Wasserkopf, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungWas-ser-kopf
WortzerlegungWasserKopf
eWDG, 1977

Bedeutung

ungewöhnlich großer Kopf infolge abnormer Ansammlung von wässriger Flüssigkeit in den Hirnkammern
abwertend, bildlich etw., das im Verhältnis zum Ganzen und hinsichtlich seiner Funktion unnatürlich vergrößert (worden) ist
Beispiel:
diese Behörde ist ein Wasserkopf
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wasser · wässerig · wässern · Wasserkopf · Wasserstoff · Wassersucht
Wasser n. geruch-, geschmack- und farblose Flüssigkeit. Der Bildung mit r-Suffix westgerm. *watar, ahd. waʒʒar (8. Jh.), mhd. waʒʒer, asächs. watar, mnd. mnl. wāter, nl. water, afries. weter, aengl. wæter, engl. water (germ. *watr-) stehen nordgerm. und ostgerm. Bildungen mit n-Suffix wie anord. vatn, schwed. vatten, got. watō (germ. *watn-) gegenüber. Sie repräsentieren ein ie. Paradigma, das in seiner Flexion r-Stamm (ursprünglich im Nominativ und Akkusativ Sing., vgl. hethit. watar) und n-Stamm (ursprünglich in den übrigen Kasus, vgl. hethit. weten-) vereinigt. Nächstverwandt sind aind. udán, griech. hýdōr (ὕδωρ) ‘Wasser’, lat. unda ‘Welle, Woge’, air. u(i)sce ‘Wasser’, aslaw. voda, russ. vodá (вода) ‘Wasser’. Alle Formen werden auf ie. *aud-, *u̯ed-, *ū̌d- ‘Wasser’, eine Dentalerweiterung der Wurzel ie. *au- ‘benetzen, befeuchten, fließen’, zurückgeführt. Verwandt sind auch die unter ↗Auerochse und ↗Otter m. (s. d.) angegebenen Formen. Vielfach redensartlich etw. abgraben ‘zu verhindern suchen, zunichte machen’ (15. Jh.), danach jmdm. das Wasser abgraben ‘jmds. Pläne durchkreuzen, jmdm. seine Möglichkeiten nehmen’ (um 1900); stille Wasser sind tief ‘ruhige, verschlossene Menschen sind schwer zu durchschauen’ (16. Jh.); in trübem Wasser fischen ‘in unredlicher Weise seinen Vorteil suchen und nutzen’ (17. Jh.); Wasser auf seiner Mühle haben, auf jmds. Mühle geben ‘neuen Auftrieb, Bestätigung geben’ (18. Jh.); ein Schlag ins Wasser ‘vergeblich, unnütz’ (19. Jh.), älter mhd. das waʒʒer slahen. wässerig Adj. ‘wie Wasser, wasserhaltig, dünn, gehaltlos’, ahd. waʒʒarīg (Hs. 12. Jh.), mhd. weʒʒeric, waʒʒeric, auch ‘feucht’. wässern Vb. ‘mit Wasser versehen, für längere Zeit in Wasser legen, Wasser absondern’, mhd. weʒʒern. Wasserkopf m. durch krankhafte Ansammlung von Gehirnflüssigkeit aufgetriebener Kopf (18. Jh.), übertragen ‘unverhältnismäßig große Ausdehnung’ (z. B. der Verwaltung u. ä., 19. Jh.). Wasserstoff m. nichtmetallisches chemisches Element, Bestandteil des Wassers (1791, Girtanner), Übersetzung von gleichbed. frz. hydrogène, nlat. Hydrogenium. Wassersucht f. ‘krankhafte Ansammlung von Flüssigkeit im Körper’, ahd. waʒʒarsuht (10. Jh.), mhd. waʒʒersuht.

Thesaurus

Medizin
Synonymgruppe
Wasserkopf  ●  Gehirnwassersucht  veraltet · Hydrocephalus  fachspr. · ↗Hydrozephalus  fachspr.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Administration · ↗Apparat(e) · ↗Beamtenapparat · ↗Bürokratie · ↗Obrigkeit · ↗Verwaltung · ↗Verwaltungsapparat · öffentliche Hand  ●  ↗Bürokratismus  abwertend · Wasserkopf  ugs., abwertend, fig.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abbau Bürokratie Ministerium Rücken Verwaltung Zwilling abbauen administrativ aufblähen beseitigen bürokratisch gewaltig leiden personell riesig verkleinern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Wasserkopf‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Statt Lehrer zu entlassen sollte man den "Wasserkopf", die Verwaltungen, verkleinern.
Der Tagesspiegel, 05.12.2001
Der einst so summende bürokratische Wasserkopf lag da ziemlich verlassen.
Die Zeit, 10.08.1990, Nr. 33
Um den kleinen Justin mit dem Wasserkopf kümmert sich die Oma.
Bild, 14.12.2002
Fast alle diese Kinder trugen schwankende Wasserköpfe an dünnen Hälschen und in ihren Riesenaugen lag ein Wissen, das Menschenkindern verboten ist.
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh II, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 304
Da sind Leute mit Wasserköpfen, Schielende, Verwachsene, Halbjuden, eine Unmenge rassisch minderwertigen Zeugs.
o. A.: Dreiundzwanzigster Tag. Mittwoch, 19. Dezember 1945. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1945], S. 3791
Zitationshilfe
„Wasserkopf“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Wasserkopf>, abgerufen am 21.10.2019.

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