Vorstellung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Vorstellung · Nominativ Plural: Vorstellungen
Aussprache
WorttrennungVor-stel-lung (computergeneriert)
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
Veranstaltung, bei der ein Bühnenstück, Film, aus einzelnen Darbietungen bestehendes Programm dem Publikum vorgeführt wird, Aufführung
Beispiele:
die Vorstellung beginnt (um) 20 Uhr, dauert bis 22 Uhr, ist gerade beendet
umgangssprachlich die Vorstellung ist aus
die Vorstellung war gut, schwach besucht
eine Vorstellung absagen, abbrechen
das Theater, der Zirkus hat heute keine Vorstellung
Kinokarten für die erste, zweite Vorstellung kaufen
wir gingen in eine (öffentliche) Vorstellung für Kinder, in eine geschlossene Vorstellung
2.
im Bewusstsein auftretendes Abbild der Wirklichkeit, das nicht auf unmittelbarer Wahrnehmung beruht, sondern früher wahrgenommene Gegenstände, Situationen (neu kombiniert) wiedergibt
Beispiele:
eine klare, genaue, ausgeprägte, unklare, ungefähre, irrige, falsche Vorstellung
deutliche, feste, vage, verworrene, nebelhafte, schiefe Vorstellungen
das ist eine merkwürdige, verlockende Vorstellung!
ich kann mir von diesen Dingen, von ihm keine richtige, kaum eine Vorstellung machen
er macht sich [Dativ] keine Vorstellung (davon), welche Mühe das kostet
von jmds. Arbeit, Zustand eine (schwache) Vorstellung haben, bekommen, gewinnen
mit seinen Äußerungen erweckte er bestimmte Vorstellungen
jmdm. eine (konkrete, umfassende) Vorstellung von etw. geben, vermitteln
er entwickelte seine Vorstellungen über dieses Projekt
das entspricht ganz meinen Vorstellungen
mit veralteten, herkömmlichen Vorstellungen brechen
sich von mythischen, religiösen Vorstellungen frei machen, lösen
das überschreitet die Grenzen meiner Vorstellung (= meiner Einbildungskraft, meines Vorstellungsvermögens)
3.
meist im Singular
das gegenseitige Bekanntmachen, das Vorstellen
Beispiele:
die Vorstellung der ankommenden Gäste, der neuen Mitarbeiter, aller Wahlkandidaten
bei der Vorstellung nannte er seinen Namen
4.
meist im Plural
veraltend Einwand, Vorhaltung
Beispiele:
er machte uns wegen dieser Unüberlegtheit ernste, eindringliche Vorstellungen
sie waren keinen Vorstellungen zugänglich
alle Vorstellungen waren fruchtlos, halfen nichts
Eine grobe Vorstellung aus Wien traf ... ein [MoloEin Deutscher307]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stellen · Stelle · Stellmacher · Stellvertreter · Stellung · Stellage · abstellen · anstellen · Angestellter · Anstellung · ausstellen · Ausstellung · bestellen · entstellen · herstellen · wiederherstellen · Hersteller · Herstellung · nachstellen · verstellen · Verstellung · vorstellen · Vorstellung
