Sophistik, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Sophistik · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungSo-phis-tik
HerkunftGriechisch
Wortzerlegungsophistisch-ik
Wortbildung mit ›Sophistik‹ als Grundform: ↗sophistisch
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
Philosophie Strömung in der antiken griechischen Philosophie, deren Vertreter als erste den Menschen in den Mittelpunkt philosophischer Betrachtungen stellten und als berufsmäßige Lehrer Kenntnisse besonders in der Redekunst, der Kunst des Streitgesprächs und der Kunst des Beweises verbreiteten, was jedoch bei den jüngeren Vertretern zur bloßen Technik einer spitzfindigen Beweisführung entartete
2.
abwertend, übertragen (zum Zwecke der Täuschung vorgenommenes) scheinbar logisches Beweisverfahren, dessen Schlüsse als zwingend erscheinen, tatsächlich jedoch fehlerhaft sind
Beispiel:
mit erbärmlicher Sophistik [fand Kautsky heraus], die Internationale sei »im wesentlichen ein Friedensinstrument« und daher für eine Tätigkeit im Kriege nicht geeignet [Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung5,26]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sophist · sophistisch · Sophistik · Sophismus
Sophist m. ‘Vertreter einer griechischen Philosophenschule (des 5. bis 4. Jhs. v. u. Z.), Rhetor’ (18. Jh.), älter ‘Überredungskünstler, Wortverdreher, Schwätzer, Betrüger’ (Ende 15. Jh.), bei den Anhängern Luthers abschätzige Bezeichnung für ihre Gegner, entlehnt aus lat. sophista, sophistēs, griech. sophistḗs (σοφιστής) ‘Künstler, Gelehrter, (Wander)lehrer, der für Geld die Kunst zu denken und zu sprechen, Weltweisheit, Politik, Rhetorik lehrt, Redner, Verfasser von Reden’, dann auch ‘Großsprecher, Aufschneider, Wortspieler, Betrüger’; zu griech. sophízein (σοφίζειν) ‘unterrichten, belehren’, medial ‘geschickt, klug oder listig reden oder handeln, aussinnen, erfinden’, Denominativum zu griech. sophós (σοφός) ‘geschickt, gelehrt, weise, Weiser’ (s. ↗Philosoph). sophistisch Adj. ‘in der Art eines Sophisten, spitzfindig’ (16. Jh.), lat. sophisticus, griech. sophistikós (σοφιστικός). Sophistik f. (17. Jh.), Sophismus m. (18. Jh.).

Thesaurus

Linguistik/Sprache, Psychologie
Synonymgruppe
Silbenstecherei · ↗Spitzfindigkeit · ↗Wortklauberei  ●  ↗Haarspalterei  fig. · ↗Erbsenzählerei  ugs., fig. · ↗Finesse  geh., franz. · ↗Fliegenbeinzählerei  ugs., fig. · ↗Kasuistik  geh. · ↗Korinthenkackerei  derb · ↗Paralogistik  geh., griechisch · ↗Rabulistik  geh., lat. · ↗Sophisterei  geh., griechisch · Sophistik  geh., abwertend, bildungssprachlich · Wortverdreherei  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Rhetorik griechisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Sophistik‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es gehört zur Sophistik der Sucht, dass eben dies ein starker Grund werden kann, weiter zu rauchen.
Süddeutsche Zeitung, 30.12.2004
Diese Sophistik dient letzten Endes nur dazu, die tödliche Spritze zu verharmlosen.
Die Zeit, 12.06.1992, Nr. 25
Aber auch Agnostizismus war in mancher Hinsicht der Sophistik nicht unbekannt.
Heuß, Alfred: Hellas. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 3834
In diese letztgenannte Richtung weist der zweite Grundgedanke der Sophistik, ihre Rede von der Machtidee.
Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philosophie, Bd. 1: Altertum und Mittelalter. In: Mathias Bertram (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1948], S. 2549
Inzwischen sind Kants Waffen aus dem Arsenal der materialistischen Dialektik, ist seine kecke und doch nur wohlfeile Sophistik stumpf geworden.
Der Tagesspiegel, 16.03.2002
Zitationshilfe
„Sophistik“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Sophistik>, abgerufen am 20.08.2019.

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