Tagedieb, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungTa-ge-dieb (computergeneriert)
WortzerlegungTag1Dieb
eWDG, 1976

Bedeutung

veraltet, abwertend Müßiggänger, Nichtstuer
Beispiel:
ein fauler, unnützer Tagedieb
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Tag · tagen · Tagung · vertagen · betagt · täglich · tagtäglich · tags · Tagebau · Tageblatt · Tagebuch · Tagedieb · Tagegeld · Tagelohn · Tagelöhner · Tagewerk · Tagesordnung · Tageszeit
Tag m. ‘Zeit zwischen Morgen- und Abenddämmerung, Zeitraum von 24 Stunden (von Mitternacht bis Mitternacht)’, ahd. tag (8. Jh.), mhd. tac, tag (Genitiv tages) ‘Tag, Tageszeit, Zeit, Gerichtstag, Gericht, Jüngstes Gericht, Frist, Termin, Aufschub, Waffenstillstand, höheres Alter, Mannbarkeit, Volljährigkeit, Lebensalter, Leben’, asächs. nl. dag, mnd. mnl. dach, aengl. dæg, engl. day, anord. dagr, schwed. dag, got. dags, dazu ablautend aengl. dōgor ‘Tag’, anord. dœgr ‘Halbtag von 12 Stunden’, got. fidurdōgs ‘viertägig’. Die Herkunft des Substantivs germ. *daga- ist nicht gesichert. Wahrscheinlich ist anzuschließen an aind. áhar-, áhan-, áhas- ‘Tag’, dessen unterschiedliche Stammbildungen auch im Germ. auftreten, vgl. den r-Stamm anord. dœgr, den n-Stamm anord. dœgn und den s-Stamm in got.-griech. (Eigenname) Dagis-theos (Δαγισ-θεος, got. *Dagis-þius). Sie führen auf ie. *ā̌g̑her-, *ā̌g̑hen-, *ā̌g̑hes- ‘Tag’. Anlautender Dental im Germ. könnte durch Einfluß eines germ. *ðā̌gwaz (ie. *dhō̌gu̯ho-) ‘warme Tageszeit’ entstanden sein, das sich mit lit. dãgas ‘(Sommer)hitze’ vergleichen und zu einer Wurzel ie. *dhegu̯h- ‘brennen’ stellen läßt, wozu auch aind. dáhati ‘brennt, verbrennt’, dāhaḥ ‘Brennen, Hitze’, ni-dāgháḥ ‘Hitze, Sommer’, lat. fovēre ‘wärmen, warm halten, hegen und pflegen’, favilla (aus *dhog‐ͧhlolā) ‘(glühende) Asche, Flugasche’, mir. daig ‘Feuer, Schmerz’, lit. dègti ‘brennen, anzünden’. An den früher (seit mhd. Zeit) in der Rechtssprache üblichen Gebrauch von Tag in der Bedeutung ‘festgesetzter Tag, Termin, Versammlung, Verhandlung’ erinnern Zusammensetzungen wie ↗Landtag, ↗Reichstag (s. d.), ferner Gerichts-, Ratstag sowie tagen, vertagen (s. unten). Vgl. die Fügung Tag und Nacht ‘immer, ununterbrochen, beständig’, ahd. tages inti nahtes (8. Jh.), mhd. naht unde tac. tagen Vb. ‘Tag werden, an einem bestimmten Tag zur Beratung zusammentreten, auf einer Tagung verhandeln’, ahd. tagēn ‘Tag werden’ (10. Jh.), mhd. tagen, tegen ‘Tag werden, leuchten (wenn es Tag wird), sich zeigen, die Tage hinbringen, verbleiben, auf einen bestimmten Tag anberaumen’, spätmhd. frühnhd. ‘Gericht halten, vor Gericht bringen, verteidigen, verhandeln, vorladen’. Die Verwendung im Sinne von ‘eine Beratung, Sitzung (in Rechtssachen) abhalten’ kommt im 14. Jh. in der westobd. Rechtssprache auf, hält sich in der Schweiz, wird von Schiller („Tell“, 1804) übernommen und gelangt in die Literatursprache. Dazu Tagung f. ‘das Tagwerden, Dämmern’ (heute veraltet), ‘Versammlung, Sitzung, Verhandlung, Beratung’ (15. Jh.). vertagen Vb. ‘verschieben, aufschieben’, mhd. vertagen ‘einen Gerichtstag ansetzen, zu einer Verhandlung vorladen, versäumen, aufschieben, verschieben’, intransitiv ‘Jahr und Tag bleiben, wohnen’, reflexiv ‘ablaufen (von der Zeit)’. betagt Part.adj. ‘alt, hoch an Jahren’, mhd. betaget ‘ein gewisses Alter habend’, Part. Prät. von mhd. betagen reflexiv ‘alt werden’. täglich Adj. ‘jeden Tag sich wiederholend, vor sich gehend, an jedem Tag’, ahd. tagalīh (8. Jh.), mhd. tagelich, tegelich; dazu verstärkendes tagtäglich Adj. ‘jeden Tag, immer wiederkehrend’, mhd. tactaglich Adv. tags Adv. ‘am Tage’, ahd. (8. Jh.), mhd. tages, adverbiell erstarrter Genitiv Sing. Tagebau m. ‘Bergbau an der Erdoberfläche’ (19. Jh.) Tageblatt n. ‘Tageszeitung’, eigentlich ‘täglich erscheinendes Blatt’ (Anfang 19. Jh.), für gleichbed. ↗Journal (s. d.) Tagebuch n. ‘Buch für tägliche Eintragungen persönlicher Erlebnisse, Gedanken, dienstlicher Vorkommnisse’, von Kepler (1613) als Übersetzung von spätlat. diurnum (commentāriolum) ‘Tagebuch, Journal’ (das ein Sklave über die häuslichen Angelegenheiten führt) geprägt; vgl. mlat. diurnale, jurnale, jornale ‘Tagewerk, Rechnungs-, Tagebuch’ (s. ↗Journal); anfangs vor allem in kaufmännischem Sinne ‘Buch, worin die laufenden Geschäfte der Zeit nach geordnet eingetragen werden’. Tagedieb m. ‘Faulenzer, wer die Zeit unnütz verbringt’, eigentlich ‘wer die Zeit stiehlt’ (Ende 17. Jh.), vgl. mnd. dachdēf. Tagegeld n. meist Plur. Tagegelder ‘Vergütung für die Arbeit, die Unkosten eines Tages’, zuerst (Ende 18. Jh.) von Wieland für Diäten. Tagelohn m. (besonders in der Landwirtschaft) ‘nach Arbeitstagen berechneter und meist auch täglich ausgezahlter Lohn’, ahd. tagalōn (9. Jh.), mhd. tag(e)lōn; dazu Tagelöhner m. ‘(Land)arbeiter im Tagelohn’ (15. Jh.). Tagewerk n. ‘die Arbeit eines Tages, Arbeit, Aufgabe’, ahd. tagawerc (11. Jh.), mhd. tagewerc ‘Arbeit um einen Tagelohn, Fronarbeit von einem Tage’, auch ein Flächenmaß; vgl. asächs. dagwerk, mnd. dachwerk, dāgewerk, aengl. dægweork. Tagesordnung f. ‘Reihenfolge der Themen, die bei einer Sitzung, Versammlung behandelt werden sollen’ (Ende 18. Jh.), nach frz. ordre du jour, das selbst als parlamentarischer Ausdruck nach engl. order of the day gebildet ist. Tageszeit f. ‘eine bestimmte Zeit am Tage’ (18. Jh.); vgl. ahd. tagozīt ‘Tageszeit, Stunde’ (9. Jh.), mhd. tag(e)zīt ‘Zeitdauer eines Tages, Tageszeit, bestimmter Tag, Termin’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Strolch · Tagedieb  ●  ↗Nichtsnutz  veraltend · ↗Taugenichts  veraltet · ↗Tunichtgut  veraltet · ↗Hallodri  ugs., bair., österr.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Drückeberger · ↗Faulenzer · ↗Müßiggänger · ↗Nichtstuer · Tagedieb  ●  Bukligger  fachspr., Jargon, seemännisch · ↗Bummelant  ugs. · ↗Bummler  ugs. · ↗Faultier  ugs., fig. · ↗Gammler  ugs. · ↗Schlaffi  ugs. · ↗Tachinierer  ugs., österr., bair.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Strolch · Tagedieb  ●  ↗Nichtsnutz  veraltend · ↗Taugenichts  veraltet · ↗Tunichtgut  veraltet · ↗Hallodri  ugs., bair., österr.