stellen Vb. ‘an einem Ort zum Stehen bringen, aufstellen’, ahd. stellen (8. Jh.), mhd. stellen, stallen (Prät. mit Rückumlaut ahd. stalta, mhd. stalte, s. auch ↗Anstalt, ↗Gestalt), asächs. stellian ‘hinstellen’, mnd. mnl. nl. stellen, aengl. stellan sind im Sinne von ‘an einem Standort aufstellen’ gebildet zu germ. *stalla- ‘Standort, Platz’ (s. ↗Stall). Stelle f. ‘Ort, Platz, Amt, Behörde’, Rückbildung des 16. Jhs. aus dem Verb, eigentlich ‘Platz, Ort, wo etw. steht’; vgl. mhd. himelstelle ‘Stelle, Sitz im Himmel, Himmelsthron’. Stellmacher m. ‘wer Gestelle für Wagen herstellt’, spätmhd. (omd.) stellemacher, im Nordd. und Omd. verbreitet, zum ja-Stamm Stell n. ‘Gestell’ (frühnhd. bis ins 17. Jh., noch mundartlich im Nordd.), vgl. ahd. -stelli in forastelli ‘Stuhlverstopfung’ (um 1100); s. auch ↗Bettgestell. Stellvertreter m. ‘wer im Auftrag und Namen eines anderen handelt’ (17. Jh.). Stellung f. ‘das Stellen, Körperhaltung, Stand, Anordnung, Lage, Amt, Posten, militärisch befestigter Punkt bzw. Abschnitt’, mhd. stallunge, stellung; vgl. stellungslos (Ende 19. Jh.). Stellage f. ‘Gerüst, Gestell’, Übernahme (16. Jh.) von nl. stellage ‘Bau- oder Schaugerüst’, einer Bildung mit frz. Endung zu mnl. stellen (s. oben). abstellen Vb. ‘etw. abschaffen, beseitigen’ (15. Jh.), ‘niedersetzen’ (16. Jh.), ‘außer Betrieb setzen, abschalten, auf etw. abzielen’ (18. Jh.). anstellen Vb. ‘nahe woran stellen, lehnen, in eine Stelle, ein Amt einsetzen, bewerkstelligen, unternehmen, anstiften, zum Fließen, Strömen bringen’, reflexiv ‘sich anreihen’, mhd. anestellen ‘einstellen, aufschieben’; Angestellter m. ‘in einem abhängigen Arbeitsverhältnis Stehender’ (Anfang 19. Jh.); Anstellung f. ‘Arbeitsverhältnis, Arbeitsplatz’ (19. Jh.), ‘Einrichtung, Anordnung, Bewirkung’, auch ‘Aufschub’ (15. Jh.), Anstellung machen (17. Jh.) für älteres Anstalt(en) machen (s. ↗Anstalt). ausstellen Vb. ‘anfertigen, öffentlich zur Schau stellen, bemängeln, kritisieren’, auch ‘hinausstellen’ (15. Jh.); Ausstellung f. ‘öffentliches Zurschaustellen einer Sammlung o. ä., Ausfertigung, Bemängelung’ (17. Jh.). bestellen Vb. ‘in Auftrag geben, anfordern, bearbeiten, (eine Botschaft) ausrichten’, ahd. bistellen ‘besetzen, bekränzen’ (9. Jh.), mhd. bestellen ‘von allen Seiten umstellen, besetzen, einsäumen, einstellen, anordnen, besorgen, instand setzen’. entstellen Vb. ‘verunstalten’, mhd. entstellen, auch reflexiv ‘sich verstellen’, eigentlich ‘aus der rechten Stellung oder Form bringen’. herstellen Vb. ‘an einen bestimmten Platz stellen, restaurieren, anfertigen, produzieren’ (16. Jh.); wiederherstellen Vb. ‘in den alten Zustand versetzen, ausbessern, reparieren’ (18. Jh.); Hersteller m. ‘Produzent’ (19. Jh.), anfangs auch ‘Restaurator’; Herstellung f. ‘das Anfertigen, Produktion, Verlagsabteilung für typographische Gestaltung und Kalkulation der Bücher’ (19. Jh.). nachstellen Vb. ‘auflauern, verfolgen’ (16. Jh.; eigentlich Schlingen, Fallen stellen). verstellen Vb. ‘verbarrikadieren, an einen anderen Platz stellen, falsch stellen’, übertragen (reflexiv) ‘sich anders geben, als man ist, etw. vortäuschen’, mhd. verstellen ‘zum Stehen bringen, im Fließen aufhalten, (sich) verwandeln, verunstalten, unkenntlich machen’; Verstellung f. ‘Umstellung, Verunstaltung, (Vor)täuschung’ (15. Jh.). vorstellen Vb. ‘nach vorn stellen, bekannt machen’, reflexiv ‘sich ein geistiges Bild machen’ (16. Jh.); Vorstellung f. ‘das Bekanntmachen, geistiges Bild, Idee, Aufführung, Einwand, Vorhaltung’ (um 1600).

