Sonderling, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Sonderlings · Nominativ Plural: Sonderlinge
Aussprache
WorttrennungSon-der-ling
eWDG, 1976

Bedeutung

Mensch, der durch sein von der Norm abweichendes, sonderbares, merkwürdiges Wesen und Verhalten auffällt und sich oft von der Gesellschaft isoliert, Eigenbrötler
Beispiele:
er ist ein Sonderling
ein seltsamer, weltfremder, menschenscheuer, starrsinniger Sonderling
zum erstenmal fühlte der Sonderling, daß es noch etwas Schöneres gibt als das Alleinsein [FedererPapst489]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sonder · sonder · sonder · sondern · Sonderling · sonderbar · sonderlich · sondern · absondern · aussondern
sonder Präp. mit Akkusativ ‘ohne’; heute nur noch in Fügungen wie sonder Tadel, sonder Zweifel, sondersgleichen. Ahd. suntar (9. Jh.), mhd. mnd. sunder ‘außer, ohne’ (vgl. auch anfrk. sundir) setzt sich seit dem 16. Jh. in der durch Senkung von u zu o vor Nasal entstandenen md. Form sonder durch (s. auch ↗Sommer, ↗Sonne, ↗Wonne u. a.). Voraus geht ein Adverb ahd. suntar ‘abseits, gesondert, für sich’ (8. Jh.), mhd. mnd. sunder ‘auf eine gesonderte Weise, abseits, im einzelnen, für sich, ausschließlich, ausgezeichnet, sehr’, asächs. sundar ‘abgesondert, besonders’, mnl. sonder, aengl. sundor ‘beiseite, für sich’ (in engl. asunder ‘auseinander, entzwei’), anord. sundr ‘gesondert, auseinander, entzwei’, got. sundrō ‘abgesondert, allein’; verwandt sind aind. sanutáḥ ‘weg, fort, abseits’, griech. áter (ἄτερ) ‘ohne, fern von’, air. sain ‘verschieden, besonders’, lat. sine ‘ohne’, so daß auf Formen wie ie. *seni-, *senu-, *sṇter- ‘für sich, abgesondert’ zurückgegangen werden kann, die möglicherweise zu dem unter ↗sich (s. d.) genannten Reflexivstamm ie. *se-, eigentlich ‘abseits, getrennt, für sich’, gebildet sind. Das Adverb wird seit dem 16. Jh. von besonders (s. ↗besonder) abgelöst. Daneben sonder Adj. ‘für sich abgetrennt, extra’, bis ins 18. Jh. geläufig, danach nur vereinzelt und von ↗besonder (s. d.) verdrängt (erhalten in Komposita wie Sonderdruck, -stellung, -zuteilung), ahd. suntar ‘entlegen, entfernt, abgesondert’ (11. Jh., vielleicht bereits 8. Jh.?), mhd. mnd. sunder ‘abgesondert, alleinstehend, einsam, besonder, ausschließlich, eigen, ausgezeichnet’. sonder Konj. ‘vielmehr’ (bis ins 17. Jh.), ahd. suntar ‘sonder, doch’ (9. Jh.), mhd. mnd. sunder ‘ausgenommen, außer, gleichwohl, vielmehr, indessen, aber’. Dazu tritt gleichbed. sondern Konj. mhd. (md.) sundern (14. Jh.), eigentlich Dativ Plur. des Adjektivs (s. oben), das sich vom Omd. im 16. Jh. durch Luther ausbreitet. Sonderling m. ‘wer sich durch auffallendes, abweichendes Verhalten von seinen Mitmenschen abhebt und absondert, Kauz’ (17. Jh.), zuvor wertneutral ‘wer sich absondert’ (16. Jh.). sonderbar Adj. ‘merkwürdig, herausfallend, unerklärlich’, ahd. suntarbāri ‘abgesondert’ (10. Jh.), mhd. sunderbære, -bar ‘besonder, ausgezeichnet, alleinstehend, unverheiratet’, zusammengesetzt mit dem unter ↗-bar (s. d.) behandelten Suffix. sonderlich Adj. ‘merkwürdig’, Adv. ‘besonders’, ahd. suntarlīh (um 1000, suntarlīhho Adv., 9. Jh.), mhd. sunderlich ‘abgesondert, besonder’, sunderlīche, -līchen Adv. sondern Vb. ‘trennen, aussortieren’, ahd. suntarōn (9. Jh., gisuntarōt Part. Prät., um 800), mhd. sundern ‘abtrennen, unterscheiden’. absondern Vb. ‘loslösen, isolieren, ausscheiden (von Flüssigkeiten), sich abheben’, mhd. abesundern ‘vermögensrechtlich abfinden, loslösen’. aussondern Vb. ‘auswählen und aussortieren’, mhd. ūʒsundern ‘abtrennen, entfernen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Exzentriker · Sonderling · merkwürdiger Mensch
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Synonymgruppe
Sonderling · ↗Spinner · wunderlicher Kauz  ●  seltsamer Heiliger  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(ausgefallener, besonderer) Mensch · ↗Freak · Mensch, wie man ihn nicht alle Tage trifft · Sonderling · ↗Unikum · ↗Wunderling · bizarre Person · merkwürdiger Zeitgenosse · schrille Person · seltsamer Patron · skurriler Typ · sonderbarer Zeitgenosse · uriger Typ · verrückte Person  ●  ungewöhnlicher Mensch  Hauptform · ↗Kauz  ugs., fig. · ↗Original  ugs. · ↗Type  ugs. · ↗Urvieh  ugs. · ↗Vogel  ugs., fig. · bunter Vogel  ugs. · irrer Typ  ugs. · komischer Heiliger  ugs. · komischer Kauz  ugs. · komischer Vogel  ugs. · schrille Schraube  ugs., weibl. · schrille Type  ugs. · schräger Fürst  ugs., scherzhaft · schräger Typ  ugs. · schräger Vogel  ugs. · seltsame Type  ugs. · seltsamer Heiliger  ugs. · seltsamer Kauz  ugs. · verrücktes Huhn  ugs., weibl., fig.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Außenseiter Eigenbrötler Einsiedler Einzelgänger Exzentriker Kauz Narr Sonderfall bevölkern charmant einsam gelehrt genial harmlos introvertiert isoliert kauzig liebenswert menschenscheu merkwürdig scheu schrullig skurril stadtbekannt stilisieren sympathisch vereinsamt verrückt verschroben weltfremd

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Sonderling‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Mädchen in seiner Klasse mieden den Sonderling - und er begann, sie immer mehr zu hassen!
Bild, 13.12.2004
Die Sonderlinge fallen hier viel stärker auf als in der Stadt.
Die Welt, 24.04.2001
Er war ein einsamer Sonderling, vielleicht ebenso einsam wie ich, und ich wußte nicht, wie man mit ihm sprechen müßte.
Renn, Ludwig [d. i. Vieth v. Golßenau, Arnold Friedrich]: Krieg - Nachkrieg, Berlin: Aufbau-Verl. 1951 [1930], S. 891
Und ein Sonderling ist das Tier auch in seinem Wesen.
Welt und Wissen, 1927, Nr. 2, Bd. 16
Da wetterleuchtete ein ernster, glühender Genius, der es nicht vermocht hatte, zu mehr als nur zum schrullenhaften Sonderling zu reifen.
Schaper, Edzard: Der Henker, Zürich: Artemis 1978 [1940], S. 293
Zitationshilfe
„Sonderling“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Sonderling>, abgerufen am 23.04.2019.

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