  • (sich) davonschleichen · ↗(sich) davonstehlen · ↗(sich) fortstehlen · ↗(sich) verdrücken · ↗entschwinden (lit.)  ●  (sich) in die Büsche schlagen  fig. · ↗(sich) verflüchtigen  scherzhaft · (sich) von der Truppe entfernen  fig. · ↗(sich) abseilen  ugs., fig. · ↗(sich) dünne machen  ugs. · ↗(sich) dünnemachen  ugs. · ↗(sich) verdünnisieren  ugs., scherzhaft · ↗(sich) verpissen  derb
  • Berber · Clochard · Herumstreicher · ↗Landfahrer · Nichtsesshafter · ↗Streuner · ↗Strolch · ↗Stromer · ↗Trebegänger  ●  Fecker  schweiz. · ↗Herumtreiber  abwertend · ↗Landstreicher  abwertend · Obdachloser  Hauptform · ↗Stadtstreicher  abwertend · ↗Strotter  österr. · ↗Tramp  engl. · ↗Vagabund  veraltend · Wohnsitzloser  Amtsdeutsch · Wohnungsloser  Amtsdeutsch · Heckenpenner  derb, stark abwertend · ↗Pennbruder  derb · ↗Penner  derb, abwertend · ↗Rumtreiber  ugs. · ↗Sandler  ugs., österr., bair. · ↗Tippelbruder  ugs. · ↗Treber  ugs.
  • (seine) Pflichten vernachlässigen  ●  (sich) um nichts kümmern  Hauptform · die Dinge schleifen lassen  fig. · den lieben Gott einen guten Mann sein lassen  ugs., Redensart
  • Arbeitsscheu · ↗Drückebergerei · ↗Faulheit  ●  Verpissertum  derb
  • faul sein · ↗faulenzen · nichts tun  ●  (die) Arbeit nicht erfunden haben  ugs., Redensart · (einfach) dasitzen und Kaffee trinken  ugs., fig. · (sich) an den Füßen spielen  ugs., fig., Redensart · (sich) die Eier schaukeln  derb, fig., Redensart · Däumchen drehen  ugs., Redensart · abhartzen  ugs., salopp · abharzen  ugs., salopp · auf der faulen Haut liegen  ugs., Redensart · keinen Finger krumm machen  ugs., fig., Redensart · keinen Finger rühren  ugs., Redensart, fig. · keinen Handschlag tun  ugs., variabel, Redensart · keinen Schlag tun  ugs.
  • schlapp sein  ●  (sich) nicht aufraffen können  ugs. · (sich) zu nichts aufraffen können  ugs. · einen Durchhänger haben  ugs.
  • jemand mit der Einstellung "kommste heut nicht, kommste morgen"  ●  ↗Faulpelz  ugs., Hauptform · ↗Faultier  ugs., scherzhaft · fauler Hund  ugs. · fauler Sack  ugs., variabel
  • Blaumacher · ↗Drückeberger  ●  Laumalocher  ugs., ruhrdt. · ↗Leistungsverweigerer  fachspr., Jargon · Verpisser  derb
  • (sich) nicht aufraffen könnnen · (sich) zu nichts aufraffen können · in Lethargie verharren · in Untätigkeit verharren · nicht aktiv werden · nicht in die Gänge kommen  ●  (den) Arsch nicht hochkriegen  ugs., fig. · nicht aus dem Quark kommen  ugs., fig. · nicht in die Puschen kommen  ugs., fig.
  • Gammler · ↗Herumtreiber · ↗Rumtreiber · ↗Streuner

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich sehe aus wie ein reicher Tagedieb; man sieht mir nicht mehr an, wer ich bin.
Die Zeit, 01.12.1989, Nr. 49
In vielen Fällen waren sie Asyle der Tagediebe, und der Wirt hatte wenig Freude an seinen Gästen.
Bauer, Hans: Tisch und Tafel in alten Zeiten, Leipzig: Koehler & Amelang 1967, S. 157
Die Verbraucherschützer haben Sie schon "Tagediebe" genannt, weil sie juristisch gegen die umstrittenen Optionstickets vorgegangen sind.
Bild, 10.01.2006
Oder haben die nackten Hintern behaarter Tagediebe sie vom Flaucher vertrieben?
Süddeutsche Zeitung, 15.03.2004
Du stehst auf Seiten dieser Tagelöhner, dieser Tagediebe, dieser Strauchdiebe.
Wallraff, Günter: Ganz unten, Berlin: Aufbau-Verl.1986 [1985], S. 200
Zitationshilfe
„Tagedieb“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Tagedieb>, abgerufen am 23.05.2019.

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