Temperament, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Temperament(e)s · Nominativ Plural: Temperamente
Aussprache
WorttrennungTem-pe-ra-ment (computergeneriert)
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›Temperament‹ als Erstglied: ↗Temperamentbolzen · ↗Temperamentsausbruch · ↗Temperamentsbolzen · ↗Temperamentssache · ↗temperamentlos · ↗temperamentvoll
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
auf der höheren Nerventätigkeit beruhende Gemütsart und Verhaltensweise des Menschen, die in der Auseinandersetzung mit der Umwelt ihre endgültige Ausbildung erhält
Beispiele:
bereits Hippokrates unterschied vier Typen von Temperamenten: das sanguinische, phlegmatische, cholerische, melancholische Temperament
ein lebhaft-heiteres (= sanguinisches) Temperament
ein leicht aufbrausendes (= cholerisches) Temperament
das künstlerische Temperament
das Temperament eines Kindes, Malers
die Sprunghaftigkeit seines Temperaments
Menschen von verschiedenem Temperament
ein leichtes, glückliches, kühles Temperament haben
Mein ohnehin schwerblütiges Temperament litt darunter [FedererRegina Lob22]
2.
nur im Singular
starke Gemütsbewegung
a)
Lebhaftigkeit, Feuer
Beispiele:
ein jugendliches, sprühendes, feuriges Temperament
eine Frau mit Temperament
die Leidenschaftlichkeit, der Überschwang seines Temperaments
das Temperament sprüht aus ihren Augen
sein Temperament riss alle mit
viel Temperament haben
ihm fehlt es an Temperament
sie entfaltete alle Seiten ihres wilden und hinreißenden Temperaments [Wasserm.Wahnschaffe1,68]
b)
große Erregbarkeit
Beispiele:
sein Temperament geht mit ihm durch
er ließ seinem Temperament die Zügel schießen
ein hitziges, ungezügeltes Temperament
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Temperament · temperamentvoll · temperamentlos
Temperament n. individuelle Veranlagung des Menschen, die sich in der Art seines Verhaltens, seines Reagierens auf Reize äußert, auch ‘Gemütsart’ und vielfach ‘Lebhaftigkeit, Schwung’. Lat. temperāmentum ‘das richtige Verhältnis gemischter Dinge, die gehörige Mischung, das rechte Maß, Mäßigung’, gebildet zu lat. temperāre ‘das rechte Maß beobachten, mäßig sein, in das gehörige Maß, Verhältnis bringen, mischen’, wird zunächst (1. Hälfte 16. Jh.) im Sinne von ‘richtiges Mischungsverhältnis’ (von Kräutern), ‘ausgleichendes Heilmittel’ in die Sprache der Pharmazie entlehnt, danach auf das ‘Mischungsverhältnis der menschlichen Körpersäfte’ (im Sinne der antiken Temperamentenlehre) übertragen (2. Hälfte 16. Jh.). Daraus entwickelt sich (etwa 18. Jh.) die heutige Bedeutung. temperamentvoll Adj. ‘lebhaft, schwungvoll, feurig, spritzig’ (Anfang 20. Jh.). temperamentlos Adj. ‘schwunglos, träge, lahm’ (1. Hälfte 20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Beschwingtheit · ↗Kraft · ↗Lebenskraft · ↗Schwung · Temperament · ↗Vitalität
Antonyme
Synonymgruppe
Charakter · ↗Eigenart · ↗Format · ↗Gemüt · ↗Gemütsart · ↗Gepräge · ↗Natur · ↗Naturell · ↗Persönlichkeit · Temperament · ↗Veranlagung · ↗Wesen · ↗Wesenheit · ↗Wesensart  ●  ↗Profil  fachspr.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Gemüt · ↗Gemütsanlage · ↗Gemütsart · ↗Naturell · ↗Sinnesart · Temperament
Oberbegriffe
  • psychologische Eigenschaft
Synonymgruppe
Anlage · ↗Charakter · ↗Eigenart · ↗Naturell · Temperament · ↗Veranlagung · ↗Wesen
Oberbegriffe
  • psychologische Eigenschaft
Unterbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Verschiedenheit aufbrausend ausgleichend cholerisch durchgehen erzählerisch explosiv feurig gegensätzlich gezügelt grundverschieden hitzig journalistisch lebhaft leidenschaftlich musikantisch phlegmatisch sanguinisch sprühend südamerikanisch südlich südländisch unbändig ungestüm ungezügelt unterschiedlich vulkanisch zügeln überbordend überschäumend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Temperament‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auf die Dauer kann dieses ungebremste Temperament allerdings auch anstrengend werden.
Noll, Ingrid: Ladylike, Zürich: Diogenes 2006, S. 291
Also ermuntert sie ihn, etwas mehr Temperament zu zeigen, etwas aus sich herauszugehen.
Schwanitz, Dietrich: Männer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 293
Schließlich sind die Schweizer eher für ihre Zurückhaltung denn für launiges Temperament bekannt.
Der Tagesspiegel, 19.11.2000
Nur ein einziges Mal ging mit den Anhängern das Temperament durch.
Süddeutsche Zeitung, 31.07.1995
Ein Ort, durch zwei grundverschiedene Temperamente betrachtet, ist nicht derselbe Ort.
Heller, Gisela: Märkischer Bilderbogen, Berlin: Berlin Verlag der Nation 1978, S. 211
Zitationshilfe
„Temperament“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Temperament>, abgerufen am 22.04.2019.

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