Spießrutenlaufen, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Spießrutenlaufens · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungSpieß-ru-ten-lau-fen
WortzerlegungSpießruteLaufen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
historisch barbarische militärische Strafe des 17. und 18. Jahrhunderts, bei der der Verurteilte mit entblößtem Oberkörper durch eine von 100 bis 300 Soldaten gebildete Gasse laufen musste und dabei von jedem der Soldaten einen Hieb mit der Spießrute über den Rücken erhielt
2.
übertragen neugieriges (und spöttisches) Angesehenwerden von Leuten, an denen jmd. vorbeigehen muss
Beispiel:
er empfand den Gang zum Rednerpult als reinstes Spießrutenlaufen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Spieß1 · Bratspieß · Spießrute · Spießrutenlaufen
Spieß1 m. ‘Bratspieß’, ahd. (9. Jh.), mhd. spiʒ ‘Brat-, Holzspieß, Splitter’, mnd. spit, mnl. spit, spet, nl. spit, aengl. spitu, engl. spit, schwed. spett führen auf germ. *spita-, verwandt mit den unter ↗spitz (s. d.) genannten Formen. Neben diesen Bildungen mit Dentalsuffix stehen (mit anderen Suffixen abgeleitet) lat. spīna ‘Dorn, Stachel, Rückgrat’, lett. spina ‘Gerte, Rute’, vielleicht auch russ. spiná (спина) ‘Rücken’ (s. ↗Finne) und lit. speiglỹs ‘Spule (der Vogelfeder), der beim Rupfen in der Haut zurückbleibende Federteil, Stachel’ sowie das unter ↗Speiche (s. d.) behandelte Substantiv. Auszugehen ist von der Wurzel ie. *(s)p(h)ē̌i-, *(s)p(h)ī̌- ‘spitz, spitzes Holzstück’, der Bratspieß also als ‘spitzer Holzstab’ zu erklären. Im Nhd. fallen ↗Spieß und ↗Spieß (s. d.) lautlich und auch semantisch (beide vorgestellt als mit Spitzen versehene Stange) zusammen. Bratspieß m. (15. Jh., daneben anfangs noch Bratspiß). Spießrute f. ‘spitze, lange, biegsame Gerte’ (16. Jh.), auch Spißgerte, Spitzrute (17. Jh.). Verdeutlichende Zusammensetzung (vgl. ahd. spiʒ, auch ‘Zweig, Gerte’). Die Spießrute wird als Reitgerte und auch als soldatische Prügelgerte verwendet, daher Spießrutenlaufen n. Spießrutenlaufen (müssen) ‘zur Strafe mit entblößtem Rücken durch eine von mit Spießruten prügelnden Soldaten gebildete Gasse gehen’ (18. Jh.), auch durch die Spießruten jagen (18. Jh.). Übertragen Spießruten laufen ‘von anderen durchgehechelt werden’ (18. Jh.), dann ‘neugierigen, kritischen oder spöttischen Blicken ausgesetzt sein’ (19. Jh.).

Thesaurus

Geschichte, Militär
Synonymgruppe
Gassenlaufen · Spießrutenlaufen · Spitzrutenlaufen
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

ersparen gleichen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Spießrutenlaufen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Start über 1500 m - für Anni wurde er fast zum Spießrutenlaufen.
Bild, 21.02.2002
Und für die Abgeordneten begänne schon bald das nächste Spießrutenlaufen.
Die Zeit, 31.05.1996, Nr. 23
Damit befürworte ich keineswegs das entwürdigende Spießrutenlaufen verzweifelter Frauen von einer Instanz zur anderen und eine moralisierende Behandlung von oben herab.
Wölfl, Norbert: Die wiedergefundene Zärtlichkeit, Genf u. a.: Ariston 1995 [1983], S. 178
Für die Soldaten war es ein Spießrutenlaufen im Kreuzfeuer der bäuerlichen Scharfschützen, und am Ende ungeordnete Flucht.
Morgan, Edmund S.: Die Amerikanische Revolution. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 15936
Denn welche Verformungen durch ständiges Spießrutenlaufen, Verdächtigungen eines sündhaften Lebenswandels als Ursache der Mißbildung, und durch die behördlichen Erniedrigungen einsetzen, kann der Außenstehende schwer begreifen.
Klee, Ernst: Behinderten-Report, Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch-Verl. 1981 [1974], S. 140
Zitationshilfe
„Spießrutenlaufen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Spießrutenlaufen>, abgerufen am 20.10.2019.

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