Vielfraß, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungViel-fraß
WortzerlegungvielFraß
eWDG, 1977

Bedeutung

siehe auch fressen (Lesart 1 b)
I.
salopp, derb jmd., der unmäßig isst
Beispiele:
er war ein Vielfraß
Du mußt mich für einen Vielfraß halten [WeiskopfAbschied v. Frieden1,388]
II.
im hohen Norden lebendes, zu den Mardern gehörendes Raubtier mit gedrungenem Körper, kurzen Beinen und zottigem dunkelbraunem Fell
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Vielfraß m. ‘wer unmäßig viel ißt’, ahd. filufrāʒ (11. Jh., auch filufreʒʒo, 10. Jh.), frühnhd. vilfraß ‘gefräßiger Mensch, Fresser, Schlemmer’, auch ‘Hyäne’; gebildet zu ahd. frāʒ m. (10. Jh.), mhd. vrāʒ ‘Fresser’ (s. ↗fressen und ↗viel). Vielfraß als die im 15. Jh. aufkommende Bezeichnung für das im hohen Norden lebende, wegen seines Fells geschätzte marderartige Raubtier geht zurück auf (allerdings erst später bezeugtes) norw. (älter) fjeldfross ‘Bergkater’; zum Bestimmungswort vgl. norw. fjell, anord. fjall ‘Fels, Berg’ (s. ↗Fels); das Grundwort beruht auf norw. (mundartlich) fross ‘Kater’, einer Ablautform zu gleichbed. schwed. (mundartlich) fress, anord. fress ‘Kater, Bär’. Hanseatische Pelzhändler bilden das norw. Wort volksetymologisch um zu mnd. veelvratz (Reinke de Vos, 1498), villevrās, vēlevrās, -vrāt ‘Vielfraß’. In diesen Formen wandert der Name zurück und wird zu norw. fjeldfras, schwed. filfras, dän. (älter) felfraads. Nl. veelvraat (19. Jh.) ist aus dem Dt. entlehnt. Berichte von der Gefräßigkeit des Tieres sind aus dem Namen entstanden; auch zoolog.-lat. Gulo (1780; nach lat. gulo ‘Schlemmer’) wird in Anlehnung an den umgedeuteten dt. Ausdruck gebildet.

Thesaurus

Synonymgruppe
Fresser · ↗Nimmersatt  ●  ↗Fresssack  derb · Vielfraß  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Prasser · ↗Schlemmer · Vielfraß  ●  ↗Gourmand  franz.
Assoziationen
Zoologie
Synonymgruppe
Bärenmarder · Gierling · Giermagen · ↗Gierschlund · Järv · Vielfraß
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Eurasien · Europa und Asien  ●  Alte Welt  ugs.
  • Nordamerika  ●  Neue Welt  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bär Luchs Wolf

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Vielfraß‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wer als Kind zuviel ißt, bleibt ein Vielfraß sein Leben lang!
Die Zeit, 02.11.1962, Nr. 44
Aber lustvoll, ich bin ein Vielfraß ", sagt er zu seinem Spiel mit den Bildern und Titeln.
Die Welt, 21.03.2003
Aber damit wir nun nicht in den Ruf der Vielfraße kommen, werden wir uns hier raffiniert hinter den Vorhang drücken.
Morris, Gerda: Brigitte wehrt sich, Düsseldorf: Iltis 1952, S. 59
Der Vielfraß frißt tatsächlich viel - kleine Vögel, Beeren, Aas, und was er sonst noch findet oder fängt.
Krämer, Walter / Sauer, Wolfgang, Lexikon der populären Sprachirrtümer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 113
Auch Tiger, Panther und Vielfraß lebten noch im Diluvium in unseren Breiten.
Lucanus, Friedrich von: Im Zauber des Tierlebens, Berlin: Wegweiser-Verl. 1926 [1926], S. 25
Zitationshilfe
„Vielfraß“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Vielfraß>, abgerufen am 22.07.2019.

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