Untertan, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Untertans · Nominativ Plural: Untertanen
Nebenform veraltend Untertan · Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Untertanen · Nominativ Plural: Untertanen
Aussprache
WorttrennungUn-ter-tan
Wortbildung mit ›Untertan‹ als Erstglied: ↗Untertanengebiet · ↗Untertanengeist
eWDG, 1976

Bedeutungen

a)
abwertend dem Obrigkeitsstaat gegenüber kritikloser, devoter, untertäniger Staatsbürger
Beispiele:
In früheren Zeiten, im wilhelminischen Obrigkeitsstaat, klang das [das Wort »Untertan«] respektvoll, fast ehrerbietig, heute sagt es der Arbeiter ironisch und verächtlich. Er will nicht mehr Untertan in einer kaiserlichen Hierarchie sein [WallraffWir brauchen Dich46]
Der Untertan [H. MannUntertanTitel]
b)
historisch Bürger einer (absoluten) Monarchie, der seinem Landesherrn zu Gehorsam und Dienstbarkeit verpflichtet war
Beispiele:
[die] hessischen Landgrafen, die ihre Untertanen an fremde Feldherren verkauften [Benn1,382]
Ich bin Untertan der Königin von Ungarn und ihr Offizier [B. FrankTrenck223]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

untertan · Untertan · untertänig
untertan Adj. ‘(einem Höherstehenden) untergeben, unterworfen, dienstbar, hörig, gefügig’, heute nur noch prädikativ in Wendungen wie sich etw. untertan machen ‘etw. seinen Zwecken unterwerfen’, jmdm. untertan sein ‘von jmdm. abhängig, ihm unterworfen sein’. Das Adjektiv ahd. untartān (9. Jh.), mhd. undertān ‘untergeben, unterworfen, unterjocht, verpflichtet’, auch ‘dazwischengetan, untermischt, unter-, verschieden’, ist eigentlich das Part. Prät. eines in frühnhd. Zeit untergegangenen Verbs ahd. untartuon (8. Jh.), mhd. undertuon ‘unterwerfen, verhindern, untermischen, verschieden machen’ (s. ↗tun). Dazu die Substantivierung Untertan m. ‘dem Landesherrn verpflichteter Bürger, Höriger, Leibeigener, der Obrigkeit gegenüber devoter, gefügiger Mensch, Untergebener’, mhd. undertān(e). untertänig Adj. ‘einem Vorgesetzten gegenüber übertrieben unterwürfig, ergeben’, früher auch Ausdruck besonderer Höflichkeitsbezeugung, ahd. untartānīg (Hs. 13. Jh.), mhd. untertænec, undertænic ‘untertan’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Befehlsempfänger · Untergebener · Untergeordneter · Untertan
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Synonymgruppe
Fronarbeiter · Leibeigener · ↗Sklave · Untertan
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Domestikation Fürst Gehorsam Herrscher Kaiser König Leibeigener Loyalität Majestät Monarch Obrigkeit Souverän Sultan Treueid Untertan Wohl Wohlfahrt Zar aufmüpfig brav devot ergeben erziehen gehorsam getreu loyal preußisch rebellisch rechtlos treu

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Untertan‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bei Volksfesten hört er seinen Untertanen stundenlang zu, und rutscht nicht einmal auf seinem Sitz herum.
Süddeutsche Zeitung, 06.04.2001
Erst macht er sich die Erde untertan, dann fürchtet er, selbst zum Untertan der von ihm geschaffenen Geräte zu werden.
Der Tagesspiegel, 12.05.1997
Mit den königlichen Leistungen war den Untertanen ein Ziel gesetzt, dem nachgestrebt werden sollte.
Wilson, John A.: Ägypten. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 6207
Sie gebot Millionen von christlichen Untertanen, aber sie gehörte nicht zum System der christlichen Mächte.
Mann, Golo: Politische Entwicklung Europas und Amerikas 1815-1871. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 16877
Aber dieser »Untertan« ist nicht mehr für sich selbst da.
Rubiner, Ludwig: Untertan. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1914], S. 16739
Zitationshilfe
„Untertan“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Untertan>, abgerufen am 25.04.2019.

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