Tradition, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Tradition · Nominativ Plural: Traditionen
Aussprache
WorttrennungTra-di-ti-on (computergeneriert)
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›Tradition‹ als Erstglied: ↗Traditionspartei · ↗Traditionsunternehmen · ↗traditionell · ↗traditionsbewusst · ↗traditionsgebunden · ↗traditionsgemäß · ↗traditionsreich · ↗traditionsverhaftet
 ·  mit ›Tradition‹ als Letztglied: ↗Bautradition · ↗Berufstradition · ↗Bildungstradition · ↗Denktradition · ↗Erzähltradition · ↗Forschungstradition · ↗Kulturtradition · ↗Liedtradition · ↗Musiktradition · ↗Rechtstradition · ↗Theorietradition · ↗Verfassungstradition · ↗Volkskunsttradition
eWDG, 1976

Bedeutung

im Laufe der Zeit, Geschichte innerhalb einer bestimmten Gruppe von Menschen Entwickeltes und Weitergegebenes, das üblich, zur Sitte, Gepflogenheit geworden ist
Beispiele:
fortschrittliche, humanistische Traditionen
kulturelle, künstlerische Traditionen
das Orchester blickt auf eine lange, ruhmreiche Tradition zurück
alte handwerkliche Traditionen pflegen
eine Tradition fortsetzen, fortführen, bewahren, erhalten
etw. ist in einer bestimmten Tradition verwurzelt, fußt auf einer bestimmten Tradition
an eine Tradition anknüpfen
mit einer (überlebten) Tradition brechen
er bemühte sich, diese demokratischen Traditionen [der bürgerlichen Intelligenz] zu wecken, lebendig zu erhalten [Engels-Biographie610]
Sie [die KPD] war die Erbin aller revolutionären Traditionen der deutschen Arbeiterbewegung [Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung13,242]
der gegen die Traditionen seiner Familie Maler geworden war [RennKindheit225]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Tradition · tradieren · traditionell
Tradition f. ‘Überlieferung, Herkommen, Gewohnheit, Brauch, Gepflogenheit’, entlehnt (1. Hälfte 16. Jh.) aus lat. trāditio (Genitiv traditiōnis) ‘Vortrag, Lehre, Satzung, überkommene, weitergegebene Meinung, Überlieferung’, eigentlich ‘Auslieferung, Übergabe’, zu lat. trādere (s. unten tradieren). Zunächst Schlagwort der Reformationszeit zur Bezeichnung der Lehren, Satzungen und Institutionen der jüdischen und christlichen Religion, die nicht unmittelbar aus der Bibel, sondern aus der Überlieferung stammen, darauf (2. Hälfte 16. Jh.) juristischer Fachausdruck für bestimmte Formen der Eigentumsübertragung, -übereignung, -übergabe, dann (Anfang 17. Jh.) in der Bedeutung ‘Prozeß, Akt, Handlung des Überlieferns, der Weitergabe von Glauben, Wissen, Verhaltensweisen’, ferner ‘von alters her mündlich oder schriftlich überlieferte Kunde von Begebenheiten der Vergangenheit’ (als Sage, Mythos, Erzählung), schließlich (2. Hälfte 18. Jh.) in der (heute vorherrschenden) Bedeutung ‘im Laufe der Zeit, der Geschichte innerhalb einer bestimmten Gruppe von Menschen Entwickeltes und Weitergegebenes, das üblich, zur Sitte, Gepflogenheit geworden ist’. tradieren Vb. ‘(Kenntnisse, Erfahrungen, kulturelle Werte der Nachwelt mündlich oder schriftlich) überliefern, Überliefertes weiterführen, weitergeben’, entlehnt (2. Hälfte 15. Jh.) aus lat. trādere ‘(von Hand zu Hand) weitergeben, überreichen, anvertrauen, überlassen, abtreten, übereignen, mündlich oder schriftlich weitergeben, überliefern, aufzeichnen, berichten, mitteilen, vortragen, lehren’, eigentlich ‘übergeben’, aus lat. trāns- ‘durch-, hin-, über-, hinüber-, über … hin(aus)-’ (s. ↗trans-) und dare ‘geben’; im Dt. zuerst vereinzelt in der Bedeutung ‘geben, unterweisen, berichten, ausliefern, verraten’ (16. Jh.), dann (entsprechend der juristischen Bedeutung von Tradition, s. oben) ‘übergeben, übereignen’ (2. Hälfte 16. Jh. bis Anfang 19. Jh.), schließlich in der oben angeführten Bedeutung (Mitte 16. Jh. bis 19. Jh. selten, in neuerer Zeit häufiger). traditionell Adj. ‘der Tradition entsprechend, auf Tradition beruhend, althergebracht, herkömmlich, überliefert, übernommen’ (1. Hälfte 19. Jh.), nach gleichbed. frz. traditionnel (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Brauch · ↗Brauchtum · Gebräuche · ↗Gepflogenheit · Sitten und Gebräuche · Tradition · ↗Überlieferung
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Ritual · rituelle Handlung · wiederkehrende Handlung  ●  ↗Zeremonie  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bruch Kultur Moderne abendländisch alt anknüpfen bewahren brechen christlich demokratisch ehrwürdig fortführen fortsetzen gebrechen humanistisch islamisch jahrhundertealt jüdisch kulturell lang lebendig liberal literarisch national pflegen philosophisch religiös uralt verbinden zurückblicken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Tradition‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber sie kennt ihre Traditionen, und sie weiß, wer ihre Helden sind.
konkret, 1993
Oft haben die höfischen Traditionen dieser Länder mehr Ähnlichkeit miteinander als mit den jeweiligen bodenständigen bäuerlichen Überlieferungen.
Becker, Judith: Südostasien. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1979], S. 21623
Die revolutionäre Entwicklung werde die Wege der sozialistischen Tradition einhalten.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1948]
Nach dieser Tradition muß alles auf dem Hofe eingerichtet sein.
Hahn, Christian Diederich: Bauernweisheit unterm Mikroskop, Oldenburg i.O.: Stalling 1943 [1939], S. 96
Der ganze Begriff geistiger Tradition erscheint nur höchst bedingungsweise anerkannt.
Hofmannsthal, Hugo von: Das Schrifttum als geistiger Raum der Nation. In: Bertram, Mathias (Hg.) Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1927], S. 15039
Zitationshilfe
„Tradition“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Tradition>, abgerufen am 24.06.2019.

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