Verhör, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Verhör(e)s · Nominativ Plural: Verhöre
Aussprache
WorttrennungVer-hör
Grundformverhören
Wortbildung mit ›Verhör‹ als Letztglied: ↗Kreuzverhör · ↗Zeugenverhör
eWDG, 1977

Bedeutung

DDR, veraltend richterliche, polizeiliche Vernehmung einer Person wegen Rechtsverletzung zur Klärung eines Sachverhalts
Beispiele:
ein Verhör mit jmdm. anstellen (= jmdn. vernehmen)
er war einem langen, strengen Verhör unterzogen, unterworfen worden (= wurde lange, streng vernommen)
eingehende Befragung
Beispiel:
der Lehrer nahm den Übeltäter ins Verhör (= befragte ihn eingehend)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hören · Hörer · hörig · Hörigkeit · aufhören · erhören · unerhört · Gehör · verhören · Verhör · Hörensagen
hören Vb. ‘mit dem Ohr wahrnehmen, vernehmen’, ahd. hōren (8. Jh.), mhd. hœren, asächs. hōrian, mnd. hȫren, mnl. hōren, nl. horen, aengl. (angl.) hēran, (westsächs.) hīeran, engl. to hear, anord. heyra, schwed. höra, got. hausjan. Das zu erschließende germ. jan-Verb für unwillkürliches Wahrnehmen mit dem Ohr, das später auch Bedeutungen wie ‘absichtlich vernehmen’ und weiter ‘gehorchen’ annimmt (vgl. wer nicht hören will, muß fühlen und s. ↗gehorsam), führt mit russ. (landschaftlich) čúchat’ (чухать) ‘wahrnehmen, riechen, schmecken’ und wohl auch mit (nicht eindeutig geklärtem) griech. akū́ein (ὀκούειν) ‘hören, gehorchen’ auf ie. *keus-, *kūs-, eine s-Erweiterung der Wurzel ie. *kē̌u- ‘worauf achten, beobachten, schauen’, auch ‘hören, fühlen, merken’, wozu (mit anlautendem s-) ↗schauen und ↗schön (s. d.) sowie auch aind. kavíḥ ‘klug, weise, Seher, Weiser, Dichter’, griech. koé͞in (κοεῖν) ‘bemerken, vernehmen, hören’, lat. cavēre ‘sich in acht nehmen, sich vorsehen’, lett. kavēt ‘zaudern, zögern’, aslaw. čuti ‘empfinden, erkennen’, russ. (älter) čut’ (чуть) ‘empfinden, fühlen, wittern, wahrnehmen’ gehören. Hörer m. ‘Zuhörer’, mhd. hœrære, hœrer. hörig Adj. ‘sich dem Willen eines anderen unterwerfend, triebhaft, sexuell abhängig’, älter (zuerst mnd., 14. Jh.) ‘abhängig vom Feudalherrn, an die Scholle gebunden, unfrei’, mhd. hœrec ‘auf einen anderen hörend, folgsam’, mnd. hȫrich ‘gehorsam, ergeben, zugehörig, an die Scholle gebunden’; dazu Hörigkeit f. (18. Jh.), mnd. hȫrichēt. aufhören Vb. ‘ablassen, nicht länger andauern, aufmerksam hinhören (aus aktuellem Anlaß)’, mhd. ūfhœren ‘ab-, unterlassen’. erhören Vb. ‘anhörend erfüllen, Erbetenes gewähren’, ahd. irhōren ‘hören’ (11. Jh.), mhd. erhœren ‘hören, hörend wahrnehmen, erfüllen’. unerhört Part.adj. ‘nicht erhört, nicht gebilligt, erstaunlich, empörend’, spätmhd. unerhōrt, eigentlich ‘nie gehört, beispiellos’. Gehör n. ‘das Hören, Hörsinn’, mhd. gehœre; vgl. häufigeres mhd. gehœrde, ahd. gihōrida (9. Jh.). verhören Vb. ‘eingehend befragen und anhören’, mhd. verhœren ‘hören, anhören, vernehmen, prüfen, erhören, überhören’, auch etw., sich verhören ‘falsch hören’ (17. Jh.); Verhör n. ‘eindringliche Befragung’, spätmhd. verhœr(e). Hörensagen n. heute meist in der präpositionalen Fügung vom Hörensagen (älter auch auf, durchs Hörensagen) ‘aus Erzählungen anderer’, mhd. hœrsagen (14. Jh.), frühnhd. hör(en)sagen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Anhörung · ↗Befragung · ↗Untersuchung · Verhör · ↗Vernehmung  ●  ↗Einvernahme  österr., schweiz. · ↗Einvernehmung  österr., schweiz.
Assoziationen
  • (die) Aussage verweigern · (die) Omertà gilt (für) · (sich) bedeckt halten · aus jemandem ist nichts herauszubekommen · beharrlich schweigen · jede Antwort verweigern · keine Aussage machen · nicht aussagen · nichts sagen · nichts sagen wollen (zu)  ●  ↗(sich) ausschweigen  Hauptform · (den) Mund halten  ugs. · (die) Zähne nicht auseinanderbekommen  ugs. · der Omertà unterworfen (sein)  geh. · ↗dichthalten  ugs. · ↗dichtmachen  ugs. · nicht mit der Sprache herausrücken  ugs. · nicht singen  ugs., Jargon
  • ausfragen · ↗befragen · ↗verhören · ↗vernehmen · zur Rede stellen  ●  ↗inquirieren  veraltend · (jemanden) einvernehmen (bürokrat./jurist.)  fachspr. · ↗(jemanden) grillen  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Festnahme Folter Folterung Gefangene Gestapo Hausdurchsuchung Lukullus Misshandlunge Mordkommission Protokoll Terrorverdächtige Untersuchungsrichter Verdächtige Verhaftung Vorladung abführen aussagen foltern freilassen gestehen hochnotpeinlich mehrstündig nächtlich peinlich polizeilich stundenlang tagelang unterziehen vorladen zugeben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Verhör‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dann entwickelte sich das Casting zunehmend zum Verhör, denn ich wollte auch wissen, ob sie auch geschossen hatten.
Die Welt, 02.04.2003
Beim Wiederkäuen vorheriger Verhöre muß man am vorsichtigsten sein, um sich genau zu wiederholen, am besten im selben Wortlaut.
Müller,Herta: Der König verneigt sich und tötet, München: Carl Hanser Verlag 2003, S. 133
Er räumte ein, in einem über dreistündigen Verhör Bergers Leistung eher negativ beurteilt zu haben.
Der Tagesspiegel, 22.07.2001
Bei meinem Verhör, das ich mit Ihnen unlängst anstellte, erklärten Sie mir, es seien etwa 60 Mann dazu bestimmt gewesen, die Transporte aufzunehmen.
o. A.: Einhundertachter Tag. Montag, 15. April 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 10376
Ich habe einige weitere Fragen hinsichtlich Ihrer Verhöre zu stellen.
o. A.: Achtzigster Tag. Mittwoch, 13. März 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 1603
Zitationshilfe
„Verhör“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Verhör>, abgerufen am 15.10.2019.

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