Vorsicht, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Vorsicht · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungVor-sicht
Wortbildung mit ›Vorsicht‹ als Erstglied: ↗Vorsichtsmaßnahme · ↗Vorsichtsmaßregel · ↗Vorsichtsprinzip · ↗Vorsichtsregel · ↗vorsichtig · ↗vorsichtshalber
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
besonnenes, Gefahren sorgfältig meidendes, wachsames Verhalten, Behutsamkeit
Beispiele:
hier ist große, allerhöchste, äußerste Vorsicht geboten
wir mussten bei diesen Verhandlungen die größte Vorsicht walten lassen
eine solche Arbeit verlangt sehr viel Vorsicht
er empfahl mir Vorsicht, riet mir zur Vorsicht
jmdn. zur Vorsicht anhalten, (er) mahnen
zur, aus Vorsicht (= um ganz sicherzugehen) sah er noch einmal nach
sie gingen mit übertriebener, mit aller gebotenen, der nötigen Vorsicht an diese Aufgabe
umgangssprachlich dieses Buch ist mit Vorsicht zu genießen (= nicht unbedenklich zu lesen)
umgangssprachlich er war gestern nur mit Vorsicht zu genießen (= er musste gestern behutsam behandelt werden)
sprichwörtlich Vorsicht ist besser als Nachsicht
sprichwörtlich Vorsicht ist die Mutter der Weisheit
salopp, sprichwörtlich Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste
in warnenden Ausrufen, Hinweisen
Beispiele:
Vorsicht, Glas!
Vorsicht, Stufe!
Vorsicht, bissiger Hund!
Vorsicht, Hochspannung!
2.
veraltet Vorsehung
Beispiele:
die ewige, göttliche Vorsicht
Die Vorsicht […] hält den ehrlichen Mann immer schadlos [LessingMinnaIV 6]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sehen · Sehe · Seher · sehenswürdig · Sehenswürdigkeit · Sehkraft · absehen · absehbar · ansehen · Ansehen · Ansicht · Ansichtskarte · angesehen · ansehnlich · aufsehen · Aufsehen · Aufseher · Aufsicht · beaufsichtigen · aussehen · Aussehen · Aussicht · nachsehen · Nachsicht · vorsehen · Vorsehung · Vorsicht · vorsichtig · versehen · Versehen · Zuversicht
sehen Vb. ‘mit dem Gesichtssinn wahrnehmen’. Mit ahd. sehan (8. Jh.), mhd. sehen, asächs. sehan, mnd. sēn, mnl. sien, nl. zien, afries. sia, aengl. sēon, engl. to see, anord. sjā, schwed. se, got. saíƕan (germ. *sehwan) sind verwandt ahd. gisiuni ‘Anblick, Erscheinung, Aussehen’ (8. Jh.), asächs. siun ‘Auge’, aengl. sīen ‘Aussehen’, anord. sjōn ‘Blick, Auge’, got. siuns ‘Gesicht, Gestalt’; s. auch die Verbalabstrakta ↗Sicht und ↗Gesicht. Außergerm. sind vergleichbar air. rosc (aus *prosk‐ͧo-) ‘Auge, Blick’, alban. sheh ‘sieht’, hethit. šakuwa (Plur.) ‘Augen’ sowie auch griech. hépesthai (ἕπεσθαι) ‘folgen, begleiten’, aind. sácatē ‘begleitet, steht zur Seite, geht nach, folgt’, lat. sequī ‘(nach)folgen, begleiten, verfolgen, gehorchen’, air. sechithir ‘folgt’. Man nimmt daher eine Bedeutungsentfaltung ‘folgen, mit den Augen folgen, sehen’ an, hervorgegangen aus der Wurzel ie. *seku̯- ‘wittern, spüren’ (vom Hund bei der Jagd), die sich in einem zweiten Bedeutungsstrang zu ‘zeigen, ankündigen’ (s. ↗sagen) entwickelt hat. Sehe f. ‘Pupille, Sehvermögen, Ansicht’, ahd. seha (9. Jh.), mhd. sehe; heute noch landschaftlich. Seher m. ‘Prophet’ (16. Jh.); vgl. mhd. sternseher. sehenswürdig Adj. ‘berühmt, außergewöhnlich und daher des Ansehens wert’ (18. Jh.); Sehenswürdigkeit f. (Anfang 19. Jh.). Sehkraft f. ‘Sehvermögen des Auges’ (Anfang 18. Jh.), älter Sehenskraft (Ende 17. Jh.). absehen Vb. ‘durch Beobachtung erlernen, woraus erkennen, merken, überblicken’ (16. Jh.), ‘auf etw. abzielen’ (17. Jh., dazu s. ↗Absicht), ‘verzichten’ (18. Jh.), mhd. abesehen ‘hinabsehen’; absehbar Adj. ‘überschaubar, erkennbar’ (18. Jh.), in absehbarer Zeit ‘bald’ (Ende 19. Jh.). ansehen Vb. ‘seinen Blick auf etw. richten, betrachten’, ahd. anasehan (8. Jh.), mhd. anesehen; Ansehen n. ‘Erscheinung’, auch (seit 16. Jh.) ‘Achtung, Wertschätzung’, mhd. anesehen ‘Anblick, Angesicht’; Ansicht f. ‘Seite, von der etw. betrachtet wird, Anblick, Bild’, auch (seit 19. Jh.) ‘Meinung’, ahd. anasiht (9. Jh.), mhd. anesiht ‘Anblick’; Ansichtskarte f. ‘Postkarte mit Landschaftsbild’ (Ende 19. Jh.); angesehen Part.adj. ‘geachtet’ (Anfang 