Stumpfsinn

GrammatikSubstantiv
WorttrennungStumpf-sinn
WortzerlegungstumpfSinn
Wortbildung mit ›Stumpfsinn‹ als Erstglied: ↗stumpfsinnig
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
Haltung, Einstellung, die durch geistige und gefühlsmäßige Interesselosigkeit, Teilnahmslosigkeit, Gleichgültigkeit gekennzeichnet ist
Beispiele:
sein Stumpfsinn ließ ihn stundenlang tatenlos auf einem Fleck sitzen
Manche verfielen dem Stumpfsinn; sie hörten auf, von irgend etwas Notiz zu nehmen [R. WernerBenario390]
2.
langweiliges, eintöniges, Geist und Gefühl ertötendes Tun
Beispiele:
diese Tätigkeit ist der reinste Stumpfsinn
er besorgte sich etwas zu lesen, um den Stumpfsinn des langen Wartens überwinden zu können
3.
Unsinn, Dummheit
Beispiel:
er redet immer wieder denselben Stumpfsinn zusammen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stumpf · stumpfen · abstumpfen · Stumpfheit · stumpfsinnig · Stumpfsinn
stumpf Adj. ‘ohne Spitze, nicht scharf’, ahd. stumph (Hs. 12. Jh.), mhd. stumpf, (md.) stump ‘verstümmelt, gestutzt, unvollkommen, übel’, mnd. stump, mnl. nl. stomp. Das nur im Dt. und Nl. heimische Adjektiv stellt sich mit ↗Stumpf, ↗Stümper und (ablautend) ↗Stempel (s. d.) sowie lit. stùmbas ‘Strunk, Stamm’, stimburỹs ‘Schwanzstumpf, Stummel’ zu der unter ↗stampfen (s. d.) angegebenen Variante ie. *stemb- der unter ↗Stab (s. d.) genannten Wurzel. Die älteste Bedeutung ist ‘verstümmelt, verkürzt’. In der Mathematik stumpfer Winkel (um 1400), d. h. ‘nicht spitzer, sondern breiter, weiter Winkel’ (wohl Übersetzung von lat. angulus obtūsus). stumpfen Vb. ‘stutzen, beschneiden, stumpf machen’, mhd. stumpfen. abstumpfen Vb. ‘stutzen, stumpf machen bzw. werden’ (16. Jh.), übertragen ‘abschwächen, unempfindlich, gefühllos machen bzw. werden’ (Ende 18. Jh.). Stumpfheit f. ‘Zustand des Stumpfseins’, spätmhd. stump-, stumpfheit; überwiegend übertragen (seit Ende 18. Jh.) auf die körperliche und geistige menschliche Haltung der ‘Unempfindlichkeit, Trägheit, mangelnden Reaktionsfähigkeit’. stumpfsinnig Adj. ‘geistesschwach, dumm’ (15. Jh.; vgl. mhd. stumpfer sin), ‘geistig uninteressiert und träge, gefühllos’ (18. Jh.); daraus rückgebildet Stumpfsinn m. ‘Geistesschwäche’ (Ende 18. Jh.), dann besonders ‘geistige Trägheit, Teilnahmslosigkeit’, auch ‘Langweiligkeit, Monotonie’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Einerlei · ↗Eintönigkeit · ↗Gleichförmigkeit · ↗Monotonie · Stumpfsinn · ↗Ununterscheidbarkeit · ↗Öde · ↗Ödnis  ●  ↗Ennui  geh. · ↗Langeweile  ugs. · ↗Langweile  ugs.
Assoziationen
Psychologie
Synonymgruppe
Insania · ↗Irrsinn · ↗Narrheit · Stumpfsinn · ↗Tollheit · ↗Torheit · ↗Verdrehtheit · ↗Verrücktheit · ↗Wahnsinn · ↗Wahnwitz  ●  ↗Fadaise  geh., franz. · Hirnrissigkeit  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Gleichgültigkeit Langeweile Mischung alltäglich täglich versinken vollendet

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Stumpfsinn‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Letztlich werden auch sie den Sohn vor rassistischem Stumpfsinn nicht bewahren können.
Die Zeit, 16.12.1999, Nr. 51
Auf dem platten Land lacht man allerorten über den gleichen Stumpfsinn.
konkret, 1996
Wenn man nicht selbst die Initiative ergriff, verfiel man hier dem blanken Stumpfsinn.
Nadolny, Sten: Selim oder Die Gabe der Rede, München: Piper 1997 [1990], S. 84
Wie kann man es wagen, die tiefgreifenden Analysen Joseph Galls auf solch einen Stumpfsinn zu reduzieren?
Beyer, Marcel: Flughunde, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1995 [1995], S. 129
War nicht Alles ein großer Brei von Stumpfsinn und Alkohol?
Schaeffer, Albrecht: Helianth I, Bonn: Weidle 1995 [1920], S. 262
Zitationshilfe
„Stumpfsinn“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Stumpfsinn>, abgerufen am 18.10.2019.

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