Umstand, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Umstand(e)s · Nominativ Plural: Umstände
Aussprache
WorttrennungUm-stand
Grundformumstehen
Wortbildung mit ›Umstand‹ als Erstglied: ↗Umstandsbestimmung · ↗Umstandskasten · ↗Umstandskleid · ↗Umstandskleidung · ↗Umstandskrämer · ↗Umstandssatz · ↗Umstandswort · ↗umstandshalber · ↗umstandslos · ↗umständehalber · ↗umständlich
 ·  mit ›Umstand‹ als Letztglied: ↗Begleitumstand · ↗Glücksumstand · ↗Lebensumstand · ↗Nebenumstand · ↗Tatumstand · ↗Todesumstand
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
für ein Geschehen bestimmende Situation, besondere Verhältnisse, bemerkenswerte, besondere Einzelheit, Tatsache
Beispiele:
ein wichtiger, wesentlicher, entscheidender, unvorhergesehener, merkwürdiger, (un)günstiger Umstand
dieser Umstand darf nicht außer Acht gelassen werden
sie hat mir alle Umstände (des Vorfalls) erzählt, hat mir nicht den kleinsten Umstand verschwiegen
nach den näheren, besonderen Umständen von etw. fragen
ein glücklicher Umstand hat ihn (bei dem Unfall) gerettet
wenn es die Umstände erlauben, gestatten, kommen wir
die Umstände brachten es mit sich, dass ...
den (veränderten) Umständen Rechnung tragen
etw., sich den (gegebenen) Umständen anpassen
dem Patienten geht es den Umständen entsprechend (= das Befinden des Patienten ist so gut, wie es eben in dem Zustand sein kann)
die Gunst, Ungunst äußerer Umstände
eines gewissen Umstandes, dieser, gewisser Umstände wegen, wegen eines gewissen Umstandes
wegen dieser, gewisser Umstände reiste sie plötzlich ab
gewisser Umstände halber mussten die Arbeiten unterbrochen werden
sie ist in anderen Umständen (= ist schwanger)
je nach den Umständen werden wir kommen oder nicht
unter diesen, gewissen, den besonderen, derzeitigen, gegenwärtigen Umständen ist das (nicht) möglich
unter anderen Umständen wäre das nicht passiert
unter Umständen sehen wir uns schon morgen (= vielleicht, möglicherweise sehen wir uns schon morgen)
unter allen Umständen (= unbedingt)
das tue ich unter (gar) keinen Umständen (= auf keinen Fall)
Jura mildernde Umständedie Strafzumessung herabsetzende Fakten
Beispiele:
jmdm. vor Gericht mildernde Umstände zubilligen
der Verteidiger machte mildernde Umstände geltend
erschwerende Umständedie Strafzumessung verschärfende Fakten
Beispiel:
für den Angeklagten kamen, traten erschwerende Umstände hinzu
2.
nur im Singular
allzu ausführliche, weitschweifige und daher zeitraubende Vorbereitungen, Mühe
Beispiele:
mach (dir) meinetwegen keine (besonderen, großen) Umstände!
(nicht) viel, keine Umstände (mit etw., jmdm.) machen
sie macht mit dem Abendessen immer viel Umstände
bitte, nur keine Umstände! (= nur keine Zeremonien, Förmlichkeiten!)
