Strich, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Strich(e)s · Nominativ Plural: Striche
Aussprache
Wortbildung mit ›Strich‹ als Erstglied: ↗Strich-Code · ↗Strich-Kode · ↗Strichcode · ↗Strichführung · ↗Strichjunge · ↗Strichkode · ↗Strichlein · ↗Strichmädchen · ↗Strichmännchen · ↗Strichpunkt · ↗Strichregen · ↗Strichvogel · ↗Strichzeichnung · ↗strichweise
 ·  mit ›Strich‹ als Letztglied: ↗Aalstrich · ↗Anführungsstrich · ↗Babystrich · ↗Beistrich · ↗Bindestrich · ↗Bogenstrich · ↗Bruchstrich · ↗Eichstrich · ↗Federstrich · ↗Feilstrich · ↗Gedankenstrich · ↗Geigenstrich · ↗Haarstrich · ↗Himmelsstrich · ↗Kreidestrich · ↗Küstenstrich · ↗Landstrich · ↗Lidstrich · ↗Pinselstrich · ↗Querstrich · ↗Schluss-Strich · ↗Schlussstrich · ↗Schnepfenstrich · ↗Schrägstrich · ↗Spiegelstrich · ↗Straßenstrich · ↗Taktstrich · ↗Teilstrich · ↗Trennstrich · ↗Trennungsstrich · ↗Unterstrich · ↗Waldstrich · ↗Wüstenstrich · ↗Zielstrich
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
in der Regel gerade verlaufende, kürzere Linie
a)
die mit dem Stift, der Feder gezogen wird
Beispiele:
ein gerader, kurzer, dünner, sauberer Strich
ein Strich mit dem Bleistift, mit der Schreibfeder
Striche mit dem Lineal ziehen
einen Strich am Rand der Seite wegradieren
er machte einen Strich durch die Zahlen (= strich sie aus)
etw. mit roten, grünen Strichen unterstreichen
eine Vorlage Strich für Strich (= in allen Einzelheiten) abzeichnen, nachzeichnen
sein Mund ist wie ein schmaler Strich (= ist sehr schmal)
bildlich
Beispiele:
die schwarzen Striche der Telefondrähte
umgangssprachlich er ist bloß noch ein Strich (= er ist sehr dünn, mager)
er umriss seine Vorstellungen in wenigen, knappen Strichen (= stellte sie mit knappen Worten dar)
sie presste die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen
übertragen
Beispiele:
umgangssprachlich er hat noch keinen Strich gemacht (= noch nichts gearbeitet)
umgangssprachlich einen Strich durch jmds. Absichten, Pläne machen (= sie durchkreuzen)
umgangssprachlich jmdm. einen Strich durch die Rechnung machen (= jmds. Vorhaben vereiteln)
umgangssprachlich einen Strich unter die Vergangenheit ziehen (= sie vergessen, nicht mehr erwähnen)
umgangssprachlich Strich darunter! (= erledigt!)
salopp einen dicken Strich unter etw. machen (= etw. nachdrücklich als erledigt betrachten)
b)
Trennungslinie zwischen den einzelnen Abschnitten eines Buches, einer Zeitung
Beispiele:
nach jedem Kapitel der Novelle war ein Strich
die Fortsetzungen des Romans bringt die Zeitung unter dem Strich (= im Unterhaltungsteil)
umgangssprachlich, übertragen
Beispiele:
das ist unter dem Strich (= schlecht)
Die Gasleitung vieler kleiner Gaswerke ... ist so klein, daß sie hinsichtlich der Arbeitsproduktivität unter dem Strich stehen (= dass sie wenig leistungsfähig sind) [Urania1964]
c)
die eine Streichung bezeichnet, Abstrich
Beispiele:
geringfügige, notwendige Striche im Text
Striche (= Abzüge) im Haushaltsplan
Nach ein paar ... Änderungen und Strichen [in einem Film] [BaumKristall217]
d)
nur im Singular
gedachte Linie, die Kimme und Korn einer Handfeuerwaffe beim genauen Zielen bilden
Beispiel:
Strich (= genau) schießen
e)
salopp
Beispiel:
jmdn. auf dem Strich haben (= jmdn. nicht ausstehen können)
2.
Zeichen in Form von 2 a
a)
das im Morsealphabet verwendet wird
Beispiel:
das O besteht aus drei Strichen
b)
das als Gradeinteilung dient
Beispiele:
die Striche einer Waage, eines Messgerätes
Militär die 6 000 Striche der Zieleinrichtung bei der Artillerie
Seemannssprache die 32 Striche des Kompasses
3.
das Streichen
a)
mit der Hand, Bürste
Beispiele:
ein leichter Strich über die Wange
das Kind beruhigte sich unter dem sanften Strich ihrer Hand
den Körper mit kräftigen Strichen bürsten
er kämmte sein Haar mit gleichmäßigen Strichen
eine Kuh mit langsamen, festen Strichen melken
b)
mit dem Pinsel, Zeichenstift
Beispiele:
der sichere Strich des Malers
eine Skizze mit raschen Strichen zeichnen
[des Künstlers] Strich ist sehr hart und markant [Bild. Kunst1958]
c)
mit dem Geigenbogen
Beispiel:
der weiche, klangvolle Strich des Geigers
4.
Streifen einer Landschaft
Beispiele:
ein trockener, warmer, sumpfiger, bebauter, dichtbesiedelter Strich
ein Strich Weideland, fruchtbaren Landes
ein Strich (= kleiner Bestand) Tannen
dieser Strich war von dem Unwetter schwer betroffen
Ob einer ... in den sandigen Strichen Kartoffeln und Kirschen zog [A. ZweigBeil435]
5.
nur im Singular
Richtung, in der die Haare von Menschen und Tieren, die Oberhaare bestimmter Gewebe liegen
Beispiele:
Samt gegen den Strich, mit dem Strich bürsten
jmdn. gegen den Strich, mit dem Strich rasieren
ein Fell, eine Katze gegen, wider den Strich streicheln
übertragen
Beispiel:
salopp das geht mir gegen den Strich (= passt mir nicht, ist mir zuwider)
nach Strich und Fadengründlich
Beispiele:
jmdn. nach Strich und Faden ausfragen
daß der seine Frau nach Strich und Faden betrogen (= gehörig betrogen) habe [M. WalserEhen312]
6.
Jägersprache das Umherstreichen der Vögel (in geringer Höhe)
Beispiele:
der Strich der Schnepfen in der Balzzeit
der Strich der Stare über den Feldern
7.
salopp, abwertend
Beispiel:
auf den Strich gehen (= als Prostituierte auf der Straße Männerbekanntschaften suchen)
8.
Landwirtschaft Zitze der Kuh, Sau
Beispiele:
eine Kuh mit gleichmäßig verteilten Strichen
Die Braune [eine Kuh] melkt nur auf drei Strichen [StrittmatterOchsenkutscher31]
9.
Geologie Farbe eines fein zerteilten oder pulverisierten Minerals, die als Unterscheidungsmerkmal vieler Mineralien dient
Beispiel:
Eisenglanz hat einen roten Strich
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Strich · Landstrich · stricheln · Strichpunkt
Strich m. ‘das Streichen, Linie’, ahd. strih (10. Jh.), mhd. strich ‘Linie, Richtung, Weg, Landstrich, das Streichen, Schlag’, mnd. mnl. strēke, nl. streek, aengl. strica, engl. streak, got. striks sowie (mit anderer Stammbildung) anord. strik n. ‘gestreiftes Zeug, Haube’, schwed. streck ‘Strich, Richtung, Streich’, ablautende Abstraktbildung zu dem unter ↗streichen (s. d.) behandelten Verb. Bezeichnet wird damit der Vorgang des Streichens (im Sinne von ‘gehen’), auch ‘Vogelflug’ sowie ‘Weg, Richtung, Erstreckung, Gebiet’, (im Sinne von ‘streifend berühren’) ‘das Hinwegstreichen über eine Oberfläche’ und die ‘gezogene, gestrichene Linie’ (beim Schreiben und Zeichnen; in der frühen Geometrie Übersetzung von lat. līnea). Vgl. einen Strich durch die Rechnung machen ‘jmds. Pläne zunichte machen’, einen Strich darunter machen ‘etw. abschließen, als beendet betrachten’ (18. Jh.); jmdn. auf dem Strich haben ‘jmdm. nicht gewogen sein’ (19. Jh., vgl. Strich ‘Visierlinie des Gewehrs’?, ‘Zielstrich’ bei Zielfernrohren?); wider, gegen den Strich gehen ‘zuwider sein, mißfallen’ (18. Jh., vgl. Strich ‘natürliche Richtung und Lage’ von Haaren, Fäden, Fasern oder dgl.). Landstrich m. ‘Gebiet’ (17. Jh.). stricheln Vb. ‘mit kleinen Strichen versehen’, zuerst gestrichelt Part. Prät. (17. Jh.). Strichpunkt m. ‘Semikolon’ (18. Jh.); s. ↗semi-.

