Urteilskraft, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungUr-teils-kraft
WortzerlegungUrteilKraft
eWDG, 1976

Bedeutung

Fähigkeit, sachlich zu urteilen
Beispiele:
kritische, politische Urteilskraft
ich bin nicht ohne Urteilskraft [RinserMitte141]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Urteil · urteilen · aburteilen · Aburteilung · beurteilen · Beurteilung · verurteilen · Verurteilung · Urteilskraft · Urteilsvermögen
Urteil n. ‘richterliche Entscheidung, Meinung, Ansicht, Einschätzung’. Die unterschiedlich gebildeten Substantive ahd. urteili n. (8. Jh.), urteilī f. (9. Jh.), urteila f. (9. Jh.), urteil m. n. (9. Jh.), urteilida f. (um 800), mhd. urteil(e), urtel, urteilde n. f. ‘richterliche Entscheidung, Urteil, Meinung, Ausspruch, Entscheidung’, asächs. urdēli n., mnd. ōrdēl n., mnl. o(o)rdeel, nl. oordeel n., aengl. ordāl m. n., engl. ordeal (‘Gottesurteil’) stehen als Abstrakta zu dem unter ↗erteilen (s. ↗Teil) behandelten Verb (zur unterschiedlichen Lautgestalt des Präfixes s. ↗ur- und ↗er-). Urteil wird von Anfang an in dem rechtssprachlichen Sinne ‘Zuteilung (des Rechts)’ gebraucht; die verallgemeinerte Bedeutung ‘Meinung, Ansicht’ entwickelt sich in der mystischen Literatur des Mittelalters. Neutrales Genus setzt sich im 18. Jh. durch. urteilen Vb. ‘ein Urteil fällen, eine feste Meinung, Ansicht haben und aussprechen, einschätzen’, mhd. urteilen ‘ein Urteil sprechen, be-, verurteilen’, älteres gleichbed. erteilen verdrängend. aburteilen Vb. ‘rechtskräftig verurteilen’ (Anfang 17. Jh.), zuvor ‘eine Rechtssache, einen Prozeß durch (gerichtliches) Urteil entscheiden’ (Ende 15. Jh.), ‘beurteilen’ (Anfang 16. Jh.); vgl. mnd. afōrdēlen ‘gerichtlich aberkennen’; Aburteilung f. (2. Hälfte 18. Jh.). beurteilen Vb. ‘ein Urteil abgeben, bewerten, abschätzen, begutachten’ (Anfang 16. Jh.); vgl. mnd. beȫrdēlen, beōrdēlen ‘urteilen, Urteil finden über’; Beurteilung f. ‘Bewertung, Einschätzung, Begutachtung’ (1. Hälfte 17. Jh.). verurteilen Vb. ‘durch Gerichtsbeschluß eine Strafe über jmdn. verhängen, ablehnend beurteilen, ablehnen’, mhd. verurteilen ‘richterlich entscheiden, ein Urteil verkünden’; vgl. mnd. vorȫrdēlen ‘gerichtlich verurteilen, abfällig urteilen über’; Verurteilung f. (2. Hälfte 16. Jh.). Urteilskraft f. ‘Fähigkeit, sachlich zu urteilen’ (17. Jh., neben Urteilungskraft und Urteilenskraft). Urteilsvermögen n. (18. Jh.).

Thesaurus

Jura
Synonymgruppe
Judiz · ↗Judizium · Urteilskraft (eines Juristen)

Typische Verbindungen
computergeneriert

Geschmack Instinkt Intelligenz Kritik Mangel Menschenverstand Mut Reflexion Sachverstand Schärfung Sensibilität Vernunft Verstand Vertrauen absprechen anzuschauend bestimmend eingeschränkt fundiert juristisch lähmen mangelnd moralisch reflektierend schulen schärfen subjektiv teleologisch vertrauen ästhetisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Urteilskraft‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Was konnte er speziell aus der »Kritik der Urteilskraft« für sein ästhetisches Interesse gewinnen?
Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 347
Gerade Manager leiden an übersteigertem Vertrauen in die eigene Urteilskraft, so die Autoren.
Süddeutsche Zeitung, 27.12.2003
Von einer so kleinen Gruppe dürfen wir uns nicht einschüchtern und unsere Urteilskraft trüben lassen.
Der Tagesspiegel, 23.11.2003
Aber, und das ist meine These, selbst der Mißbrauch parasitiert noch vom alten Ideal der ästhetischen Urteilskraft.
Schuh, Franz: Schreibkräfte, Köln: DuMont 2000, S. 378
Damit hat er die politische Urteilskraft einer ganzen Generation ernsthaft beschädigt.
Schwanitz, Dietrich: Bildung, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 346
Zitationshilfe
„Urteilskraft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Urteilskraft>, abgerufen am 18.06.2019.

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