ohne (alle) Umstände (= ohne Förmlichkeiten, ohne lange zu überlegen) kam er auf den Fall zu sprechen
Mit ihrem Leutnant verfuhr sie ohne Umstände [H. Mann5,185]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stehen · gestanden · abstehen · Abstand · auferstehen · Auferstehung · aufstehen · Aufstand · aufständisch · ausstehen · Ausstand · Außenstände · beistehen · Beistand · bestehen · Bestand · beständig · Bestandteil · einstehen · Einstand · entstehen · gestehen · eingestehen · zugestehen · geständig · Geständnis · Umstand · unterstehen1 · Unterstand · unterstehen2 · vorstehen · Vorsteher · Vorstand · zustehen · Zustand · zuständig
stehen Vb. ‘auf die Füße gestellt sein, auf einer Stelle verharren’ geht zurück auf ahd. (8. Jh.), mhd. stēn, woraus (bei Überführung in die regelmäßige Konjugation mit zur Silbentrennung und wohl auch als Dehnungszeichen nach dem Muster von ↗sehen, s. d., eingefügtem h) stehen (zuerst md. 14. Jh.) wird. Ahd. mhd. stēn ist eine (wohl unter dem Einfluß von ahd. mhd. gēn neben gān, s. ↗gehen, entstandene) Nebenform zu ahd. (8. Jh.), mhd. asächs. mnd. stān, mnl. staen, nl. staan, schwed. stå. Daneben besteht ein nasalierter und Dentalerweiterung aufweisender Stamm germ. *stand- in ahd. stantan (8. Jh.), mhd. standen, asächs. standan, mnl. standen, aengl. standan, engl. to stand, anord. standa, got. standan (wozu auch ↗Stand und mit sekundärem Ablaut ↗Stunde, s. d., gehören). Wie Präteritalformen ohne n (got. stōþ, stōþum, aengl. stōd, stōdon, engl. stood ‘stand, standen’) zeigen, war der Nasal in germ. *stand- ursprünglich nur präsensbildend. Verwandt sind aind. sthā- ‘stehen’, tíṣṭhati ‘steht’, griech. histánai, Aorist stḗnai (ἱστάναι, στῆναι) ‘stellen’, lat. stāre ‘stehen’, air. tair(ṡ)issiur ‘stehe, bleibe stehen’, lit. stóti ‘sich (hin)stellen, treten’, aslaw. stojati, russ. stoját’ (стоять) ‘stehen’, aslaw. stati ‘sich stellen’, russ. stat’ (стать) ‘werden, anfangen, sich stellen’. Man vereinigt alle Formen unter einem Wurzelansatz ie. *stā, *stə- ‘stehen, stellen’ und betrachtet die aspirierte Tenuis (th) des Aind. als Neuerung gegenüber der ie. Ausgangsform. Das ā in den Kurzformen des germ. Verbs (statt eines lautgesetzlich zu erwartenden germ. ō) geht auf eine frühe Angleichung an das unter ↗gehen (s. d.) behandelte, zur Wurzel ie. *g̑hē-, *g̑hēi- gehörende Gegenwort zurück (vgl. ahd. mhd. gān, s. oben). An die Wurzel ie. *stā- bzw. deren unterschiedliche Erweiterungen schließen sich eine Vielzahl von Wörtern an (s. z. B. ↗Stadel, ↗Stadt, ↗Statt, ↗Staude, ↗stauen, ↗staunen, ↗stet, ↗Steuer f. ↗Steuer n., ↗stieren, ↗Stuhl, ↗stur, ↗Stute, ↗stützen). gestanden Part.adj. ‘erfahren, gesetzt’ (ein gestandener Mann), spätmhd. gestanden ‘groß, erwachsen’, also wohl ‘zum Stehen gekommen’. abstehen Vb. ‘von etw. ablassen, abgehen, von etw. entfernt sein’, seit dem 16. Jh. auch ‘durch langes Stehen an Qualität verlieren, verderben’, mhd. abestān, abestēn, auch ‘absteigen’ (vom Pferd); Abstand m. ‘Distanz, Entfernung’ (17. Jh.), ‘das Ablassen, Aufgeben von etw.’ (15. Jh.), Abstand nehmen von etw. ‘auf etw. verzichten’ (19. Jh.). auferstehen Vb. ‘vom Tode wieder erstehen’, ahd. ūfirstantan, -stān, -stēn (9. Jh.), mhd. ūferstān ‘aufstehen, sich erheben, vom Tode auferstehen’; Auferstehung f. ‘Wiedererwecktwerden vom Tode’ (15. Jh.); vgl. mhd. ūferstandunge. aufstehen Vb. ‘sich erheben’, ahd. ūfstantan, -stān, -stēn (9. Jh.), mhd. ūfstān, auch ‘jmdm. aufkündigen, aus dem Dienst treten’; Aufstand m. ‘Erhebung, Empörung, Aufruhr’, spätmhd. ūfstant; aufständisch Adj. ‘aufrührerisch, sich erhebend, empörend’ (19. Jh.). ausstehen