Wandlung, die

Alternative SchreibungWandelung
GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Wandlung · Nominativ Plural: Wandlungen
WorttrennungWand-lung ● Wan-de-lung (computergeneriert)
Wortzerlegungwandeln1-ung
Wortbildung mit ›Wandlung‹ als Erstglied: ↗Wandlungsprozess · ↗wandlungsfähig  ·  mit ›Wandlung‹ als Letztglied: ↗Bewusstseinswandlung · ↗Strukturwandlung
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
das Anderswerden, die wesentliche Änderung, Veränderung
Beispiele:
jmd. macht eine tiefe innere Wandlung durch
in dieser Angelegenheit hat sich eine Wandlung vollzogen
etw. ist in einer, in ständiger Wandlung begriffen
die tiefgreifenden sozialen Wandlungen auf dem Boden der Deutschen Demokratischen Republik [Protokoll VIII. Parteitag1,188]
2.
Religion die angenommene Umwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi als Teil der Messe
Beispiele:
die Wandlung vornehmen
es läutet zur Wandlung
3.
Jura das Rückgängigmachen eines Kaufvertrages durch den Käufer oder Besteller wegen Mängeln an der erworbenen Sache
Beispiel:
Wandlung erklären, verlangen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wandeln · Wandel · Wandlung · verwandeln · Wandelstern
wandeln Vb. ‘(sich) ändern, langsam gehen, hin und her gehen’, ahd. wantalōn ‘(sich) hin und her wenden, sich mit etw. abgeben, mit jmdm. verkehren, handeln, ändern, verwandeln’ (8. Jh.), mhd. wandeln ‘rückgängig machen, tauschen, wechseln, ändern, wenden, gerichtlich verhandeln, Ersatz leisten, tadeln, strafen’, intransitiv ‘wandern, reisen, gehen’, asächs. wandlon, mnd. mnl. wandelen ‘verändern, verkehren, gehen’, nl. wandelen ‘spazierengehen’, afries. wandelia ‘wandeln, verändern’ ist eine Iterativbildung zu einem in ahd. wantōn ‘wenden, verwandeln, sich ändern’ (8. Jh.), mhd. wanten ‘drehen’, aengl. wandian ‘zaudern, zurückschrecken, ablassen’ belegten Verb, das ablautend zu den unter ↗wenden und ↗winden (s. d.) behandelten Verben steht. Als Ausgangsbedeutung für das Iterativum ist ‘wiederholt wenden, hin und her wenden’ anzusetzen, woraus in übertragenem Sinne (mhd.) ‘hin und her überlegen, gerichtlich verhandeln’. Aus der intransitiven Gebrauchsweise ‘sich hin und her wenden’ entwickelt sich bereits im Ahd. ‘sich mit etw. abgeben, befassen, mit jmdm. verkehren’ (vgl. handeln und wandeln ‘verkehren’, bis ins 18. Jh.) einerseits und im 14. Jh. ‘gehen, wandern, reisen’ andererseits, so daß daraufhin wandeln semantisch mit ↗wandern übereinstimmen kann. Luther unterscheidet in seiner Bibelübersetzung wandeln ‘auf kleinerem Raum hin und her gehen’ von wandern ‘eine größere Strecke zurücklegen’. wandeln wird durch Klopstock im Sinne von ‘eine kurze Strecke hin und her spazieren’ wieder belebt. Die Bedeutung ‘ändern’ (bereits im Ahd. auch ‘wechseln, tauschen’) ist als ‘in eine andere Richtung wenden’ zu verstehen. Wandel m. ‘Veränderung, Verkehr, Lebensführung’, ahd. wantal ‘Verkehr, Umgang’ (9. Jh.), mhd. wandel ‘Rückgang, Änderung, Tausch, Wandelbarkeit, Makel, Fehler, Tadel, Ersatz, Buße, Umgang, Verkehr, Gang, Lebensführung’, aus dem Verb rückgebildet. Handel und Wandel ‘kaufmännischer Handel und Verkehr’ (17. Jh.). Wandlung f. ‘Veränderung’, ahd. wantalunga ‘das Hinundherbewegen, Verkehr, Veränderung’ (um 800), mhd. wandelunge ‘Änderung, Tausch, Wechsel, gerichtliche Verhandlung, Verzichtleistung, Gebrechen, Fehler, Gang, Lebenswandel, Umgang, Verkehr’. verwandeln Vb. ‘verändern’, ahd. firwantalōn (8. Jh.), mhd. verwandeln. Wandelstern m. ‘Planet’ in poetischer Umschreibung (Ende 17. Jh.), danach von Puristen als Ersatzwort empfohlen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Austausch · ↗Transition · ↗Umbruch · Wandel · Wandlung · ↗Wechsel · ↗Übergang
Unterbegriffe
Synonymgruppe
Gestaltswandel · ↗Transformation · ↗Umgestaltung · ↗Umwandlung · ↗Verwandlung · Verwandlungsprozess · Wandlung  ●  ↗Metamorphose  fachspr.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Mutation · ↗Veränderung · Wandlung
Unterbegriffe
Jura
Synonymgruppe
Rückgängigmachung · ↗Rücktritt  ●  Wandlung  fachspr.
Religion
Synonymgruppe
Wandlung  ●  ↗Transsubstantiation  fachspr.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anschauung Kaufvertrag Minderung Saulus Verwandlung allmählich bemerkenswert durchlaufen durchleben durchmachen eingetreten einschneidend erstaunlich fundamental geschichtlich grundlegend inner paulinisch seltsam stet stilistisch strukturell tiefgehend tiefgreifend unterwerfen verblüffend vollziehen vollziehend vollzogen wundersam

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Wandlung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Interface ist gut dokumentiert; neue Wandlungen lassen sich daher jederzeit hinzufügen.
C't, 2001, Nr. 9
Von den Wandlungen der letzten zwanzig Jahre aber hat er kaum mehr etwas mitbekommen.
Die Zeit, 21.12.1984, Nr. 52
Es war bei uns beiden eine Wandlung vor sich gegangen.
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 4901
In den nächsten Jahren vollzog sich aber bei ihm eine vollständige Wandlung.
Bebel, August: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 4101
Und wie deutlich spiegelt sich diese Wandlung in der Geschichte der Schrift!
Goldfriedrich, Johann: Geschichte des Deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Geschichte des deutschen Buchwesens, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1909], S. 22051
Zitationshilfe
„Wandlung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Wandlung>, abgerufen am 19.07.2019.

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