Tracht, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Tracht · Nominativ Plural: Trachten
Aussprache
Wortbildung mit ›Tracht‹ als Erstglied: ↗Trachtenfest · ↗Trachtengruppe · ↗Trachtenjanker · ↗Trachtenkapelle · ↗Trachtenkleid · ↗Trachtenlook · ↗Trachtenstaat · ↗Trachtenverein
 ·  mit ›Tracht‹ als Letztglied: ↗Amtstracht · ↗Anstaltstracht · ↗Barttracht · ↗Bauerntracht · ↗Bergmannstracht · ↗Berufstracht · ↗Biedermeiertracht · ↗Bischofstracht · ↗Eintracht · ↗Frauentracht · ↗Haartracht · ↗Hoftracht · ↗Jägertracht · ↗Landestracht · ↗Männertracht · ↗Nationaltracht · ↗Niedertracht · ↗Nonnentracht · ↗Ordenstracht · ↗Pflegerinnentracht · ↗Priestertracht · ↗Schwesterntracht · ↗Vereinstracht · ↗Volkstracht · ↗Zeittracht · ↗Zimmermannstracht · ↗Zwietracht
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
Kleidung
a)
die an Landschaften und Berufsgruppen gebunden und kaum der Mode unterworfen ist
Beispiele:
die Spreewälder Tracht
eine Tracht mit reicher Stickerei
eine farbenprächtige Tracht
die alte Tracht tragen, bewahren
die geistliche Tracht
Sie schoben sich durch das Landvolk in seinen bunten Trachten [MoloEin Deutscher60]
Schwester Bärbel ... in ihrer würdigen Tracht, mit Häubchen und kurzem Umhang [A. ZweigEinsetzung210]
b)
einer bestimmten Zeit
Beispiele:
Auch erschien der Turnvater Jahn, in Perücke und Tracht seiner Zeit [Ch. WolfGeteilter Himmel101]
Für Audienzen bei Hofe war noch die alte Tracht vorgeschrieben, die aus Spanien kam [B. FrankTrenck182]
2.
salopp eine Tracht PrügelSchläge
Beispiele:
jmdm. eine tüchtige, gehörige, kräftige Tracht Prügel verabreichen
er hat seine Tracht Prügel bekommen, verdient
3.
Imkerei von der Honigbiene eingetragener Pollen und Nektar der Pflanzen
Beispiel:
Ein fröhlicher, fülliger Sommer für Leute, denen es wie Ole um die Tracht der Bienen und eine Liebe ging [StrittmatterBienkopp39]
4.
Landwirtschaft Stellung einer Fruchtart in der Anbaufolge (und deren Ertrag), besonders im Gemüsebau
Beispiel:
eine Fruchtart in erster und zweiter Tracht
5.
veraltet Menge, Last, die jmd. trägt
Beispiele:
eine Tracht Holz, Heu, Stroh, Futter
Da schrak Esau zusammen, daß er beinah die ganze Tracht hätte fallen lassen [Th. MannJoseph3,209]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Tracht · trächtig
Tracht f. ‘traditionelle Kleidung einer Volks-, Berufsgruppe, Menge, Last, die einer trägt, Traglast’, in der Imkerei ‘der von der Biene eingetragene Honig, Pollen usw.’, in der Landwirtschaft ‘(Feld)frucht, Stellung einer Fruchtart in der Anbaufolge (und deren Ertrag), Fruchtfolge im Gemüsebau’, ahd. trahta ‘aufgetragene Speise, Gericht’ (9. Jh.), mhd. traht(e), auch ‘Traglast, Schwangerschaft’, mnd. mnl. nl. dracht. Das nur im Dt. und Nl. begegnende Substantiv ist Verbalabstraktum zu dem unter ↗tragen (s. d.) behandelten Verb und bedeutet ursprünglich ganz allgemein ‘das Tragen, das Getragenwerden, was getragen wird’, z. B. ‘das Herbei- bzw. Aufgetragene, Speise, Mahlzeit’ (nach dem 19. Jh. kaum noch üblich; doch vgl. eine Tracht Schläge, Prügel, eigentlich ‘ein Gericht Prügel’, 17. Jh.), ‘das Tragen der Leibesfrucht, Schwangerschaft’ (heute noch mundartlich), ‘Traglast’ (vgl. Tracht Wasser, Holz), besonders ‘was als Kleidung, Kopfbedeckung und Schuhwerk am Körper getragen wird, Art und Weise, seine Kleider zu tragen, sein Haar zu ordnen’ (seit Ende 15. Jh.). Mit der Vorstellung des Althergebrachten wird Tracht zum Fachwort der Volkskunde und bezeichnet die überlieferte Kleidung einer Gruppe, eines Volkes, einer Nation (Heimat-, Volks-, Nationaltracht) sowie bestimmter Berufe (Bauern-, Bergmanns-, Schwestern-, Amts-, Berufstracht). Bis ins 18. Jh. gilt Tracht auch für das ‘Soldatenkleid’, danach durch ↗Uniform (s. d.) mehr und mehr verdrängt. trächtig Adj. ‘(Leibesfrucht) tragend, schwanger’ (von Säugetieren), spätmhd. trehtec, trehtic.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Brauch Brauchtum Bäuerin Dichten Dirndl Landhausmode Nonne Prügel Sinnen Volkskunst Volksmusik Volkstanz altdeutsch altertümlich bayrisch bestickt bunt bäuerlich farbenfroh farbenprächtig folkloristisch gehörig kleidsam landestypisch landesüblich malerisch sorbisch traditionell verabreichen zünftig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Tracht‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mein Trachten geht dahin, es wieder wie die Kinder zu machen.
Die Welt, 15.04.2005
Er geht, ausgestattet in feinster Tracht, zu den schönen Künsten.
Süddeutsche Zeitung, 25.09.2004
Bauern, Bürger, der Arzt, kenntlich an ihrer Tracht, sehen zu.
Elias, Norbert: Über den Prozeß der Zivilisation - Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen Bd. 1, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1992 [1939], S. 283
Das neue Amt hatte Tracht nicht für den Verlust zehn seiner rüstigsten Jahre zu entschädigen vermocht.
Seidel, Ina: Das Wunschkind, Frankfurt a. M. u. a.: Ullstein 1987 [1930], S. 442
Sie trägt immer eine Gestalt, eine Frau in verschiedener Tracht, aber immer dieselbe.
Rilke, Rainer Maria: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge. Prosa 1906 bis 1926, Frankfurt a. M.: Insel-Verl. 1966 [1910], S. 753
Zitationshilfe
„Tracht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Tracht>, abgerufen am 20.08.2019.

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