Vb. ‘fällig, zu zahlen sein’ (14. Jh.), ‘weggehen, seinen Dienst verlassen, eine Verpflichtung erfüllen’ (15. Jh.), ‘etw. bis zum Ende durchstehen, ertragen, aushalten’ (16. Jh.), mhd. ūʒstān, -stēn ‘aus-, wegbleiben, ausruhen (vom Pferd)’; Ausstand m. ‘Arbeitsniederlegung, Streik’; seit dem 17. Jh. im Obd. (zunächst im Bair.) in der speziellen Bedeutung ‘Ausscheiden aus einem Dienst, einer Stellung’ (Gegensatz Einstand, s. unten); seit den 80er Jahren des 19. Jhs. auf Arbeitsniederlegungen bezogen; in dieser Bedeutung seit etwa 1890 allgemein verbreitet neben dem aus dem Engl. entlehnten Konkurrenzwort ↗Streik (s. d.). Außenstände Plur. ‘fälliges, noch nicht (zurück)gezahltes Geld’ (19. Jh.); älter Ausstände Plur., Ausstand m., mhd. ūʒstant ‘ausstehendes Geld’. beistehen Vb. ‘unterstützen, helfen’, ahd. bīstantan, -stān, -stēn (9. Jh.), mhd. bīstān ‘dabeistehen, Hilfe leisten’; Beistand m. ‘Hilfe, Unterstützung’, spätmhd. bīstant. bestehen Vb. ‘(auf längere Zeit) existieren, vorhanden sein, erfolgreich zum Ende führen’, ahd. bistantan, -stān, -stēn ‘bleiben, verharren’ (9. Jh.), mhd. bestān, bestēn ‘stehenbleiben, standhalten, umstehen, entgegentreten, feindlich angreifen, etw. unternehmen’; Bestand m. ‘Dauer, Existenz, Vorrat’, frühnhd. bestant (Anfang 15. Jh.), auch ‘Waffenstillstand, Pacht’; vgl. ahd. bistentida f. (10. Jh.); beständig Adj. ‘dauerhaft, immer wiederkehrend, festbleibend’, mhd. bestendec; Bestandteil m. ‘Teil eines Ganzen, einer größeren Einheit’ (18. Jh.). einstehen Vb. ‘für etw. eintreten, bürgen, etw. verantworten’ (18. Jh.), frühnhd. ‘in eine Gemeinschaft eintreten, einen Dienst antreten’, spätmhd. īnstān (substantiviert) ‘das In-sich-selbst-Sein’; Einstand m. ‘Amts-, Dienstantritt, Eintrittsleistung, -geld, Eintrittsschmaus’, spätmhd. īnstant ‘Vorkaufsrecht, Einstellung der Gerichtsverhandlung’. entstehen Vb. ‘sich entwickeln, hervorgehen’, ahd. intstantan, -stān, -stēn ‘verstehen’ (8. Jh.), mhd. entstān, -stēn ‘verstehen, wahrnehmen, merken’, vom Mhd. an auch (gemäß den unterschiedlichen Verwendungen von ↗ent-, s. d.) ‘sich von etw. wegstellen, entgehen, mangeln’ (so bis ins 19. Jh.) und ‘zu sein beginnen, werden’. gestehen Vb. ‘bekennen, nicht leugnen’, ahd. gistantan, -stān, -stēn ‘(be)stehen, fest-, stillstehen, beruhen, aufhören, anfangen, standhalten’ (9. Jh.), mhd. gestān, -stēn, auch ‘sich stellen, treten, beistehen, zugestehen, wozu stehen, bekennen (vor Gericht), kosten’; eingestehen Vb. ‘bekennen’ (18. Jh.); zugestehen Vb. ‘gewähren, einräumen’ (17. Jh.); vgl. mhd. zuogestēn ‘mit jmdm. einmütig sein, zur Seite stehen’; geständig Adj. ‘seine Schuld bekennend’ (16. Jh.), mhd. gestendec ‘beständig, unveränderlich, einwilligend, zustimmend, hilfreich’; Geständnis n. ‘Bekenntnis der Schuld, das Eingestehen’ und ‘das Eingestandene’ (17. Jh.). Umstand m. ‘besondere Lage, Sachverhalt’ (15. Jh.), in (gesegneten, anderen) Umständen sein ‘schwanger sein’ (17. Jh.), ‘Umschweif, Umständlichkeit’ (15. Jh.), (keine) Umstände (‘Umständlichkeiten’) machen (16. Jh.), ‘(keine) Mühe, Förmlichkeit machen’ (18. Jh.); vgl. mhd. umbestant ‘was, wer herumsteht’ (kollektiver Sing.). unterstehen1 Vb. ‘unter einem Schutzdach stehen, sich unterstellen’, spätmhd. understān, -stēn; Unterstand m. ‘Unterkunft, wo man sich unterstellt, Schutz’ (16. Jh.), militärisch ‘abgedeckter Schutzraum’ (19. Jh.), spätmhd. understant ‘Stütze, Hilfe’. unterstehen2 Vb. ‘untergeordnet, unterstellt sein’ (17. Jh.), reflexiv ‘wagen, sich erlauben, erdreisten’ (16. Jh.), ahd. untarstantan, -stān, -stēn ‘haltmachen, zukommen’ (8. Jh.), mhd. understān, -stēn ‘zustande