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Subjekt, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Subjekt(e)s · Nominativ Plural: Subjekte
Aussprache
WorttrennungSub-jekt (computergeneriert)
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›Subjekt‹ als Erstglied: ↗Subjektsatz · ↗Subjektwerdung · ↗subjektlos · ↗subjektorientiert
 ·  mit ›Subjekt‹ als Letztglied: ↗Erkenntnissubjekt · ↗Föderationssubjekt · ↗Handlungssubjekt · ↗Kontrasubjekt · ↗Rechtssubjekt · ↗Völkerrechtssubjekt · ↗Wirtschaftssubjekt
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
Philosophie über ein Bewusstsein und Denkvermögen verfügendes, erkennendes und handelndes Wesen
Beispiele:
das Subjekt verändert die Welt, sich selbst
die dialektische Einheit von Subjekt und Objekt
den geschichtlichen Lebensprozess, historische Vorgänge tätig bestimmende, beeinflussende (Gruppe von) Menschen
Beispiele:
Subjekt der Politik im Sozialismus sind die Werktätigen unter der Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei [Urania1970]
sie [revolutionäre Intellektuelle] waren von Objekten der Geschichte zu Subjekten der Geschichte geworden [BecherinTradition57]
Jura Träger von Pflichten und Rechten
2.
abwertend Mensch mit moralisch negativen Eigenschaften
Beispiele:
ein verdächtiges, zweifelhaftes, verkommenes, übles Subjekt
gekaufte, bezahlte Subjekte
Gestern wollte sie den Tochtermann noch erwürgen, da hieß es »Subjekt«, »Scheusal«, »Liederjan« [BredelVäter28]
3.
Sprachwissenschaft Satzglied, das den Träger der Handlung, des Vorganges oder des Zustandes bezeichnet, Satzgegenstand
Beispiel:
ein Substantiv, Pronomen, Gliedsatz als Subjekt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Subjekt · subjektiv · Subjektivismus · subjektivistisch · Subjektivität
Subjekt n. ‘das Zugrundegelegte, Untergeordnete, Abhängige, Substanz, (Roh)stoff’ (1. Hälfte 16. Jh.), ‘Gegenstand der Erkenntnis, zugrundeliegender Begriff in einem Urteil’ (Ende 16. Jh.), in Kunst und Literatur ‘Gegenstand, Thema, Motiv’ (s. auch ↗Sujet), in der Grammatik ‘Träger der Aussage, Satzgegenstand’ (Mitte 18. Jh.), in der Kanzleisprache ‘Person in abhängiger, untergeordneter Position’ (17. Jh.; später ‘anrüchige Person’, 19. Jh.), in der Philosophie (Kant) ‘mit Bewußtsein begabtes, erkennendes, handelndes Wesen, Ich, Individuum’ (18. Jh.), entlehnt aus spätlat. subiectum ‘das Daruntergelegte, Substanz, ursprünglich Gegebenes, grammatischer Satzgegenstand’, mlat. ‘Begriff, Gegenstand’, Substantivierung des neutralen Part. Perf. von lat. subicere ‘unter oder an etw. werfen, legen, setzen, stellen, fügen, unterlegen, unterbreiten, unterwerfen’, zu lat. iacere ‘werfen’. Die Anwendung des Ausdrucks auf Personen ist vorgeprägt in lat. subiectī m. (Plur.) ‘die Unterworfenen, die Untertanen’ (mlat. auch der Sing. subiectus), doch zeigt das Dt. auch in diesem Falle das sonst übliche neutrale Genus. subjektiv Adj. ‘das Subjekt betreffend, von ihm abhängig, ausgehend, auf das Subjekt bezogen, persönlich, individuell bedingt’ (18. Jh.), danach auch ‘einseitig, willkürlich, abwertend’, vgl. lat. subiectīvus ‘hinzugefügt, nachgesetzt, zum Subjekt gehörig’. Subjektivismus m. philosophische Richtung, Denk- und Verhaltensweise, die das Subjektive überbewertet und das Objektive vernachlässigt, allgemein ‘Ichbezogenheit’ (1. Hälfte 19. Jh.), gelehrte Bildung zu subjektiv. subjektivistisch Adj. ‘den Subjektivismus betreffend, ichbezogen’ (2. Hälfte 19. Jh.). Subjektivität f. ‘Individualität, (nur) vom Subjekt bestimmte Verhaltens- und Handlungsweise, nur persönliche Auffassung, Unsachlichkeit durch Nichtbeachtung des Objektive’ (Ende 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Charakter · ↗Einzelwesen · ↗Persönlichkeit · Subjekt  ●  ↗Individuum  Hauptform · ↗Mensch  Hauptform · ↗Person  Hauptform · ↗Typ  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Satzgegenstand · Subjekt
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Element · Subjekt

Typische Verbindungen
computergeneriert

Begierde Föderation Objekt Prädikat Subjekt Tücke Verschwinden Völkerrecht autonom beobachtend betrachtend bürgerlich denkend empfindend erkennend erlebend gleichberechtigt grammatisch handelnd handlungsfähig lyrisch revolutionär schreibend sprechend transzendental verdächtig verknotet verkommen völkerrechtlich wahrnehmend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Subjekt‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn ich mich heute melde, spreche ich aus der Position eines Subjekts, das entführt wurde.
Der Tagesspiegel, 02.03.2000
Auch scheint mir der Begriff "Arbeiterklasse" wenig geeignet zu sein für die Bestimmung des revolutionären Subjekts.
Kursbuch, 1977, Bd. 48
Die archaische Zeit führte die griechische Geschichte nicht nur ein; sie schuf im griechischen Volk erst das Subjekt, das überhaupt Geschichte haben konnte.
Heuß, Alfred: Hellas. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 28571
Es fällt schwer, in diesem Mann nur ein käufliches Subjekt zu vermuten.
Die Zeit, 20.04.1962, Nr. 16
Sollte das Subjekt oder meinetwegen das Objekt etwa die bloße Form sein?
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 5498
Zitationshilfe
„Subjekt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Subjekt>, abgerufen am 24.03.2019.

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