Taumel, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Taumels · Nominativ Plural: Taumel · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungTau-mel
Wortbildung mit ›Taumel‹ als Letztglied: ↗Begeisterungstaumel · ↗Freudentaumel · ↗Glückstaumel · ↗Liebestaumel · ↗Schaffenstaumel · ↗Siegestaumel · ↗Sinnentaumel
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
Gefühl des Schwankens, Taumelns, Schwindel
Beispiele:
ein (jäher, leichter) Taumel erfasste, ergriff, überkam ihn
er war noch, halb, wie im Taumel (= war leicht betäubt, benommen)
er ging wie im Taumel umher
Ich fühlte nach jeder Schicht einen Taumel im Kopf [MarchwitzaJugend107]
schwankende, taumelnde Bewegung
Beispiel:
die Blätter fallen ... in unentwegtem Taumel auf die Ufer nieder [KlepperKahn126]
bildlich
Beispiel:
Um mich war ein Taumel von schwitzenden Menschen, wandernden Koffern [KeunMitternacht53]
2.
übertragen überwältigende innere Aufwallung, Rausch, Überschwang, Ekstase
Beispiele:
er wurde von einem (wilden, wollüstigen, glückseligen) Taumel der Freude, Lust, Leidenschaften erfasst
die Menge ergriff ein Taumel der Begeisterung, des Entzückens
er geriet in einen Taumel der Schwärmerei
ein Taumel (= wirbelnde, wilde, rauschende Folge) von Vergnügungen, glänzenden Festen ließ sie nicht zur Besinnung kommen
daß die Gefahr ... die Liebesleute anfeuerte und sie einem Taumel zutrieb [KusenbergNicht zu glauben85]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

taumeln · Taumel · taum(e)lig
taumeln Vb. ‘sich unsicher, schwankend vorwärts oder hin und her bewegen, schwanken, torkeln’. Das nur im Dt. und Nl. begegnende Verb ahd. tūmilōn ‘dröhnen, tosen’ (8. Jh.), tūmalōn ‘sich im Kreise herumdrehen, rollen’ (Hs. 15. Jh.), mhd. tūmeln ‘sich mit Heftigkeit bewegen, springen, tanzen’, frühnhd. ‘sich (im Schwindel, im Rausch) unsicher bewegen, hin und her wanken’, mnd. mnl. tūmelen, nl. tuimelen ist eine Iterativbildung zu dem untergegangenen Verb ahd. tūmōn ‘kreisen, drehen, (sich) winden’ (10. Jh.), mhd. tūmen. Es gehört als Bildung mit m-Formans zu der unter ↗Duft, ↗Dunst (s. d.) aufgeführten Wurzel ie. *dheu-, *dheu̯ə- ‘stieben, wirbeln’, besonders von Staub, Rauch, Dampf, auch ‘in heftiger, wallender Bewegung sein’; s. auch ↗tummeln. Taumel m. ‘Gefühl des Schwankens, Schwindel(gefühl), rauschhafter Gemütszustand, innere Erregung, Überschwang’ (17. Jh.), Rückbildung von taumeln. taum(e)lig Adj. ‘schwindlig, schwankend, benommen’ (17. Jh.), früher taumelicht.

Thesaurus

Synonymgruppe
(im) Zustand der Euphorie · ↗Ekstase · ↗Rausch · Taumel · ↗Trance · ↗Verzückung · ↗Wahn · Zustand absoluter Verzückung · Zustand der Trance
Oberbegriffe
Assoziationen
Medizin
Synonymgruppe
Schwindel · Taumel · Vertigo  ●  ↗Drehwurm  ugs. · ↗Karussell  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Begeisterung Erinnern Euphorie Glückseligkeit Rache Rausch Tanz bacchantisch chauvinistisch dionysisch ekstatisch erfassen ergreifen erotisch erwachen hingeben hysterisch kollektiv mitreißen national nationalistisch orgiastisch patriotisch rauschhaft selig süß verfallen versetzen versinken wild

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Taumel‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es würde ein nationalistischer Taumel losgehen mit dem Ergebnis, dass natürlich die ehemals deutschen Gebiete Polens gefordert werden würden.
Die Welt, 18.07.2001
Sie sang den Taumel der Nächte, die Qual des Erwachens.
Süddeutsche Zeitung, 04.10.2000
Keiner wußte in dem Taumel eine wirkliche Hilfe, einen wirklichen Rat.
Reger, Erik [d.i. Dannenberger, Hermann]: Union der festen Hand, Kronberg/Ts.: Scriptor 1976 [1931], S. 324
Noch ist man im Taumel über die Vernichtung Polens und kennt die Verluste nicht.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1939. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1939], S. 160
Taumel und Freude über die großen Siege, die das Jahr gebracht hatte, erfüllten alle Herzen.
Bismarck, Hedwig von: Erinnerungen aus dem Leben einer 95jährigen. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 7176
Zitationshilfe
„Taumel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Taumel>, abgerufen am 21.08.2019.

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