bringen, bewirken, bestehen, bekämpfen’, reflexiv ‘etw. unternehmen, sich einer Sache unterziehen’. ↗verstehen s. d. vorstehen Vb. ‘hervorragen, an der Spitze stehen, leiten’, ahd. forastantan, -stān, -stēn ‘voranstehen, sich auszeichnen, vorhanden sein’ (9. Jh.), mhd. vorestān, -stēn ‘bevorstehen, sorgen für, regieren’; Vorsteher m. ‘Leiter’ (16. Jh.); Vorstand m. ‘Leitungsgremium, Leiter’ (Anfang 19. Jh.), älter ‘Verteidiger, Bürge’ (15. Jh.), ursprünglich auch ‘Zustand des Stehens vor einem anderen oder etw. anderem, Bürgschaft, erste Stelle’ (16. Jh.). Widerstand, widerstehen s. ↗wider. zustehen Vb. ‘von Rechts wegen gebühren, Anspruch auf etw. haben’ (15. Jh.), mhd. zuostān, -stēn ‘verschlossen sein, zu einem treten, ihm beistehen, zukommen, angehören, zuständig sein’; Zustand m. ‘Art und Weise, Verhältnisse, worin sich Personen und Dinge befinden’ (17. Jh.), älter ‘Hinzugehöriges, Dabeistehendes’ (15. Jh.); zuständig Adj. ‘zur Sache gehörig, kompetent’, auch ‘dazugehörig’ (16. Jh.), ‘zeitlich bevorstehend’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Eigenschaft · ↗Faktor · ↗Gegebenheit · ↗Rahmenbedingung · ↗Randbedingung · ↗Tatsache · Umstand
Unterbegriffe
Synonymgruppe
Fall · ↗Gegebenheit · ↗Konstellation · ↗Kontext · ↗Lage · ↗Sachverhalt · ↗Situation · Stand der Dinge · ↗Status · Umstand · ↗Zustand
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Umstand · ↗Unannehmlichkeit · ↗Ungemach · ↗Widrigkeit  ●  ↗Malesche  ugs., norddeutsch · ↗Schererei  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Mechanismus · ↗System · Umstand · ↗Zusammenhang
Unterbegriffe
Synonymgruppe
Angelegenheit · ↗Anliegen · ↗Aufgabe · ↗Causa · ↗Fall · ↗Frage · ↗Fragestellung · ↗Problem · ↗Problematik · ↗Punkt · ↗Sache · ↗Sachverhalt · Umstand  ●  ↗Thema  Hauptform · ↗Chose  ugs. · ↗Ding  ugs. · ↗Issue  fachspr., engl. · ↗Kiste  ugs.
Unterbegriffe
  • TOP · ↗Tagesordnungspunkt  ●  ↗Traktandum  schweiz.
  • Randwertaufgabe · Randwertproblem
  • Physisches  griechisch · Res extensa  fachspr., lat.
  • Mentales  lat. · Res cogitans  lat.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Einzelfall Tod Verkettung außergewöhnlich berücksichtigen besonder bestimmt dubios gegeben gegenwärtig geklärt gewiss glücklich günstig klären merkwürdig mildernd mysteriös normal obwaltend schwierig solch ungeklärt unglücklich ungünstig verdanken vermeiden verändert widrig äußer

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Umstand‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Unter normalen Umständen hätte das vielleicht sympathisch gewirkt, denn es war irgendwie rührend.
Der Spiegel, 01.03.1982
Seinen diskriminierenden Charakter erhielt es durch die Umstände, unter denen es erlassen wurde.
o. A.: Die Kirche in der Gegenwart. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1971], S. 16698
Unsere Regierung hielt sich frei von Verpflichtungen hinsichtlich der Vorgangsweise unter hypothetischen Umständen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1953]
Es ist also naheliegend, wenn nicht sogar zwingend, diesen Umstand als maßgeblich für das Auftreten von "Harz" anzusehen.
Scheiber, Johannes: Chemie und Technologie der künstlichen Harze, Stuttgart: Wissenschaftl. Verl.-Ges. 1943, S. 1
Der relativ rationale Charakter aber ergab sich als Folge verschiedener Umstände.
Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.), Grundriß der Sozialökonomik, Tübingen: Mohr 1922 [1909-1914, 1918-1920], S. 599
Zitationshilfe
„Umstand“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Umstand>, abgerufen am 24.05.2019.

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