Treppenwitz, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungTrep-pen-witz
WortzerlegungTreppeWitz
eWDG, 1976

Bedeutung

Begebenheit, die wie ein Witz wirkt, weil sie zu einem bestimmten, historischen Vorgang, Ereignis im Widerspruch steht
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Treppe · Trapp · Trappe2 · Treppenwitz
Treppe f. ‘aus Stufen gebildeter Aufgang’. Die nur im Dt. und Nl. begegnenden Substantivformen mhd. trappe, treppe, mnd. treppe, trappe, troppe, mnl. trap(pe), nl. trap gehören zur Wortgruppe um ↗trappen, ↗trippeln, ↗Trip und ↗trampeln (s. d.) und bedeuten eigentlich ‘Tritt, Stufe’. Dazu stellen sich aengl. treppan ‘treten, in einer (Tritt)falle, (Vogel)schlinge fangen’, anfrk. (latinisiert?) trappa (Lex Salica, 6. Jh.), ahd. trappa (Hs. 12. Jh.), aengl. træppe, treppe, engl. trap, mnl. trap(pe) ‘(Tier)falle’, eigentlich ‘(Vogel)schlinge, (Tritt)falle’ (vgl. engl. trapper ‘Fallensteller, nordamerikanischer Pelztierjäger’, s. ↗Trapper) und nhd. (landschaftlich) Trapp, Trappe2 f. ‘Trittfalle, Fußspur, Hufspur des Pferdes’ (15. Jh.), vgl. Wolfstrapp, Roßtrappe. Außergerm. vergleichbar sind russ. (landschaftlich) drjabý (дрябы) Plur. ‘Erntewagen’, poln. drabina ‘Leiter’ und vielleicht auch lit. drebė́ti ‘zittern, schlottern, beben’. Auszugehen ist von ie. *dreb-, das wie die unter ↗treten und ↗zittern (s. d.) genannten Ansätze ie. *drei-, *drā- als Erweiterung der Wurzel ie. *der- oder *derə- ‘laufen, treten, trippeln’ angesehen werden kann. Die dieser Wurzel zuzuordnenden germ. Wörter, auch ↗treten und ↗zittern, dürften als lautmalende bzw. affektische Weiterbildungen aufzufassen sein (mit emphatischem, im Hd. unverschobenem -pp- in den oben genannten Substantiven für ‘Stufe, Treppe’ und ‘Falle’ und in aengl. treppan sowie in nhd. trappen, trippeln, mit emphatischer Nasalierung in got. anatrimpan ‘bedrängen’, nhd. trampeln). Treppe ist wie die alte (heute noch im Rhein. gebrauchte) Nebenform Trappe ursprünglich ein nd.-md. Wort, dem obd.Stiege (s. d.) gegenübersteht. Es bezeichnet anfangs vor allem die Einzelstufe; die heutige Bedeutung ‘Gesamtheit der Stufen’ setzt sich um die Mitte des 17. Jhs. durch. Treppenwitz m. ‘geistreiche Antwort, die jmdm. erst nachträglich einfällt’ (gleichsam auf der Treppe, nach Verlassen des Gesprächspartners). Wohl in Anschluß an Diderot, der bemerkt, daß ein empfindsamer Mensch, durch einen geistreichen Ausspruch verwirrt, erst auf der untersten Treppenstufe wieder zu sich finde, wird im Dt. die Fügung frz. l’esprit d’escalier geprägt (1. Hälfte 19. Jh.) und mit Treppenwitz übersetzt (um 1850). Beide Ausdrücke finden im oben genannten Sinne rasch bildungssprachliche Verbreitung (vgl. Treppenwitz der Weltgeschichte, Titel eines Buches von Hertslet 1882). Danach (um 1900) wird die Wendung auch von französischen Schriftstellern, allerdings in der Form l’esprit de l’escalier, aufgenommen.

Thesaurus

Synonymgruppe
(wohl ein) schlechter Scherz · Ironie des Schicksals · Treppenwitz (der Weltgeschichte)

Typische Verbindungen
computergeneriert

Filmgeschichte Geschichte Mediengeschichte Sportgeschichte Weltgeschichte anmuten bezeichnen historisch klingen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Treppenwitz‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das ist der Treppenwitz der Geschichte, was sich da abgespielt hat.
Der Tagesspiegel, 14.04.2003
Es ist schon mehr als ein Treppenwitz, wenn es mitunter drei Jahre dauert, bis ein Patent erteilt wird.
Süddeutsche Zeitung, 04.01.1999
Man stufte das Unternehmen als eine Art Treppenwitz ein, als für Kritik zu armselig.
Die Zeit, 25.11.1994, Nr. 48
Die Ende dieser Woche angekündigte Demonstration ist nicht mehr als ein Treppenwitz der Geschichte.
Bild, 17.12.2002
Und die redlichste Hilfsbereitschaft der Menschen bleibt in den dringendsten Fällen ein Treppenwitz.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 26290
Zitationshilfe
„Treppenwitz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Treppenwitz>, abgerufen am 26.08.2019.

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