Trugbild, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Trugbild(e)s · Nominativ Plural: Trugbilder
Aussprache
WorttrennungTrug-bild (computergeneriert)
WortzerlegungTrugBild
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
Sinnestäuschung, Vortäuschung von nicht Vorhandenem
Beispiele:
sich von Illusionen und Trugbildern frei halten
jmd. wird von Trugbildern genarrt
2.
auf absichtlicher Täuschung beruhendes, falsches Abbild von etw.
Beispiel:
In den Staatsschriften ... sehen wir es vor uns, dieses Trugbild historischer Romantik, in dem das Papsttum erscheint, wie es gewesen sein sollte und doch nie gewesen war [HallerPapsttum2,1,85]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

trügen · Trug · Trugbild · Trugschluß · trügerisch · betrügen · Betrüger · Betrug
trügen Vb. ‘betrügen, täuschen, irreführen’. Das nur im Dt. und Nl. belegte stark flektierende Verb ahd. triogan (8. Jh.), mhd. triegen ‘(be)trügen, täuschen’, reflexiv ‘sich täuschen, sich irren’, asächs. driogan ‘betrügen’, mnd. drēgen, mnl. drieghen (germ. *dreugan) ist verwandt mit ahd. gitrog ‘Trugbild, Gespenst’ (9. Jh.), asächs. gidrog ‘Trugbild’, anord. draugr ‘Gespenst, Wiedergänger’, mit der unter ↗Traum (s. d.) behandelten Wortgruppe sowie mit aind. drúhyati ‘beschädigt, sucht zu schaden’, drṓghaḥ ‘schmähend, boshaft, trügerisch’, awest. draog- ‘lügen, trügen’, mir. aur-ddrach ‘Gespenst’. Alle Formen führen auf ie. *dhreugh- ‘trügen, listig schädigen’, vielleicht eine Erweiterung der Wurzel ie. *dhu̯er(ə)- ‘durch Täuschung, Hinterlist zu Fall bringen, schädigen’. Im Nhd. gilt zunächst triegen mit den Präsensformen du treugst, er treugt. In der 2. Hälfte des 17. Jhs. wird entweder zu -ie- oder (nach dem Vorbild von lügen) zu -ü- vereinheitlicht. Endgültig setzt sich trügen, trügst, trügt im 19. Jh. durch. Trug m. ‘Betrug, Täuschung, falscher Schein’, mhd. truc, für mhd. trüge ‘Trug, Betrug’ eintretend. Trug ist vor allem lebendig in der Fügung Lug und Trug (16. Jh.). Trugbild n. ‘Täuschung’, ahd. trugibilidi ‘Teufelsbild, Gespenst’ (um 900), mhd. trüge-, trugebilde ‘täuschendes Bild’; geläufig seit dem 18. Jh. und wohl von Herder neu gebildet als Verdeutschung von Phantom im Sinne von ‘Sinnestäuschung, von der Phantasie geschaffene Vorstellung, Selbsttäuschung, Irrtum’. Trugschluß m. Terminus der Logik ‘unrichtiger, von einer falschen Prämisse ausgehender Schluß’ (1743 bei Gottsched für frz. un grand sophisme), allgemein ‘auf einem Denkfehler beruhende Schlußfolgerung, Irrtum’ (Ende 18. Jh.); zuvor Betrugsschluß (1. Hälfte 17. Jh.). trügerisch Adj. ‘betrügerisch, hinterlistig, heuchlerisch’ (16. Jh.), ‘täuschend, irreführend’ (18. Jh.), zu ahd. triogāri ‘Heuchler’ (um 800), mhd. trigære, trieger. betrügen Vb. ‘(be)schwindeln, sich einen Vorteil durch Täuschung ergaunern’, (reflexiv) ‘sich nicht die Wahrheit eingestehen’, ahd. bitriogan ‘betrügen, täuschen’ (8. Jh.), mhd. betriegen ‘verlocken, betrügen, betören, verblenden’; Betrüger m. (15. Jh.); Betrug m. ‘Schwindel, Täuschung, Lüge’ (15. Jh.); vgl. ahd. bitrog (11. Jh.), mhd. betroc.

Thesaurus

Synonymgruppe
Artefakt · ↗Chimäre · ↗Einbildung · ↗Erscheinung · ↗Phantasmagorie · ↗Phantom · ↗Schimäre · ↗Sinnestäuschung · Trugbild  ●  ↗Hirngespinst  ugs.
Assoziationen
Psychologie
Synonymgruppe
Einbildung · ↗Erscheinung · ↗Geisterbild · ↗Halluzination · ↗Illusion · ↗Offenbarung · ↗Phantom · ↗Selbsttäuschung · ↗Sinnestäuschung · Trugbild · ↗Täuschung · ↗Vision · ↗Wahnbild · ↗Wahnvorstellung  ●  ↗Fata Morgana  fig. · ↗Gesicht (oft Plural: Gesichte)  veraltet · ↗Hirngespinst  abwertend · Butterland  fachspr., Jargon, seemännisch · Hallu (meist Plural: Hallus)  ugs. · reizunabhängige Sinneswahrnehmung  fachspr.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • optische Täuschung · visuelle Illusion
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Illusion Realität Traum Wahrheit Wirklichkeit aufsitzen entlarven entpuppen erliegen erweisen erzeugen herausstellen vermitteln verschwinden vorgaukeln zeichnen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Trugbild‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es ist das schöne Trugbild einer modernen Stadt vor dem postindustriellen Fall.
Die Zeit, 12.01.2006, Nr. 03
Er hatte nämlich, um sich vom Trugbild zu befreien, beschlossen, sich an ihm in die Höhe zu richten.
Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 326
Ich bin in dieselbe Situation geraten, ohne zu flehen, ohne nach dem Trugbild zu haschen.
Die Fackel [Elektronische Ressource], 2002 [1928]
Bisweilen kann er sie eine Weile lang, wenn sie nicht allzusehr drängen, ignorieren und seinen »Trugbildern« (Bacon) nachhängen.
Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 59
Trotzdem sind wir hier in Gefahr, einem bequemen Trugbilde zu erliegen.
Heuß, Alfred: Verlust der Geschichte, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1959, S. 7
Zitationshilfe
„Trugbild“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Trugbild>, abgerufen am 20.04.2019.

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