Thesaurus

Synonymgruppe
Aufführung · ↗Darstellung · ↗Demonstration · ↗Präsentation · ↗Vorführung · Vorstellung  ●  Präse  ugs., salopp, Jargon
Assoziationen
Synonymgruppe
Aufführung · ↗Inszenierung · Vorstellung
Assoziationen
  • Wohnzimmertheater · ↗Zimmertheater · experimentelles Theater · freies Theater · independent Theater
Synonymgruppe
Anschauung · ↗Auffassung · ↗Ausdruck · ↗Begriff · ↗Denkweise · ↗Idee · Vorstellung
Unterbegriffe
Synonymgruppe
Ausstellung · ↗Messe · ↗Panoptikum · ↗Schau · Vorstellung
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(positive) Utopie · ↗Ideal · ↗Vision · ↗Vorbild · Vorstellung · ↗Zukunftsbild
Assoziationen
Synonymgruppe
Bedacht · ↗Berechnung · ↗Betrachtung · ↗Erwägung · ↗Gedanke · ↗Kalkül · ↗Reflexion · Vorstellung · ↗Überlegung
Assoziationen
Synonymgruppe
(haltlose) Vorstellung · ↗(nicht ernst zu nehmender) Einfall · aus einer Laune heraus  ●  dumme Idee  Hauptform · (Idee) aus einer Bierlaune heraus  ugs. · Einfälle wie die Kuh Ausfälle  derb, scherzhaft · Furzidee  derb · ↗Schnapsidee  ugs. · Wenn wir dich nicht hätten und die kleinen Kartoffeln ...  ugs., Spruch, ironisch, variabel
Assoziationen
  • leicht verrückt  ●  ↗abgedreht  ugs., Jargon · abgespaced  ugs. · abgespact  ugs., Jargon · ausgeflippt  ugs. · ↗crazy  ugs. · ↗flippig  ugs. · ↗irre  ugs. · narrisch  ugs., bair. · nasch  ugs., bair. · ↗schräg  ugs. · ↗spinnert  ugs. · ↗verdreht  ugs.
  • aus Spaß an der Freud(e) · im Scherz · nicht ernst gemeint · nur so · ohne (dabei) nachzudenken · ohne Sinn und Verstand · ohne sich etwas dabei zu denken · scherzeshalber · ↗scherzweise · sollte ein Scherz sein · ↗spaßeshalber  ●  aus Übermut  Hauptform · just for fun  engl. · (in seinem) jugendlichen Leichtsinn  ugs., variabel, Spruch, scherzhaft · (nur so) zum Spaß  ugs. · aus Daffke  ugs., berlinerisch · aus Flachs  ugs. · aus Jux  ugs. · aus Jux und Tollerei  ugs. · aus Scheiß  ugs. · aus Spaß  ugs. · einfach so  ugs. · ↗hetzhalber  ugs., österr. · mal eben so  ugs. · nur mal eben so  ugs.
