (computergeneriert)
WortzerlegungWeltBürger
Wortbildung mit ›Weltbürger‹ als Erstglied: ↗weltbürgerlich
Duden GWDS, 1999

Bedeutung

Bürger der Erde u. nicht nur Glied eines bestimmten Volkes oder Staates, womit sich Vorstellungen von Toleranz, Freiheit u. Gleichheit verbinden; Kosmopolit
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Welt · weltlich · verweltlichen · Umwelt · Weltalter · Weltbürger · Weltmann
Welt f. ‘Erde, Universum, gesamte Realität’, ahd. weralt (8. Jh.), mhd. werlt und (zuerst 12. Jh., später häufiger) welt ‘Zeitalter, die gesamte Schöpfung, Erde als Wohnsitz der Menschen und als Gegensatz zum Meer, Menschheit’, asächs. werold, mnd. werlt, werlde, mnl. wērelt, werlt, nl. wereld, aengl. weorold, wor(o)ld, engl. world, anord. verǫld (wohl entlehnt aus dem Aengl.), schwed. värld (germ. *weraldi-). Es handelt sich um eine Zusammensetzung, deren erstes Glied aus ahd. (8. Jh.), mhd. wer ‘Mann’, asächs. aengl. wer ‘Mann, Mensch’, anord. verr ‘Mann, Ehemann’, got. waír ‘Mann’ (germ. *wera- m. ‘Mensch, Mann’, aus *wira-) besteht, das mit lat. vir ‘Mann, Gatte’, air. fer ‘Mann’ und (langvokalisch) aind. vīráḥ ‘Mann, kraftvoller Mann, Held’, lit. výras ‘Mann, Ehemann’ auf ie. *u̯ī̌ros ‘Mann’, eigentlich ‘der Kräftige’, führt, vielleicht zu der unter ↗Weide (s. d.) genannten Wurzel ie. *u̯ei-, *u̯eiə- ‘auf etw. losgehen’, auch ‘kräftig sein’ gehörig. Das Grundwort besteht aus dem (mit unterschiedlicher Stammbildung) in aengl. ieldo ‘Zeitalter, -raum, Lebenszeit, Alter’ (Plur. ielde ‘Leute’), anord. ǫld ‘Lebenszeit, Zeitalter, Menschen’, got. alds ‘Menschenalter, Zeit’ überlieferten Substantiv, das zu der unter ↗alt und ↗Alter (s. d.) dargestellten Wurzel ie. *al- ‘wachsen, nähren’ gehört. Ahd. weralt übersetzt lat. saeculum ‘Geschlecht, Zeitalter, Zeit, Zeitgeist, Jahrhundert’, kirchenlat. ‘Welt, irdisches (sündiges) Leben’ und lat. mundus ‘Welt, Weltordnung, Weltall’ und entwickelt so bereits die Bedeutungen ‘Zeitalter, Menschen-, Weltalter, Zeitlichkeit, Kreis der Erdbewohner, Außenwelt, Erdkreis, Schöpfung’. Naturwissenschaftliche Betrachtungsweise erweitert in spätmhd. Zeit (14. Jh.) den Anwendungsbereich um ‘Makrokosmos, Universum’ sowie ‘Mikrokosmos, die kleine Welt des Menschen’. Dazu stellt sich in übertragenem Gebrauch Welt als Bezeichnung für einen ‘umfassenden geistigen Bereich’ (14. Jh., geläufig besonders seit dem 18. Jh., vgl. Fügungen wie eine Welt von Begriffen, der Erinnerungen, von Kenntnissen). Die Verwendung des Wortes im Sinne der christlichen Schöpfungsvorstellung tritt in neuerer Zeit hinter der der modernen Naturwissenschaften zurück. weltlich Adj. ‘die Welt betreffend, ihr angehörend, irdisch, sinnlich’, besonders als Gegenwort zu geistlich, kirchlich, himmlisch (‘jenseitig’), ahd. weraltlīh ‘zeitlich, irdisch, dem Laienstand gemäß, weltzugewandt’ (9. Jh.), mhd. werltlich, weltlich ‘zur Welt, zum Leben gehörend, weltlich gesinnt’, Übersetzungswort für lat. mundānus ‘zur Welt gehörig’ und saeculāris ‘zeitlich, weltlich, heidnisch’. verweltlichen Vb. ‘sich der Welt zuwenden’ (17. Jh.), ‘weltlicher Verwaltung unterstellen (von Kirchenbesitz), säkularisieren’ (19. Jh.). Umwelt f. ‘Umgebung des Menschen (Land, Leute)’. Da zuerst (1800) in einem dt. verfaßten Gedicht des Dänen Baggesen auftretend, ist vielleicht gleichbed. dän. omverden vorauszusetzen; danach Goethe (1816). Später (um 1870) wird Umwelt Übersetzungswort von ↗Milieu (s. d.) in der Gesellschaftstheorie von Taine. Im biologischen Sinne versteht J. v. Uexküll (1909) unter Umwelt die für ein Lebewesen existierende und auf seine Lebensbedingungen einwirkende Umgebung (zunächst in Hinsicht auf Tiere, dann Menschen). Das Wort Umwelt wird (ca. 1970) als Standardbegriff aufgenommen von der ökologischen Bewegung und steht dort im weitesten Sinne für ‘Natur’, doch im allgemeinen Sprachgebrauch durchaus noch der Erstbedeutung folgend für ‘Dinge, Lebewesen, Vorgänge, die in Kontakt und Wechselbeziehung zum Menschen stehen’. Weltalter n. ‘Zeitalter’ (17. Jh.), ‘weltgeschichtlicher Zeitabschnitt’ (18. Jh.). Weltbürger m. ‘Mensch, der sich als Bürger der gesamten Welt, nicht nur als Bürger eines Staates empfindet’, Übersetzung (17. Jh.) von griech. kosmopolítēs (κοσμοπολίτης), s. ↗Kosmopolit. Dann (18. Jh.) unter Einfluß von frz. cosmopolite als Schlagwort der Aufklärung ‘freier, weltweit (über die nationalen Grenzen hinaus) denkender Mensch, der sich der gesamten Menschheit verpflichtet fühlt’ (besonders seit Wieland); auch ‘Erdenbürger’ (18. Jh.). Weltmann m. ‘Mann mit Weltkenntnis, Erfahrung und gewandten Umgangsformen’ (16. Jh., geläufig seit 18. Jh.), vgl. Mann von Welt (18. Jh.) nach frz. homme du monde; auch allgemein ‘Mann, der das Leben meistert’ (17. Jh.), älter abschätzig für einen ‘allzu lebenstüchtigen Mann’ (16. Jh.); vgl. ahd. weraltman ‘Bewohner der Erde, Mensch’, abschätzig ‘weltlich gesinnter Mensch, Nichtgeistlicher’ (9. Jh.), mhd. werltman ‘Mensch auf Erden, weltlich gesinnter Mensch’; noch im 17. Jh. bilden Weltmann und Mönch ein Gegensatzpaar.

