Vollmacht, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Vollmacht · Nominativ Plural: Vollmachten
Aussprache
WorttrennungVoll-macht
WortzerlegungvollMacht
Wortbildung mit ›Vollmacht‹ als Letztglied: ↗Exekutivvollmacht · ↗Inkassovollmacht · ↗Sondervollmacht · ↗Vorsorgevollmacht
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
jmdm. von jmdm. erteilte Ermächtigung, etw. an seiner Stelle zu tun, Befugnis zur Vertretung eines anderen
Beispiele:
jmdm. (die) Vollmacht (für die Verhandlungen, zum Unterschreiben des Vertrags) geben, erteilen, übertragen
jmdn. mit allen, weitreichenden, weitgehenden Vollmachten ausstatten
er hat ihm die Vollmacht entzogen
er hat dazu (die) uneingeschränkte Vollmacht, ist mit besonderen Vollmachten ausgerüstet
sie hat von ihm Vollmacht bekommen, etw. zu tun
seine Vollmacht überschreiten, missbrauchen
steht in Briefen vor der Unterschrift des unterzeichnungsberechtigten Stellvertreters
in Vollmacht
2.
Schriftstück, durch das jmd. von jmdm. ermächtigt wird, etw. an seiner Stelle zu tun
Beispiele:
jmdm. eine Vollmacht schreiben, ausstellen, aushändigen
eine Vollmacht unterschreiben
dafür musste er eine schriftliche Vollmacht vorlegen, vorweisen, beibringen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

voll · vollends · völlig · vollständig · Vollständigkeit · vollkommen · Vollkommenheit · vervollkommnen · Vollblut · vollstrecken · Vollmacht
voll Adj. ‘gefüllt, bedeckt’, ahd. fol (8. Jh.), mhd. vol, asächs. ful, mnd. vul, mnl. nl. vol, aengl. full, anord. fullr, schwed. full, got. fulls (germ. *fulla-) und aind. pūrṇáḥ ‘voll, gefüllt’, lit. pìlnas, aslaw. plьnъ, russ. pólnyj (полный) ‘voll’ sowie (ablautend) lat. plēnus ‘voll’ sind alte Partizipialbildungen mit dem Suffix ie. -no-, führen also auf ie. *pḷno- bzw. *plēno- ‘angefüllt’ (im Germ. mit Assimilation von -ln- zu -ll-). Vergleichbar sind griech. pimplánai (πιμπλάναι) ‘füllen’, lat. plēre ‘füllen’, so daß eine Wurzel ie. *pel(ə)-, *plē- ‘gießen, fließen, aufschütten, (ein)füllen’ zugrunde gelegt werden kann (wozu auch ↗viel, s. d.). vollends Adv. ‘völlig, ganz, überdies noch’ (17. Jh.), mit adverbiellem -s gebildet im Anschluß an spätmhd. vollent, das seinerseits (mit unorganischem -t) mhd. vollen Adv., ahd. follūn Adv. (8. Jh.), follon (9. Jh.) fortsetzt. völlig Adj. ‘gänzlich’, ahd. follīg ‘vollständig, sich ergänzend’ (11. Jh.; vgl. follī̌glīh Adj. ‘voll, reichlich, vollkommen’, um 1000, follī̌glīhho Adv., 10. Jh.), mhd. vollec, vollic ‘voll, vollständig, reichlich’. vollständig Adj. ‘aus allen zugehörigen Teilen bestehend, ganz’ (16. Jh.); Vollständigkeit f. (Anfang 16. Jh.). vollkommen Part.adj. ‘vollständig, vollendet, unübertrefflich’, ahd. folkoman ‘vollendet’ (Hs. 12. Jh.), mhd. volkomen, volkumen ‘ausgebildet, herangewachsen, vollständig’, Part. Prät. von ahd. fol(la)queman ‘zu einem Ziel gelangen, hinkommen, gelingen’ (um 1000), mhd. volkomen, volkumen Vb. ‘zum Ende, zum Ziele kommen, ausgeführt werden, sich ereignen’; Vollkommenheit f. mhd. volkomenheit; vervollkommnen Vb. ‘vollkommen machen, vervollständigen’ (vereinzelt 16. Jh., häufig ab 18. Jh.). Vollblut n. ‘reinrassiges Pferd’ (18. Jh.), nach engl. full-blood. vollstrecken Vb. ‘ausführen, verwirklichen’ (2. Hälfte 15. Jh.), eigentlich ‘bis zum Ende, zum Ziele strecken’. Vollmacht f. ‘einem anderen erteiltes Verfügungsrecht’, spätmhd. volmacht, vgl. afrz. plein pooir sowie nlat. plēnipotentia.

Thesaurus

Synonymgruppe
Befugnis · ↗Bevollmächtigung · ↗Ermächtigung · ↗Freibrief · ↗Handlungsvollmacht · ↗Mandat · ↗Prokura · Vollmacht · Vollziehungsbefehl  ●  ↗Pouvoir  österr. · Kommittiv  fachspr., lat., veraltet
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausübung Erteilung Konto Staatsoberhaupt ausstatten außerordentlich befunden beschneiden diktatorisch erteilen erteilt erweitert exekutiv gesetzgebend gesetzgeberisch legislativ notariell präsidial reichend schriftlich umfassend unbegrenzt unbeschränkt uneingeschränkt unumschränkt verfassungsmäßig weitgehend weitreichend Übertragung übertragen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Vollmacht‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bei Kontrollen könne man die Vollmacht vorzeigen und langwierigen Überprüfungen aus dem Wege gehen.
Der Tagesspiegel, 23.06.2000
Tatsächlich seien die politischen Vollmachten der Queen ohnehin schon sehr eingeschränkt.
Süddeutsche Zeitung, 27.07.1998
Eine abweichende Bestimmung der Vollmacht hat dem Gegner gegenüber keine rechtliche Wirkung.
o. A.: Zivilprozeßordnung (ZPO). In: Schönfelder: Deutsche Gesetze : Sammlung des Zivil-, Straf- und Verfahrensrechts, München: Beck 1997
Ich hätte sonst einer neuerlichen Vollmacht überhaupt nicht bedurft, wenn ich sie bis dorthin gehabt hätte.
o. A.: Einhundertsechster Tag. Freitag, 12. April 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 4577
In der Praxis war die Vollmacht, die Haft in diesen Lagern anzuordnen, fast unbegrenzt.
o. A.: Neunzehnter Tag. Donnerstag, 13. Dezember 1945. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1945], S. 28986
Zitationshilfe
„Vollmacht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Vollmacht>, abgerufen am 18.04.2019.

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