  • Bubenstreich · ↗Bubenstück · ↗Eulenspiegelei · ↗Jungenstreich · ↗Lausbubenstreich · ↗Lausbüberei · ↗Schabernack · ↗Schelmenstreich · ↗Schelmenstück · ↗Schildbürgerstreich  ●  ↗Dummejungenstreich  Hauptform · ↗Donquichotterie  geh. · ↗Hanswurstiade  geh., veraltend
  • (es sich) nicht verkneifen können (zu) · ↗(jemandem) einfallen · (jemandem) kommt der Gedanke · ↗(jemanden) anwandeln · ↗(sich) (etwas) überlegen · (sich) einfallen lassen · auf den Gedanken verfallen (zu) · auf die Idee kommen (zu) · in den Sinn kommen  ●  (auf einmal) ankommen mit  ugs. · (den) Einfall haben (...)  ugs. · (einen) Rappel kriegen (und...)  ugs. · (jemandem) belieben zu (es)  geh. · ↗(jemanden) anwehen  geh. · (jemanden) überkommen (es)  geh. · (plötzlich) die Idee haben (...)  ugs. · (sich etwas) denken (bei)  ugs. · (sich) bemüßigt fühlen (zu)  geh., ironisierend · auf die glorreiche Idee kommen (zu)  ugs., ironisch · auf etwas kommen  ugs. · es für eine gute Idee halten (zu / dass)  ugs., ironisch · um die Ecke kommen mit  ugs., fig. · verfallen auf  geh.
  • (noch) nicht der Weisheit letzter Schluss · ↗(noch) unfertig · nicht ausgereift · nicht durchdacht · nicht zu Ende gedacht · schlecht vorbereitet (sein) · ↗unausgereift  ●  ↗unausgegoren  abwertend · weder Hand noch Fuß haben  fig. · ↗halbgar  ugs., abwertend
  • außer Betracht bleiben · nicht in Betracht kommen · nicht in Frage kommen · nicht infrage kommen  ●  ↗indiskutabel (sein)  variabel
  • auf eine Schnapsidee kommen  ●  (einen) Furz quer sitzen haben  ugs., fig. · nicht alle Tassen im Schrank haben  ugs., fig.
  • Wie soll das gehen?  ●  Wie hast du dir das vorgestellt?  floskelhaft · Wie soll das funktionieren (mit ...)?  ugs.
  • Albernheit · Flausen · ↗Kinderei(en) · ↗Mätzchen  ●  ↗Sperenzchen  ugs., regional · Sperenzkes  ugs., regional · Spirenzchen  ugs., regional
Synonymgruppe
Einbildung · Geistesbild · ↗Imagination · ↗Vision · Vorstellung
Assoziationen
  • optische Täuschung · visuelle Illusion
Synonymgruppe
(künstlerische) Darbietung · ↗Aufführung · ↗Event · ↗Fest · ↗Veranstaltung · Vorstellung
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Kurzbiographie · ↗Porträt · Vorstellung (einer Person)

Typische Verbindungen
computergeneriert

Jahresbericht Studie absurd ausverkaufen bestimmt durchsetzen eigen entsprechen enttäuschend entwickeln falsch genau gängig klar konkret landläufig naiv nächst prägen präzis religiös romantisch sagen schwach unterschiedlich vag verbinden vermitteln verwirklichen überzeugend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Vorstellung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Meine Vorstellungen gerade an dieser Stelle sind sehr alt ", sagte sie.
Die Zeit, 15.12.2013 (online)
Man habe auch keine gesicherten Vorstellungen über die Anzahl der Täter, die der RAF zugerechnet werden.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1991]
Die Führung aller körperlichen Bewegungen aber muß von innen durch leitende Vorstellungen erfolgen, die selbst wieder nur durch vielfältige Erfahrungen geübt werden.
Sakka, Keisei u. a.: Pädagogik der Musik. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1962], S. 38391
Wie könnten wir sonst eine Vorstellung von einer anderen unterscheiden?
Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philosophie, Bd. 1: Altertum und Mittelalter. In: Mathias Bertram (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1948], S. 2617
Wie gelangt man doch von ersteren Vorstellungen allmählich zu den letzteren.
Mach, Ernst: Erkenntnis und Irrtum. In: Philosophie von Platon bis Nietzsche, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1905], S. 9630
Zitationshilfe
„Vorstellung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Vorstellung>, abgerufen am 24.04.2019.

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