18. Jh.); frühnhd. angesehen, (daß) … ‘in Anbetracht’. ansehnlich Adj. ‘angesehen, stattlich, wohlgefällig anzusehen’ (Ende 15. Jh.). aufsehen Vb. ‘emporschauen’, ahd. ūfsehan (um 900), mhd. ūfsehen; Aufsehen n. ‘(öffentliche) Beachtung’, spätmhd. ūfsehen; Aufseher m. ‘Aufsichtführender, Wächter’, spätmhd. ūfseher; Aufsicht f. ‘das Aufpassen, Kontrolle’ (16. Jh.); beaufsichtigen Vb. ‘(über etw.) die Aufsicht haben, kontrollieren’ (Anfang 19. Jh.). aussehen Vb. ‘einen bestimmten Anblick bieten’ (16. Jh.), vgl. mhd. ūʒsehen ‘hinaussehen’; Aussehen n. ‘äußere Erscheinung’ (17. Jh.), ‘Aussicht, Ausblick’ (16. Jh.); Aussicht f. ‘Blick in die Ferne’ (17. Jh.), ‘Zukunftsmöglichkeit, Erwartung’ (18. Jh.). nachsehen Vb. ‘hinterherschauen’, mhd. nāchsehen, auch ‘nachforschen’ (17. Jh.), ‘duldend geschehen lassen, verzeihen’ (16. Jh.); Nachsicht f. ‘verzeihende Haltung’ (18. Jh.), ‘Beaufsichtigung’ (17. Jh.). vorsehen Vb. ‘sich in acht nehmen, planen, in Aussicht nehmen’, ahd. furisehan ‘vorhersehen’ (8. Jh.), forasehan ‘vorhersehen, bedenken’ (9. Jh.), mhd. vür-, vorsehen ‘vorwärts sehen, sich in acht nehmen, wofür Sorge tragen’; Vorsehung f. ‘Schicksal’, mhd. vürsehunge ‘Obsorge, Schutz, Schicksal’; Vorsicht f. ‘Achtsamkeit, Behutsamkeit’, ahd. forasiht ‘Voraussicht, Vorsehung’ (um 1000, für lat. prōvidentia), spätmhd. vorsiht; vorsichtig Adj. ‘achtsam, behutsam’, ahd. forasihtīg ‘vorherschauend, voraussehend’ (um 1000), mhd. vür-, vorsihtic ‘voraussehend, einsichtig, verständig’. versehen Vb. ‘sich um etw. kümmern, ausstatten, ausrüsten, sich irren’, ahd. firsehan ‘verachten, verschmähen’ (8. Jh.), sih firsehan ‘bedacht sein’ (9. Jh.), mhd. versehen ‘vorhersehen, vorherbestimmen, besorgen, ausstatten, versorgen, übersehen, verachten, hoffen auf’; Versehen n. ‘Irrtum, unbeabsichtigter Fehler’ (17. Jh.), häufig aus Versehen ‘ohne Absicht’ (Anfang 19. Jh.). Zuversicht f. ‘Vertrauen in die Zukunft’, ahd. zuofirsiht ‘ehrfurchtsvolles Aufschauen, Hoffen’ (um 1000), mhd. zuoversiht.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bedacht · ↗Bedachtsamkeit · ↗Behutsamkeit · ↗Besonnenheit · Vorsicht
Assoziationen
  • aufpassen · sich in Acht nehmen vor · vorsichtig sein
Synonymgruppe
Achtung! · Vorsicht! · aufgepasst! · aufpassen!  ●  Obacht!  österr., süddt. · Holzauge, sei wachsam!  ugs., Spruch · Spitz pass auf  ugs., Spruch, veraltend
Assoziationen
  • denk nach bevor du sprichst  ugs. · hüte deine Zunge  geh. · pass auf, was du sagst  ugs. · vor Inbetriebnahme des Mundwerks Gehirn einschalten  ugs., Spruch · überleg lieber bevor du was sagst  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufschrift Mahnung Rücksicht Sorgfalt Umsicht Zurückhaltung allergrößst anbringen anraten ansagen behandeln besonder bieten erhöht ermahnen gebieten geboten gebührend gemahnen genießen gewiss herangehen kaufmännisch mahnen raten walten äußer äußerst übergroß übertrieben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Vorsicht‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Vorsicht der Militärs angesichts einer solchen juristischen Expertise war nur zu verständlich.
Die Welt, 01.03.2004
Die Entscheidung in einem von übergroßer Vorsicht geprägten Spiel fiel in der 61.
Der Tagesspiegel, 29.06.2002
Natürlich nähern wir uns einer vorfahrtsberechtigten Straße mit aller erdenklichen Vorsicht.
Graudenz, Karlheinz u. Pappritz, Erica: Etikette neu, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1967 [1956], S. 239
Tritt aber plötzlich mal Nebel auf, dann ist größte Vorsicht am Platze.
Volkland, Alfred: Überall gern gesehen. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1941], S. 27661
Irgendwie äußert der Wein seine Wirkung bei allen und darum ist Vorsicht doppelt geboten.
Baudissin, Wolf von u. Baudissin, Eva von: Spemanns goldenes Buch der Sitte. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1901], S. 24512
Zitationshilfe
„Vorsicht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Vorsicht>, abgerufen am 25.06.2019.

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