Sorge, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Sorge · Nominativ Plural: Sorgen
Aussprache
WorttrennungSor-ge (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Sorge‹ als Erstglied: ↗Sorgenbrecher · ↗Sorgenfalte · ↗Sorgenkind · ↗Sorgenlast · ↗Sorgenstuhl · ↗Sorgepflicht · ↗Sorgerecht · ↗sorgenbeschwert · ↗sorgenfrei · ↗sorgenlos · ↗sorgenschwer · ↗sorgenvoll · ↗sorglos · ↗sorgsam
 ·  mit ›Sorge‹ als Letztglied: ↗Absatzsorgen · ↗Abstiegssorge · ↗Alltagssorge · ↗Existenzsorge · ↗Fürsorge · ↗Geldsorge · ↗Hauptsorge · ↗Kleidersorge · ↗Nachwuchssorge · ↗Nahrungssorge · ↗Personalsorge · ↗Seelsorge · ↗Selbstsorge · ↗Wohnungssorge · ↗Zukunftssorge
 ·  formal verwandt mit: ↗Obsorge
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
bedrückendes Gefühl innerer Unruhe und Angst, das durch eine unangenehme, schwierige Lage hervorgerufen wird, mit der jmd. belastet ist oder die jmd. in der Zukunft befürchten muss
Beispiele:
große, schwere, ernste, berufliche, häusliche, finanzielle Sorgen
drückende, lastende, quälende, nagende Sorgen
Kummer und Sorge, Sorgen haben
seine größte Sorge war, dass ...
spöttisch das sind Sorgen! (= übertreibe nicht, das ist doch geringfügig!)
spöttisch du hast Sorgen! (= deine Sorgen sind doch geringfügig, du übertreibst ja!)
spöttisch Sorgen haben die Leute!
spöttisch deine Sorgen möchte ich haben
sie hat auch ihre Sorgen, immer neue Sorgen
umgangssprachlich sie hat den Kopf voller Sorgen
mit jmdm., etw. seine Sorgen haben
ich habe keine Sorge, dass er das Examen besteht (= ich habe keine Zweifel, Bedenken, dass er das Examen besteht)
keine Sorge, das schaffst du schon!
sich [Dativ] Sorgen machen
mache dir bloß keine Sorgen um mich, darüber, darum, deswegen, wegen dieser Sache!
du machst mir Sorgen
ihr Zustand macht, bereitet mir ernstlich Sorge, Sorgen
jmds. geheime Sorgen und Nöte kennen
die Sorgen vertreiben, verscheuchen
diese Sorge bin ich erst einmal, endlich los
gehoben aller Sorgen enthoben, ledig sein
aus den Sorgen nicht herauskommen
vor Sorgen nicht ein noch aus wissen
sehr in Sorge (um jmdn., etw.) sein
sie war voll(er) Sorge, weil er noch nicht zurück war
du kannst außer, ohne Sorge sein
frei von Sorgen in die Zukunft blicken
etw. erfüllt jmdn. mit Sorge
mit Sorge an etw. denken
sprichwörtlich kleine Kinder, kleine Sorgen, große Kinder, große Sorgen
2.
nur im Singular
das Umsorgen, die Fürsorge, Unterstützung, Hilfe, die jmd. jmdm., einer Sache zuteilwerden lässt
Beispiele:
mütterliche, väterliche Sorge umgab das Kind
nach der Scheidung wurde der Mutter die elterliche Sorge für die Kinder übertragen
die Sorge des Staates für die Jugend
die Sorge um den Menschen steht in der sozialistischen Gesellschaftsordnung im Vordergrund
das ist meine Sorge (= darum muss ich mich kümmern)
lass das, das lass nur meine Sorge sein! (= ich mache das schon!)
