Tollhaus, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungToll-haus (computergeneriert)
WortzerlegungtollHaus
Wortbildung mit ›Tollhaus‹ als Erstglied: ↗Tollhäusler
eWDG, 1976

Bedeutung

umgangssprachlich
Beispiele:
es geht ja hier wie in einem Tollhaus (= wie in einem Irrenhaus, sehr wild) zu
das ist ein Stück aus dem Tollhaus (= etw. Widersinniges)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

toll · tollen · Tollheit · Tollhaus · Tollkirsche · tollkühn · Tollwut
toll Adj. ‘verrückt, nicht bei Sinnen, ausgelassen, wild, großartig, unglaublich, schlimm’, steigernd ‘sehr groß, stark’, älter auch ‘geistesgestört, tollwütig’, ahd. tol (9. Jh.), mhd. tol, dol ‘töricht, unsinnig’, asächs. aengl. nl. dol, mnd. dul, mnl. dol, dul, engl. dull ‘dumm, schwerfällig, stumpf(sinnig)’ führen auf germ. *dwula- ‘getrübt, umnebelt, verwirrt’. Verwandt sind anord. dul ‘das Verbergen, Torheit, Hochmut’, isl. dulinn ‘eingebildet’, (hochstufig) mnd. dwal, dwel ‘irre’, got. dwals ‘töricht’ und die Verben ahd. twelan ‘säumig sein, einschlafen’ (8. Jh.), irtwelan ‘betäubt, kraftlos sein, verwelken’ (9. Jh.), mhd. -tweln, asächs. fardwelan ‘versäumen’, mnd. dwēlen ‘irren’, aengl. gedwolen (Part. Prät.) ‘verirrt, beirrt’, schwach flektierend ahd. twellen ‘zurückhalten, verweilen, säumen’ (9. Jh.), mhd. twellen ‘verzögern, (sich) aufhalten, weilen’, asächs. dwellian ‘aufhalten, hindern’, anord. dvelja ‘verzögern, sich aufhalten’, ferner ahd. twāla ‘Verzug, Verzögerung, Überdruß’ (9. Jh.). Außergerm. vergleichen sich griech. tholós (θολός, aus *θϜολός) ‘Schlamm, Schmutz, der dunkle Saft des Tintenfisches’, tholerós (θολερός) ‘schlammig, trübe, verwirrt’, air. kymr. korn. bret. dall ‘blind’, so daß ie. *dh(e)u̯el- ‘aufwirbeln, trüben, trübe, dunkel, geistig schwach’ angesetzt werden kann, eine l-Erweiterung der Wurzel ie. *dheu-, *dheu̯ə- ‘stieben, wirbeln, wehen, blasen’ (s. ↗Dunst). tollen Vb. ‘ausgelassen, fröhlich, lärmend spielen, umherlaufen, -springen’ (Anfang 16. Jh.), mhd. in ertoln ‘toll, vermessen werden’; vgl. aostnfrk. gidolōn ‘sich überheben’ (9. Jh.), mnd. dullen ‘toll, närrisch sein, werden, rasen, unsinnig machen’. Tollheit f. ‘das Tollsein, Verrücktheit, verrückte, närrische Tat, Handlung’, ahd. tolaheit ‘Torheit’ (9. Jh.), mhd. tol(e)heit ‘törichtes Wesen’. Tollhaus n. früher für ‘Irrenhaus’ (17. Jh.), daher die Wendung es geht zu wie in einem Tollhaus. Tollkirsche f. Nachtschattengewächs mit braunen Blüten und kirschenähnlichen, schwarzen, giftigen, Alkaloide enthaltenden Beeren, die nach Genuß Erregungs- und Verwirrtheitszustände bewirken (1600). tollkühn Adj. ‘sehr kühn, verwegen’ (17. Jh.), mnd. dulkȫne ‘unüberlegt, unbesonnen’ (15. Jh.); vgl. frühnhd. ein toller küner man (16. Jh.). Tollwut f. bei warmblütigen Tieren vorkommende gefährliche, einen Zustand von Übererregtheit hervorrufende Viruskrankheit, die durch den Speichel kranker Tiere auch auf den Menschen übertragen werden kann (Ende 18. Jh.), älter tolle Wut (1. Hälfte 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Nervenheilanstalt · ↗Nervenklinik · psychiatrische Anstalt  ●  ↗Narrenhaus  veraltet · Tollhaus  fig. · psychiatrische Klinik  Hauptform · ↗Irrenanstalt  ugs. · ↗Irrenhaus  ugs. · ↗Klapse  ugs. · ↗Klapsmühle  ugs. · ↗Psychiatrie  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arena Ding Fabrik Freude Halle Olympiastadion Siegfriedstraße Stadion Stück Willkommen anmuten gleichen rein verwandeln wahr

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Tollhaus‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Heute ab 20 Uhr aber wird das kleine Gebäude zum Tollhaus.
Die Welt, 05.11.2005
Wenn diese fehlt, kommen solche Stücke aus dem Tollhaus heraus.
Süddeutsche Zeitung, 28.04.2004
Und in der Union wäre daraufhin, mangels Opposition, das reine Tollhaus ausgebrochen.
Die Zeit, 29.12.1972, Nr. 52
Seit sich Ascona aber in ein Tollhaus verwandelt hatte, balancierte er ununterbrochen am Rande eines Nervenzusammenbruchs entlang.
Hohlbein, Wolfgang: Das Druidentor, Stuttgart: Weitbrecht 1993, S. 181
Das im Ernste leugnen zu wollen, wäre die Sache eines »theoretischen Egoismus«, der höchstens als »skeptisches Sophisma« geduldet werden könnte, sonst aber ins Tollhaus gehört!
Vorländer, Karl: Geschichte der Philosophie. In: Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1913], S. 3298
Zitationshilfe
„Tollhaus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Tollhaus>, abgerufen am 25.04.2019.

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