Spitzel, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Spitzels · Nominativ Plural: Spitzel
Aussprache
WorttrennungSpit-zel
Wortbildung mit ›Spitzel‹ als Erstglied: ↗Spitzelbericht  ·  mit ›Spitzel‹ als Letztglied: ↗Polizeispitzel · ↗Stasi-Spitzel · ↗Stasispitzel
 ·  mit ›Spitzel‹ als Grundform: ↗spitzeln1
eWDG, 1976

Bedeutung

abwertend Agent, der im Auftrag einer fremden Regierung oder Organisation heimlich andere beobachtet, ihre Gespräche (unter dem Anschein gleicher Gesinnung) mithört und das Beobachtete und Gehörte den Auftraggebern hinterbringt
Beispiele:
einen Spitzel auf jmdn. ansetzen
jmdn. zum Spitzel (er)pressen
»Es ist nicht das erste Mal, daß man Spitzel und Provokateure in unsere Reihen schickt« [SteinbergEinzug273]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

spitz · Spitz1 · Spitz2 · Spitz3 · Spitze · Spitzel · spitzeln · bespitzeln · spitzen · spitzig · Spitzmaus · Spitzname
spitz Adj. ‘schmal zusammenlaufend und in einem scharfen, stechenden Punkt endend’, übertragen ‘anzüglich, verletzend’, ahd. spizzi (9. Jh.), mhd. spiz, spitze und die verwandten unter ↗Spieß (s. d.) angeführten Wortformen stellen sich als Bildungen mit Dentalsuffix zur Wurzel ie. *(s)p(h)ē̌i-, *(s)p(h)ī̌- ‘spitz, spitzes Holzstück’. Spitz1 m. ‘Spitze, spitzer oder spitz zulaufender Gegenstand’, mhd. spiz, spitz, verbreitet bis ins 18. Jh., danach mundartlich. Spitz2 m. ‘leichter Rausch, Schwips’ (16. Jh.), ausgehend von Spitz als Bezeichnung für Kleines, Geringfügiges (vgl. kein Spitz ‘kein bißchen’). Spitz3 m. Hunderasse mit spitzer Schnauze, spitzen Ohren und spitzgeformtem Kopf (18. Jh.). Spitze f. ‘spitzzulaufendes, scharf spießendes Ende, höchster Punkt’, ahd. spizza (8. Jh.), mhd. spitze. Seit dem 17. Jh. auch ‘durchbrochene feine Borte, Gewebe’, eigentlich ‘spitze Zacken bildendes Garngeflecht’. Spitzel m. ‘Spion, wer andere aushorcht’ (19. Jh., zuerst öst. ‘Späher, Polizeidiener, heimlicher Denunziant’), wohl zu Spitzel ‘Polizeihund’ (vgl. „kläffender Denunciant“, Sanders) sowie gaunersprachlich Spitz ‘Polizeiagent’, der die Ohren spitzt; dazu spitzeln Vb. ‘andere aushorchen und denunzieren’ (19. Jh.) und transitiv bespitzeln Vb. (20er Jahre 20. Jh.); vgl. dagegen spätmhd. spitzeln ‘mit zarten Spitzen, Zacken versehen’, dann auch ‘mit Worten sticheln’ (16. Jh.). spitzen Vb. ‘mit einer Spitze versehen, spitz machen’, ahd. spizzōn (9. Jh.), spizzen (11. Jh.), mhd. spitzen ‘spitz machen, mit Spitzen versehen’, seit dem 14. Jh. (reflexiv) ‘auf etw. mit Hoffnung und Sehnsucht warten’, faktitive Bildung zum Adjektiv. spitzig Adj. ‘spitz’, mhd. spitzec, spitzic, bis ins 18. Jh. gebräuchlicher als spitz, das von Adelung als nur „im gemeinen Leben“ gültig bezeichnet wird. Spitzmaus f. insektenfressendes, der Maus ähnliches, spitzschnauziges Tier, ahd. spizzimūs (11. Jh.), mhd. spitzmūs. Spitzname m. ‘eine bestimmte Eigenschaft oder ähnliches hervorhebender Übername, Spottname’ (17. Jh.), zu spitz ‘anzüglich, verletzend’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Agent · ↗Aushorcher · ↗Beobachter · ↗Beschatter · ↗Detektiv · ↗Ermittler · ↗Geheimagent · ↗Informant · ↗Kundschafter · Polizei-Informant · ↗Polizeispitzel · ↗Spion · ↗Spürhund · V-Person · ↗Verbindungsperson · ↗Zuträger  ●  ↗Konfident  österr. · ↗Kontaktmann  männl. · ↗V-Mann  männl. · ↗VP  Abkürzung · ↗Verbindungsfrau  weibl. · ↗Verbindungsmann  männl. · ↗Lauscher  ugs. · ↗Schlapphut  ugs. · ↗Schnüffler  ugs. · ↗Singvogel  ugs., Jargon · Spitzel  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • IM · inoffizieller Mitarbeiter (der Stasi)  ●  geheimer Informator  historisch, Jargon · informeller Mitarbeiter  ugs.
  • verdeckter Ermittler  ●  ↗Maulwurf  fig. · ↗U-Boot  fig. · undichte Stelle  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Agent Anwerbung Bespitzelte DDR-Staatssicherheit Decknamen Denunziant Enttarnung Folterknecht Geheimpolizei Gestapo Informant Klarnamen Provokateur Schnüffler Spion Spitzel Staatssicherheit Staatssicherheitsdienst Stasi Verfassungsschutz Verräter Zuträger allgegenwärtig anwerben bespitzelt eingeschleust einschleusen enttarnen enttarnt unterwandern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Spitzel‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Szene ist von Spitzeln durchsetzt, das Personal wird knapp.
Süddeutsche Zeitung, 22.07.2004
Ich mußte sehr auf der Hut sein, sie nicht zu gefährden, denn die Spitzel waren allgegenwärtig.
Die Zeit, 25.10.1996, Nr. 44
Der Spitzel wirkte nicht wütend oder böse, nicht mal traurig.
Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 1041
Den Herrn mit dem Bart, den Du für einen Spitzel hältst, kenne ich auch nicht.
Tucholsky, Kurt: An Fritz Tucholsky, 05.08.1933. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1933], S. 9730
Mit allen Mitteln sorgte er dafür, daß keiner dem anderen traute und jeder in jedem einen Spitzel vermutete.
Heuß, Alfred: Hellas. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 4082
Zitationshilfe
„Spitzel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Spitzel>, abgerufen am 25.04.2019.

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