für, um etw., jmdn. Sorge tragenfür etw., jmdn. sorgen
Beispiele:
er wird dafür Sorge tragen, dass es zu weiteren Klagen keine Veranlassung gibt
ich will Sorge tragen für Ihn [NestroyTod am HochzeitstageI 7]
ob denn niemand da sei, der um ihn Sorge trage [FrischGantenbein36]
sie trug Sorge, dieser Zusammenkunft den Charakter ... eines Familienrates zu verleihen [Th. MannBuddenbrooks1,256]
schweizerisch zu etw., jmdm. Sorge tragenauf etw., jmdn. achtgeben
Beispiele:
trage Sorge zu deiner Gesundheit, zu dir
[Anna] bat mich, ihr die Karten aufzubewahren; sie bemerkte lächelnd, ich möchte ja recht Sorge dazu tragen [G. KellerGr. Heinrich4,329]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sorge · sorgen · besorgen · besorgt · Besorgnis · entsorgen1 · entsorgen2 · versorgen · Vorsorge · Fürsorge · Fürsorgerin · sorglich · sorgsam · sorgfältig · Sorgfalt · sorgenfrei · sorgenvoll
Sorge f. ‘Befürchtung, Unruhe, Kummer, Bemühung um Abhilfe, Fürsorge’, ahd. sorga (8. Jh.), sworga (9. Jh.), mhd. sorge ‘Besorgnis, Kummer, Furcht, Gefahr’, asächs. sorga, mnd. sorge, mnl. sorghe, surghe, nl. zorg, afries. sorge, aengl. sorh, sorg, engl. sorrow, anord. schwed. sorg, got. saúrga (germ. *surgō). Herkunft ungewiß. Falls w in ahd. sworga (Tatian, Otfrid, germ. *swurgō) und sworgēn (s. unten) als ursprünglich anzusehen ist (mit nachfolgendem Ausfall vor o), ist eine Verbindung mit aind. sū́rkṣati ‘kümmert sich um’ möglich und ie. *su̯ergh- ‘sorgen, sich worum kümmern’ ansetzbar. Ist dieses w hingegen sekundär, kann auch air. serg ‘Krankheit’, lit. sir̃gti ‘krank sein’, russ.-kslaw. sragъ ‘furchtbar drohend’, russ. (älter) soróga (сорога) ‘mürrischer, schwer zugänglicher Mensch’ verglichen werden, so daß von ie. *sergh- ‘sorgen, sich worum kümmern, krank sein’ ausgegangen werden kann. Nimmt man an, daß su̯- und s- im Anlaut wechseln, so lassen sich alle Formen vereinigen unter einem gemeinsamen Bedeutungskern ‘körperliche oder seelische Gedrücktheit, mürrisches Wesen, auch infolge von Krankheit’. Mayrhofer 3, 495 möchte dagegen die germ. Formen und das aind. Verb mit lit. sérgėti ‘behüten, bewahren’ verbinden unter einem Ansatz ie. *serəgh-, *sṝgh-, was freilich voraussetzen würde, daß germ. w sekundär ist. Zugrunde läge dann die Wurzel ie. *ser- bzw. *ser(ə)- ‘sorgend Obacht geben, schützen, bewahren’, vgl. awest. har- ‘achthaben, wachen über, behüten’, lat. servāre ‘bewahren, unversehrt erhalten’. Im Germ. entwickelt Sorge die Bedeutungen ‘Furcht vor Bedrohung’ und ‘Bemühung um Beseitigung der Bedrohungen’. sorgen Vb. ‘sich in Befürchtungen quälen, sich kümmern um’, ahd. sorgēn (8. Jh.), sworgēn (9. Jh.), mhd. mnd. sorgen, asächs. sorgon, mnl. sorghen, surghen, nl. zorgen, aengl. sorgian, engl. to sorrow, anord. syrgja, schwed. sörja, got. saúrgan. besorgen Vb. ‘sich um etw. oder jmdn. kümmern, betreuen, beschaffen’, ahd. bisorgēn, -sworgēn (9. Jh.), mhd. besorgen ‘befürchten, sorgen für, versorgen mit, beschützen vor etw.’; besorgt Part.adj. ‘ängstlich, vorsorglich’, mhd. besorget. Besorgnis f. ‘Befürchtung’, spätmhd. besorgnis ‘Sorge, Befürchtung, Fürsorge’. Abgeleitet vom Substantiv Sorge entsorgen1 Vb. ‘von Sorgen befreien’, mhd. entsorgen; als Gegenbildung zu be-, versorgen entsorgen2 Vb. ‘Abfall, Müll beseitigen’ (2. Hälfte 20. Jh.). versorgen Vb. ‘jmdn. betreuen, etw. beschaffen’, mhd. versorgen ‘aufhören zu sorgen, sicherstellen, besorgen’, bis ins 17. Jh. auch ‘zuviel sorgen’; vgl. ahd. forasorgēn ‘ein Amt ausüben, Verwaltertätigkeit leisten’ (9. Jh.), Übersetzung von lat. prōcūrāre ‘für etw. Sorge tragen’. Vorsorge f. ‘auf Zukünftiges gerichtete Bemühung’ (16. Jh.). Fürsorge f. ‘das Sichkümmern um jmdn. oder etw., Unterstützung, Beistand’ (auch in staatlich organisierter Form), mhd. vürsorge ‘sich auf die Zukunft erstreckende Besorgnis’. Fürsorgerin f. ‘wer (berufsmäßig) Fürsorge leistet’ (Anfang 19. Jh.); vgl. älteres Fürsorger m. ‘wer für eine Sache (auch für deren Vorhandensein) Sorge trägt’ (16. Jh.). sorglich Adj. ‘Sorge tragend, Beistand leistend, sich kümmernd, achtsam’, ahd. sorglīh, sworglīh (9. Jh.), mhd. sorc-, sorgelich ‘Sorge erregend, gefährlich, bedenklich, bekümmert, ängstlich’. sorgsam Adj. ‘achtsam, vorsichtig, genau, fleißig’, ahd. sorgsam ‘wachsam, argwöhnisch’ (9. Jh.), mhd. sorc-, sorgesam ‘Sorge erregend, empfindend, tragend’. sorgfältig Adj. ‘achtsam, vorsichtig, genau’, mhd. sorc-, sorgeveltic ‘sorgend, besorgt, bekümmert, Besorgnis erregend, gefährlich’; Sorgfalt f. ‘Achtsamkeit, Vorsichtigkeit, Genauigkeit, Verantwortungsbewußtheit’ (17. Jh.), Rückbildung aus dem Adjektiv. sorgenfrei Adj. ‘ohne Sorgen, frei von Kummer, unbeschwert’ (17. Jh.), vgl. mhd. der sorgen vrī. sorgenvoll Adj. ‘bedrückt von Sorgen, Befürchtungen, Kummer’ (17. Jh.); vgl. ahd. sorgfol (9. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Angst · ↗Angstgefühl · ↗Bedenken · ↗Bedrohungsgefühl · ↗Befürchtung · ↗Beklemmung · ↗Beklommenheit · ↗Furcht · ↗Scheu · Sorge  ●  ↗Bammel  ugs. · ↗Flattermann  ugs. · ↗Fracksausen  ugs. · Manschetten  ugs. · ↗Muffe  ugs. · ↗Muffensausen  ugs. · ↗Schiss  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Aufsicht · ↗Fürsorge · ↗Fürsorglichkeit · ↗Geborgenheit · Geborgensein · ↗Gewahrsam · ↗Obhut · ↗Schutz · Sorge · ↗Verantwortung · ↗Verfügungsgewalt  ●  Schutz und Schirm (formelhaft)  geh., veraltet
Assoziationen
Synonymgruppe
Besorgnis · Gedanken · ↗Missbehagen · Sorge (wegen, um) · ↗Unausgeglichenheit · ↗Unbehagen · ↗Unruhe
Assoziationen
Synonymgruppe
Kummer · ↗Leid · ↗Leiden · Sorge · ↗Verzweiflung
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angst Anlaß Arbeitsplatz Gesundheit Grund Not Sicherheit Zukunft ander beobachten berechtigen berechtigt bereiten betrachten blicken elterlich ernst ernsthaft finanziell groß machen plagen tief umtreiben unbegründet verfolgen wachsen wachsend zerstreuen äußern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Sorge‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wer so weit gekommen ist, braucht sich um seine Reputation keine Sorgen mehr zu machen.
Schwanitz, Dietrich: Bildung, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 479
Sorge äußerte er darüber, daß in Japan in den vergangenen Jahren antisemitische Bücher veröffentlicht worden seien.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1988]
Diese Sorge wurde einige Zeit später zur Ursache einer merkwürdigen Einrichtung.
Heuß, Alfred: Hellas. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 3559
Sorgen, die beide Kirchen gleichermaßen treffen, gibt es heute schon genug.
Die Zeit, 09.03.1962, Nr. 10
Damit entschwindet die apokalyptische Sorge um den Zeitpunkt des Eintreffens.
Gloege, G.: Reich Gottes. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 5372
Zitationshilfe
„Sorge“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Sorge>, abgerufen am 25.04.2019.

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