Thesaurus

Synonymgruppe
Kosmopolit · Weltbürger · Weltreisender
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bewußtsein Bürger Deutscher Emigrant Europäer Franzose Humanist Lokalpatriot Patriot Pazifist Paß Provinz Staatsbürger aufgeklärt demokratisch echt elegant fühlen gebildet geboren jüdisch kritisch liberal literarisch musikalisch polyglott selbsternannt verantwortungsbewußt wahr würdigen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Weltbürger‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Grab des ersten deutschen Weltbürgers bleibt bis heute unbekannt.
Die Zeit, 18.02.2008, Nr. 07
Vor der Wende war die Auswahl sehr begrenzt, doch seit 1990 ist er der selbstverständlichste Weltbürger.
Süddeutsche Zeitung, 19.02.2001
Als alle wieder abends in das Haus zurückkehrten, war wohl der neue Weltbürger bereits da.
Corinth, Lovis: Selbstbiographie. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1926], S. 10782
Wiewohl Mann amerikanischer Weltbürger bleiben will, bekennt er sich dazu, weiterhin »in deutscher Tradition« zu leben.
o. A.: 1945. In: Overresch, Manfred u. Saal, Friedrich Wilhelm (Hgg.) Deutsche Geschichte von Tag zu Tag 1918-1949, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1986], S. 4593
In der Doppelmonarchie wurde es möglich, Patriot und Weltbürger zugleich zu sein.
Weizsäcker, Richard von: Dreimal Stunde Null? 1949 1969 1989, Berlin: Siedler Verlag 2001, S. 161
Zitationshilfe
„Weltbürger“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Weltbürger>, abgerufen am 25.04.2019.

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