Tugend, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Tugend · Nominativ Plural: Tugenden
Aussprache
WorttrennungTu-gend (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Tugend‹ als Erstglied: ↗Tugendbold · ↗Tugendheld · ↗Tugendlehre · ↗Tugendstrenge · ↗Tugendterror · ↗Tugendwächter · ↗tugendhaft · ↗tugendlos · ↗tugendreich · ↗tugendrein · ↗tugendsam · ↗tugendvoll
 ·  mit ›Tugend‹ als Letztglied: ↗Haupttugend · ↗Hausfrauentugend · ↗Kardinaltugend · ↗Sekundärtugend · ↗Untugend
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
vorbildliche (sittliche) Eigenschaft, gute Eigenschaft, Vorzug
Beispiele:
die Tugenden des Erziehers
die Tugend der Geduld, Gerechtigkeit, Tapferkeit
sie war ein Musterbeispiel häuslicher Tugenden
hausfrauliche, soldatische Tugenden
eine Tugend ausbilden, pflegen
jeder Mensch hat seine Tugenden und Fehler
Man spricht selten von der Tugend, die man hat; aber desto öfter von der, die uns fehlt [LessingMinnaII 1]
aus der Not eine Tugend machendas Beste aus einer unangenehmen Sache machen
2.
nur im Singular
vorbildliche sittliche Haltung
Beispiele:
er ist ein Ausbund von Tugend
veraltet, spöttisch Und die Tugend, sie ist kein leerer Schall, / Der Mensch kann sie üben im Leben [SchillerWorte des Glaubens]
bildlich
Beispiel:
gehoben den Pfad der Tugend wandeln
bildlich
Beispiel:
gehoben vom Pfad der Tugend abweichen
3.
nur im Singular
veraltet Reinheit, Keuschheit, besonders der Frau
Beispiele:
das Mädchen bewahrte seine Tugend
In Caen wo sie die Jahre ihrer Jugend / in einem Kloster verbrachte voller Tugend [P. WeissMarat17]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Tugend · tugendhaft
Tugend f. älter (bis 17. Jh.) auch Tugent, ‘sittlich hervorragende Eigenschaft, einwandfreie, vorbildliche Haltung’. Als Verbalabstrakta zu dem unter ↗taugen (s. d.) behandelten Verb sind gebildet mit dem Suffix germ. -unþi- ahd. tugund ‘Tüchtigkeit, Kraft, Brauchbarkeit’ (um 1000), mhd. tugent, tugende ‘Brauchbarkeit, Tauglichkeit, männliche Tüchtigkeit, Kraft, Heldentat, Vorzüglichkeit, feine Sitte’, mnd. dȫget, dȫgent, dȫgede, mnl. dōghet, deoghet, nl. deugd, afries. dugethe, aengl. duguþ, anord. dygð ‘Tugend, Kraft’, schwed. dygd (germ. *dugunþi-); vgl. noch ahd. tugid (9. Jh.) als Mischform beider Bildungsweisen. Aus der alten Bedeutung ‘Tauglichkeit, Brauchbarkeit, Tüchtigsein’ entwickelt sich unter Einfluß von kirchenlat. virtūs (mōrālis) der Sinn ‘sittliche(religiöse) Vollkommenheit’ als Gegensatz zu Laster und Sünde (seit Notker); später wird Tugend veräußerlicht zu ‘Enthaltsamkeit, moralisches Verhalten, sittliche Reinheit, Keuschheit’. tugendhaft Adj. ‘ehrbar, keusch’, mhd. tugenthaft ‘gewaltig, mächtig, edel, fein gesittet’; im heutigen Sinne seit frühnhd. Zeit (16. Jh.).

Thesaurus

Psychologie
Synonymgruppe
Güte · Tugend · ↗Tugendhaftigkeit  ●  Arete  fachspr. · ↗Vortrefflichkeit  geh.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bescheidenheit Demut Disziplin Fleiß Geduld Gehorsam Laster Not Pfad Pünktlichkeit Rückbesinnung Sparen Sparsamkeit Tapferkeit Toleranz Treue Untugend altmodisch besinnen bürgerlich christlich demokratisch kämpferisch preisen preußisch ritterlich soldatisch staatsbürgerlich verkörpern weiblich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Tugend‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Eine starke Defensive ist eine verlässlichere Tugend als eine spektakuläre Offensive.
Der Tagesspiegel, 06.04.2004
Flugs versuchte die Regierung, ihre Not zu einer Tugend zu erklären.
Süddeutsche Zeitung, 18.07.2002
Also muß die gute Verfassung durch sich selbst die Tugend der Bürger befördern.
Jonas, Hans: Das Prinzip der Verantwortung, Frankfurt a. M.: Insel-Verl. 1979, S. 215
In den strengsten Orden war das Schweigen eine Pflicht, in allen Orden eine Tugend.
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 26953
Höchste Tugend ist die Erkenntnis Gottes, das Begreifen aller Dinge aus Gottes Wesen.
Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe - T. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1904], S. 23170
Zitationshilfe
„Tugend“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Tugend>, abgerufen am 22.04.2019.

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