Vernunft, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Vernunft · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungVer-nunft (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Vernunft‹ als Erstglied: ↗Vernunftehe · ↗Vernunfterkenntnis · ↗Vernunftglaube · ↗Vernunftglauben · ↗Vernunftgrund · ↗Vernunftheirat · ↗Vernunftmensch · ↗Vernunftsgrund · ↗Vernunftwesen · ↗vernunftbegabt · ↗vernunftfremd · ↗vernunftgemäß · ↗vernunftlos · ↗vernunftwidrig
 ·  mit ›Vernunft‹ als Grundform: ↗vernünftig  ·  formal verwandt mit: ↗Vernünftelei
eWDG, 1977

Bedeutung

das geistige Vermögen, Zusammenhänge zu erkennen, zu beurteilen, zu überschauen und sich dementsprechend sinnvoll und zweckmäßig zu verhalten
Beispiele:
die menschliche Vernunft
zur Vernunft ist nur der Mensch fähig
der Vernunft Geltung verschaffen
auf die Stimme der Vernunft hören
jmdn. zur Vernunft bringen (= jmdn. dazu bringen, dass er sich wieder in der von ihm zu erwartenden Weise verhält)
endlich hatte er wieder Vernunft angenommen
wieder zur Vernunft kommen
jmdm. Vernunft beibringen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Vernunft · Unvernunft · vernünftig · unvernünftig
Vernunft f. ‘geistiges Vermögen, Zusammenhänge zu erkennen, zu beurteilen und sich dementsprechend sinnvoll und zweckmäßig zu verhalten, Verstand, Einsicht’. Das nur im Dt. begegnende Substantiv ahd. firnumft (9. Jh.), firnunst (10. Jh.), mhd. vernu(n)ft, vernu(n)st ‘Tätigkeit des Vernehmens, Hörens, Begreifens, sinnliche Wahrnehmung, Verständnis, Einsicht, Klugheit’, mnd. vornu(n)ft, vornumst, vornumpst (mnl. vernu(n)ft, vernonft, nl. vernuft, dän. fornuft, schwed. förnuft aus dem Mnd. entlehnt) ist eine Abstraktbildung zu dem unter ↗nehmen (s. d.) behandelten Präfixverb ↗vernehmen in dessen alter Bedeutung ‘erfassen, begreifen’, bezeichnet also ‘das richtige Auffassen, Begreifen, Aufnehmen’. Doch schon im Ahd. ist die heutige Bedeutung weitgehend (besonders durch Notker) ausgebildet. Zwischen dem Wurzelauslaut m (assimiliert n) und dem ti-Suffix entwickelt sich ein Gleitlaut p bzw. s oder f (wie bei ↗Brunft, s. d., und Kunft, s. ↗kommen). Unvernunft f. ‘Mangel an Vernunft, Torheit’, ahd. unfirnunst (um 1000), mhd. unvernunst, unvernunft ‘Unverstand, Unkenntnis’, mnd. unvornuft. vernünftig Adj. ‘Vernunft besitzend, auf Vernunft gegründet, einsichtig, besonnen, verständig, sinnvoll’, ahd. firnunstīg ‘verständig, kundig, verständlich’ (9. Jh.), mhd. vernünftic, vernunftic, vernunstic; unvernünftig Adj. ‘vernunftwidrig, töricht’, ahd. unfirnunstīg (um 1000), mhd. unvernunftic, unvernumftic.

Thesaurus

Synonymgruppe
Denkfähigkeit · ↗Denkvermögen · ↗Geist · ↗Geisteskraft · ↗Intelligenz · ↗Klugheit · ↗Scharfsinn · ↗Scharfsinnigkeit · Vernunft · ↗Verstand  ●  ↗Gehirnschmalz  ugs. · ↗Grips  ugs. · ↗Grütze  ugs. · ↗Köpfchen  ugs.
Oberbegriffe
  • psychologische Eigenschaft
Unterbegriffe
  • Herzgehirn · Herzintelligenz
Assoziationen
Synonymgruppe
Hausverstand · ↗Ratio · ↗Räson · Vernunft · ↗Wirklichkeitssinn  ●  gesunder Menschenverstand  ugs. · gesunder Verstand  ugs.
Antonyme
  • Vernunft
Synonymgruppe
Gesetzmäßigkeit · ↗Konsequenz · ↗Logik · Vernunft
Unterbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Appell Augenmaß Bar Einsicht Gebot Glaube Kritik List Logik Moral Offenbarung Schlaf Sieg Stimme Unvernunft Verstand Zeitalter appellieren dialektisch einkehren gebieten instrumentell kommunikativ menschlich praktisch rein siegen wirtschaftlich zynisch ökonomisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Vernunft‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Österreicher glaubt nicht an die Aufklärung, nicht an die Vernunft.
Die Zeit, 08.06.2006, Nr. 24
Was hier vernünftig sein soll, ist ein Hohn auf die menschliche Vernunft.
Alt, Franz: Liebe ist möglich, München: Piper 1985, S. 45
In der Theorie der subjektiven Vernunft ist die Welt zum Inhalt unseres Tuns zusammengefaßt.
Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 2, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 863
Nichtsdestoweniger ermangeln sie der Bestätigung durch die Vernunft in ihrem modernen Sinne.
Habermas, Jürgen: Theorie des kommunikativen Handelns - Bd. 1. Handlungsrationalität und gesellschaftliche Rationalisierung, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1981, S. 467
Es ist nie zu spät, den Weg der Vernunft zu wählen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1968]
Zitationshilfe
„Vernunft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Vernunft>, abgerufen am 18.10.2019.

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