Tadel, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Tadels · Nominativ Plural: Tadel
Aussprache
WorttrennungTa-del (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Tadel‹ als Erstglied: ↗Tadelsucht · ↗tadelfrei · ↗tadelhaft · ↗tadellos · ↗tadelsfrei
 ·  formal verwandt mit: ↗untadelig · ↗untadlig
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
ausdrückliches und missbilligendes Urteil wegen eines Fehlers, eines falschen Verhaltens, Rüge
Gegenwort zu Lob
Beispiele:
ein (un)berechtigter, (un)gerechter, empfindlicher, strenger, schwerer, harter, scharfer, milder, leiser Tadel
einen Tadel aussprechen, erhalten, bekommen
umgangssprachlich einen Tadel einstecken
jmdm. einen versteckten (= nicht direkt, nicht offen ausgesprochenen) Tadel erteilen
sie sah ihn mit stummem Tadel an
wegen seines Verhaltens hat er diesen Tadel verdient, hat er sich [Dativ] den Tadel der anderen zugezogen
sie ist gegen Tadel sehr empfindlich
ihn trifft kein Tadel (= er hat keine Schuld)
DDR, Jura ein öffentlicher Tadelgerichtliche Strafe, durch die jmd. wegen eines Vergehens öffentlich getadelt wird
Beispiel:
Der öffentliche Tadel wird ausgesprochen, wenn das Vergehen keine erheblichen schädlichen Auswirkungen hat oder wenn es zwar zu einem größeren Schaden führt, der Täter jedoch sonst ein verantwortungsbewußtes Verhalten zeigt und seine Schuld gering ist [Strafgesetzbuch DDR44]
2.
gehoben Mangel, Makel, Unvollkommenheit
Beispiele:
sein Lebenswandel war ohne Tadel
scherzhaft ein Ritter ohne, sonder Furcht und Tadel (= ein mutiger, unerschrockener Mann)
es war kein Fehl und Tadel an ihm [FalladaWolf2,115]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Tadel · tadeln · tadellos
Tadel m. ‘mißbilligende Äußerung, Rüge, Verweis, Vorwurf’, mhd. (besonders md.) tadel ‘Fehler, Makel, Gebrechen’. Sieht man in dem gut bezeugten mhd. Ausdruck eine aus dem Asächs. bzw. Mnd. stammende, dort allerdings nicht nachweisbare Form (vgl. aber aengl. tǣl f. ‘Tadel, Vorwurf, Verleumdung, Lästerung’), so kann als hd. Entsprechung das von der Lautverschiebung betroffene ahd. zadal ‘Mangel, Not’ (um 800), mhd. zadel, zādel ‘Mangel, Gebrechen’ herangezogen werden. Die Herkunft des Wortes ist jedoch mangels weiterer Anknüpfungsmöglichkeiten unbekannt. Der alte Wortsinn ‘Fehler, Gebrechen’ ist erhalten in der Wendung ohne Furcht und Tadel; im freien Gebrauch setzt sich jedoch im 17. Jh. die heute dominierende oben genannte Bedeutung durch, und zwar unter dem Einfluß von tadeln Vb. ‘einen Fehler feststellen, aussprechen, vorwerfen, rügen’ (16. Jh.), zuvor ‘Unrecht, Schmach zufügen’ (15. Jh.). tadellos Adj. ‘ohne Makel, fehlerfrei’ (17. Jh.), dann ‘was keinen Vorwurf verdient, einwandfrei’, umgangssprachlich auch ‘großartig, erstklassig’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Abkanzelung · ↗Belehrung · ↗Ermahnung · ↗Lehre · ↗Lektion · ↗Maßregelung · ↗Moralpredigt · ↗Rüffel · ↗Schelte · Tadel · ↗Verweis · ↗Zurechtweisung  ●  ↗Abmahnung  juristisch · Adhortation  veraltet · ↗Ordnungsruf  politisch · ↗Rüge  Hauptform · ↗Abreibung  ugs. · ↗Anpfiff  ugs. · ↗Anschiss  ugs., salopp · ↗Denkzettel  ugs. · ↗Donnerwetter  ugs. · ↗Einlauf  ugs., salopp, fig. · Opprobration  geh., veraltet, lat. · ↗Schimpfe  ugs. · ↗Standpauke  ugs. · ↗Strafpredigt  ugs. · ↗Zigarre  ugs., fig.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beifall Ermahnung Fehl Furcht Geldbuße Klassenbuch Lob Ritter Spott Verweis Zuspruch austeilen berechtigt davonkommen einhandeln einstecken eintragen ernten formell gebühren harsch herb leise mild sanft scharf streng verrichten verteilen zuziehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Tadel‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bei einem solchen Tadel lief es mir jedesmal eiskalt über den Rücken.
Strauß, Botho: Der junge Mann, München: Hanser 1984, S. 37
Neben dem Lob kann der Tadel für schlechtes Verhalten stehen.
Brumme, Gertrud-Marie: Muttersprache im Kindergarten, Berlin: Volk u. Wissen 1981 [1966], S. 173
Manche von ihnen mögen einen Tadel verdienen, einige sollten gewiß noch einmal genau überarbeitet werden.
Die Zeit, 26.02.1962, Nr. 09
Uns Kindern gegenüber war sie sparsam mit Lob wie mit Tadel.
Frisch, Karl von: Erinnerungen eines Biologen, Berlin: Springer 1957, S. 79
Aber auch die vorhandenen Funktionen sind nicht ohne Fehl und Tadel.
C't, 2000, Nr. 6
Zitationshilfe
„Tadel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Tadel>, abgerufen am 21.05.2019.

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