Stabreim, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungStab-reim
WortzerlegungStab1Reim
eWDG, 1976

Bedeutung

Literaturwissenschaft Gleichheit des Anlauts mehrerer betonter Silben, oft über mehrere Verszeilen verteilt, Alliteration
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Stab · Stabreim · staben
Stab m. ‘dünne Stange, runder, glatter Stock’, ahd. stab (8. Jh.), mhd. stap (md. auch staf) ‘Stab, Stock, Stütze’, auch ‘Pilger-, Hirten-, Bischofsstab, Kreuz, Maßstab’, asächs. mnd. mnl. nl. staf, afries. stef, aengl. stæf, auch ‘Buchstabe’, engl. staff ‘Stab, Stecken, Stock, Knüppel, Stütze’, anord. stafr ‘Stab, Stock, Pfeiler, Formular, Buchstabe, Rune’, schwed. stav ‘Stab, Stock’ (germ. *staba-), daneben anord. stafir, got. stabim, Dativ Plur. zu *stafs ‘Buchstabe’ (germ. *stabi-), sowie ahd. stabēn ‘starr, steif sein bzw. werden’, gistabēn ‘erstarren’ (9. Jh.) vergleichen sich mit aind. stabhnā́ti ‘befestigt, stützt’, (Nasal aufweisendem) stambha- ‘Pfosten, Pfeiler, Säule’ und setzen eine auf bh endende Form der in verschiedenen Varianten auftretenden Wurzel ie. *stē̌b(h)-, *stəb(h)-, *step-, nasaliert *stemb(h)-, *stemp- ‘Pfosten, Pfeiler, Stamm, Baumstamm’ sowie ‘stützen, versteifen, festhalten, anhalten, (auf)stampfen, treten, beschimpfen, staunen’ voraus, während lit. stem̃bti ‘widerstreben, Widerstand leisten’, stãbas, lett. stabs ‘Pfeiler, Säule’ auf eine Wurzelsilbe mit auslautendem b oder bh zurückgehen können. Ob die genannten Ansätze als Erweiterungen der Wurzel ie. *stā-, *stə- ‘stehen, stellen’ anzusehen sind, bleibt zweifelhaft. Als zugehörig gelten ↗Staffel, ↗stampfen, ↗Stapel, ↗Stapfe, ↗Stempel, ↗Stufe, ↗Stummel, ↗stumpf, ↗Stumpen (s. d.). Stab als Kennzeichen der Macht und Befehlsgewalt (vgl. Bischofsstab, Marschallstab) wird im militärischen Bereich im 17. Jh. auf die ‘Gesamtheit der höheren Offiziere eines Heeres’ und von da auch auf einen ‘Kreis von verantwortlichen Mitarbeitern’ übertragen. Formelhaftes über jmdn. den Stab brechen ‘ein hartes Urteil fällen’ (18. Jh.) entstammt der mittelalterlichen Gerichtsbarkeit, wo bei Todesurteilen der Stab des Richters über dem Haupt des Verurteilten zerbrochen wird. Die alte Bedeutung ‘Rune, Buchstabe’ geht vom senkrechten Hauptstrich (Stab) des Runen- oder Schriftzeichens aus (s. ↗Buchstabe). Stabreim m. ‘gleicher Anlaut mehrerer Wörter oder betonter Silben, Alliteration’ (Mitte 19. Jh., entsprechend dän. stavrim), nach der Verslehre des Isländers Snorri Sturluson (um 1220), in der anord. stafr ‘Buchstabe, Laut’ auch den sich wiederholenden, den alliterierenden Anlaut bezeichnet. Dazu staben Vb. ‘Stabreim aufweisen’ (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Alliteration · Stabreim

Typische Verbindungen
computergeneriert

Assonanz

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Stabreim‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Trotz des altdeutschen Stabreims verkauft man aber "die schönsten Outfits".
Süddeutsche Zeitung, 17.09.1999
Der Stabreim weist auf das hohe Alter dieser symbolischen Handlung hin.
Röhrich, Lutz: Wind. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 6822
Nicht nur des Stabreims wegen muß man natürlich unbedingt auch den Wein nennen.
Die Zeit, 26.12.1980, Nr. 53
Küche, Kinder, Kirche, verächtlich zitiert sie nebenbei den teutonischen Stabreim.
Walser, Martin: Halbzeit, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1997 [1960], S. 443
Der Stabreim breitet sich weithin aus, hält sich dabei aber in festen Grenzen.
Altheim, Franz: Das alte Iran. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 22299
Zitationshilfe
„Stabreim“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Stabreim>, abgerufen am 16.10.2019.

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