Thesaurus

Synonymgruppe
Maser · ↗Maserung · ↗Streifen · Strich
Synonymgruppe
Gerade · ↗Linie · ↗Strecke · Strich
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Anordnung in einer Linie · Ausrichten
  • gestrichelt  ●  strichliert  österr.
Synonymgruppe
Straßenstrich · Strich  ●  ↗(auf) Anschaffe  ugs.
Oberbegriffe
  • käufliche Liebe  ●  ↗Hurerei  abwertend · ↗Prostitution  Hauptform · ↗Gewerbe  ugs. · horizontales Gewerbe  ugs. · ältestes Gewerbe der Welt  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Faden Rechnung Strich ausweisen betrügen bürsten dick dünn entlasten fein gerad grob herauskommen kräftig malen rot schmal schräg schwarz senkrecht skizzieren sparsam verbleiben verbuchen verdienen waagerecht weiß zart zeichnen übrigbleiben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Strich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Unterm Strich lag das Defizit bei minus 272 Millionen Euro nach minus 97 Millionen im Jahr zuvor.
Die Zeit, 16.03.2012 (online)
Bist du denn jeden Tag vom Heim aus auf den Strich gegangen?
Der Spiegel, 30.10.1989
Aber auf den Strich für die einheimischen Männer will sie nicht, das bringt pro Kunden nur umgerechnet fünf Mark.
konkret, 1981
Oftmals aber geht das den jungen Männern gegen den Strich.
Dänhardt, Reimar: Fein oder nicht fein, Berlin: Deutscher Militärverl. 1972 [1968], S. 214
Da es nun 15 Fragen sind, so könnte der, der sie alle zu beantworten weiß, sich 30 Striche machen.
Benjamin, Walter: Ein verrückter Tag. In: Tiedemann, Rolf (Hg.), Aufklärung für Kinder, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1985 [1932], S. 189
Zitationshilfe
„Strich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Strich>, abgerufen am 19.05.2019.

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