Spreu, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Spreu · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
eWDG, 1976

Bedeutung

aus Spelzen, Grannen, Stängelteilen bestehender Rückstand, der beim Dreschen des Getreides anfällt und als Raufutter verwendet wird
Beispiele:
beim Dreschen wird die Spreu von den Körnern geschieden, gesondert, getrennt
die Tiere lagen auf einer dünnen Schicht Spreu
die Blätter verwehten wie (die) Spreu im Winde
etw., jmd. zerstiebt wie Spreu (= verschwindet schnell, spurlos)
übertragen Wertloses
Beispiele:
die Spreu vom Weizen sondern, scheiden (= das Schlechte vom Guten trennen)
Die Zeit werde es ja zutage bringen, in wem was stecke und wer zur Spreu gehöre [M. WalserEhen216]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Spreu f. ‘Hülsen, Spelzen und Grannen des ausgedroschenen Getreides’. Das zunächst obd. md. Substantiv ahd. spriu n. (8. Jh.; Genitiv spriuwes), mhd. spriu n. und f., übertragen ‘das Geringste’, mnd. sprǖ(e) und außergerm. kymr. ffrau ‘das Hervorsprudeln, Strom’, ffreuo ‘hervorspritzen’, lett. spraūtiēs ‘hervordringen, emporkommen’ führen auf ie. *spreu-, eine Erweiterung der unter ↗sprühen (s. d.) angeführten Wurzel ie. *(s)p(h)er- ‘streuen, säen, sprengen, spritzen, sprühen’, so daß Spreu als ‘Stiebendes’ gedeutet werden kann (das abgedroschene Korn wird in alter Zeit in den Wind geworfen, damit sich die leichteren Hülsen vom schwereren Korn trennen). Häufige pluralische (kollektive) Verwendung bewirkt Umdeutung des Plurals (mhd. spriuwe) zum Singular, so daß bereits in mhd. Zeit der Übergang zum fem. Genus beginnt. Auch die Bedeutung ‘Geringstes, Wertloses, Vergängliches’ entwickelt sich bereits in mhd. Zeit unter dem Einfluß biblischen Gebrauchs; daran anknüpfend z. B. mhd. er (Christus) ist daʒ korn, ir sīt diu spriu (‘Verwehendes, Vergängliches’).

Thesaurus

Synonymgruppe
Abfall · ↗Ausschuss · ↗Hausabfall · ↗Hausmüll · ↗Kehricht · ↗Müll · ↗Unrat  ●  Spreu  fig. · ↗Schrott  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Hinterlassenschaft · ↗Relikt · ↗Reliquie · ↗Residuum · ↗Rest · ↗Restbestand · ↗Rudiment · ↗Rückstand · ↗Überbleibsel · ↗Überrest  ●  Spreu  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Korn Stroh Trennung Weizen Wind scheiden sondern sortieren trennen unterscheiden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Spreu‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Noch immer ist die Luft erfüllt vom Staub der Spreu.
Die Zeit, 02.05.1986, Nr. 19
Die harten Körner knirschten zwischen ihren Zähnen, die Spreu spuckten sie aus.
Held, Kurt: Die rote Zora und ihre Bande, Aarau: Sauerländer 1989 [1941], S. 166
Sie haben sich nicht getraut, die Spreu vom Weizen zu trennen.
Die Welt, 13.12.2005
Das sind natürlich mißliche Situationen - aber gerade da trennt sich die Spreu vom Weizen!
Delonge, Franz-Benno: Rückhaltlose Aufklärung, Frankfurt a. M.: Eichborn 2000 [2000], S. 29
Schaut man zurück auf sein Leben, dann neigt man dazu, die Spreu vom Weizen zu trennen.
Killian, Hans: Auf Leben und Tod, München: Wilhelm Heyne Verlag 1976, S. 310
Zitationshilfe
„Spreu“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Spreu>, abgerufen am 17.07.2019.

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