Unmut, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Unmut(e)s · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungUn-mut (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Unmut‹ als Erstglied: ↗Unmutsfalte · ↗Unmutsäußerung · ↗unmutsvoll
 ·  mit ›Unmut‹ als Grundform: ↗unmutig
eWDG, 1976

Bedeutung

Missgestimmtheit, Missmut, Ärger
Beispiele:
ein leichter, bitterer Unmut
Tränen des Unmuts
voller Unmut (über etw.) sein
das hat er nur im ersten Unmut gesagt, getan
er hat sich in seinem Unmut zu diesen Worten hinreißen lassen
umgangssprachlich seinem Unmut Luft machen
seinen Unmut an jmdm. auslassen
seinen Unmut (über etw.) nicht verbergen
etw. vertreibt jmds. Unmut
jmds. Unmut verfliegt
Franklin ... verschloß Unmut und Ungeduld tief in seiner Brust [Feuchtw.Füchse722]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mut · Unmut · mutig · muten · vermuten · vermutlich · Vermutung · zumuten · Zumutung · mutmaßen · mutmaßlich · Mutwille · mutwillig · Übermut · übermütig
Mut m. ‘Kühnheit, Unerschrockenheit’, ahd. muot ‘Kraft des Denkens, Seele, Herz, Gemütszustand, Gesinnung, Gefühl, Absicht, Neigung’ (8. Jh.), mhd. muot, asächs. mōd, mnd. mōt, můt, mnl. moet, nl. moed, afries. aengl. mōd, engl. mood ‘Stimmung, Laune’, anord. mōðr ‘Zorn, aufgeregter Sinn’, schwed. mod ‘Mut, Beherztheit’, got. mōþs ‘Zorn’ (germ. *mōþa-). Vielleicht sind vergleichbar griech. mṓsthai (μῶσθαι) ‘streben, trachten, verlangen’, lat. mōs ‘zur Regel gewordener Wille, Sitte, Brauch’ (s. ↗Moral), so daß auf eine Wurzel ie. *mē-, *mō-, *mə- ‘heftigen und kräftigen Willens sein, heftig streben’ zurückgegangen werden kann. Mut bezeichnet ursprünglich die inneren Triebkräfte, Gemütszustände, Erregungen und Empfindungen des Gefühls im Gegensatz zum Verstand. Vom 16. Jh. an setzt sich die verengte Bedeutung ‘kühne und unerschrockene Haltung gegenüber Wagnis und Gefahr’ durch. Dazu mit negierendem ↗un- (s. d.) Unmut m. ‘Ärger, Mißstimmung’, ahd. unmuot n. ‘Betrübnis’ (um 1000), mhd. unmuot m. ‘Mißstimmung, Zorn’, mnd. unmōt n. m., aengl. unmōd n. mutig Adj. ‘tapfer, kühn’, mhd. muotec, muotic ‘beherzt, kühn’, asächs. mōdag ‘zornig, aufgeregt’, aengl. mōdig ‘aufgeregt, mutig’, got. mōdags ‘zornig’. muten Vb. ‘etw. begehren, verlangen, seinen Sinn auf etw. richten’, ahd. muoten (9. Jh.), muotōn (um 1000), mhd. muoten; seit etwa 1800 als Simplex ungebräuchlich. vermuten Vb. ‘annehmen, für wahrscheinlich halten’ (16. Jh.), mnd. vormōden; vermutlich Adj. ‘wahrscheinlich’ (16. Jh.); Vermutung f. ‘Annahme’ (16. Jh.). zumuten Vb. ‘unbilligerweise etw. von jmdm. verlangen’, mhd. zuomuoten; Zumutung f. (15. Jh.). mutmaßen Vb. ‘annehmen, für wahrscheinlich halten’, spätmhd. muotmāʒen ‘abschätzen’, zu spätmhd. muotmāʒe ‘Teilung nach Angemessenheit, Abschätzung’; mutmaßlich Adj. ‘der Annahme gemäß’ (18. Jh.). Mutwille m. ‘Absicht’, ahd. muotwillo ‘eigener freier Entschluß’ (8. Jh.), mhd. muotwille; mutwillig Adj. ‘absichtlich, leichtfertig’, mhd. muotwillec ‘dem eigenen (guten oder bösen) Willen folgend’. Übermut m. ‘Ausgelassenheit, Anmaßung, Überheblichkeit’, ahd. ubarmuot (um 1000), mhd. übermuot ‘stolzer, hochfahrender Sinn’; übermütig Adj. ‘ausgelassen, leichtsinnig, fröhlich’, ahd. ubarmuotīg (8. Jh.), mhd. übermüetec ‘stolz, hochfahrend gesinnt, heldenmütig’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Groll · ↗Leidwesen · ↗Missfallen · ↗Missmut · ↗Missvergnügen · Unmut · ↗Verdruss · ↗Verstimmung · ↗Verärgerung · ↗Ärger  ●  ↗Grant  ugs., österr., bair.
Assoziationen
  • gereizte Atmosphäre · schlechte Stimmung  ●  (die) Stimmung ist am Boden  ugs., fig. · (die) Stimmung ist im Keller  ugs., fig. · der Haussegen hängt schief  ugs., Redensart · dicke Luft  ugs., fig.
  • Beschwernisse · Unannehmlichkeiten · ↗Unbilden · Unerfreulichkeiten · Ungelegenheiten · Widrigkeiten · unangenehme Begleiterscheinungen · unangenehme Folgen · Ärgerlichkeiten · Ärgernisse  ●  ↗Unbill  geh. · Unerquicklichkeiten  geh. · ↗Ungemach  geh.
Synonymgruppe
Konflikte · Probleme · ↗Schererei(en) · ↗Streit · ↗Stress · Unmut · ↗Ärger · Ärgerlichkeiten  ●  (der) Haussegen hängt schief  ugs., fig. · (die) Kacke ist am dampfen  derb, fig. · Huddel  ugs., saarländisch · ↗Krach  ugs. · Misshelligkeiten  geh. · ↗Theater  ugs. · ↗Trouble  ugs., engl. · Verdrießlichkeiten  geh., selten
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bevölkerung Unverständnis angestaut anstauen artikulieren aufgestaut aufstauen auslösen bekunden besänftigen breitmachen dämpfen entladen entzünden erheblich erregen geballt hervorrufen kanalisieren kundtun laut regen schüren sorgen verbreitet verständlich wachsen wachsend zuziehen äußern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Unmut‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Jetzt gibt es Unmut von der eigenen Basis - wie bei Kohl im Juni 1998.
Bild, 03.06.2002
Ihm ging es wohl mehr darum, den Unmut seiner Bürger zu kanalisieren.
Der Tagesspiegel, 19.11.1999
War es abgebrochen vom vielen Präsentieren, abgebrochen worden aus Unmut?
Harig, Ludwig: Ordnung ist das ganze Leben, München u. a.: Hanser 1987 [1986], S. 50
Er gab immer mehr Unmut preis bei diesem Ausschlafen und schlief sich Kraft zusammen.
Bachmann, Ingeborg: Das dreißigste Jahr, München: R. Piper & Co. Verlag 1961, S. 27
Er vernahm den Unmut und sah erstaunt, fast kindlich auf.
Kolbenheyer, Erwin Guido: Das Gestirn des Paracelsus, München: J.F. Lehmanns 1964 [1921], S. 424
Zitationshilfe
„Unmut“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Unmut>, abgerufen am 17.08.2019.

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