Sittenlehre, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungSit-ten-leh-re
WortzerlegungSitteLehre1
eWDG, 1976

Bedeutung

Lehre vom sittlichen Wollen und Handeln des Menschen, Ethik
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sitte · Unsitte · sittlich · Sittlichkeit · unsittlich · sittsam · Sittenlehre
Sitte f. ‘Brauch, Gewohnheit, (moralischer) Anstand’, ahd. situ (8. Jh.), mhd. site ‘Art und Weise, wie man lebt und handelt, Volksart, -brauch, Gewohnheit, Beschaffenheit, Anstand’ (ursprünglich m., durch häufigen pluralischen Gebrauch bereits spätmhd. f.), asächs. sidu, mnd. sēde, sedde, mnl. sēde, nl. zede, afries. side, aengl. sidu, anord. siðr, schwed. sed, got. sidus (germ. *sedu- m.). Herkunft nicht geklärt. Die übliche Herleitung vergleicht aind. svadhā́ ‘Eigenheit, Eigenkraft, Charakter, gewohnte Art, Gewohnheit’, griech. éthos (ἔθος, aus *Ϝέθος, ie. *su̯édhos) ‘Gewohnheit, Brauch, Übung’, lat. sodālis ‘Genosse, Kamerad, Gefährte, Mitglied einer Gemeinschaft’ und geht von ie. *su̯ē̌dh- aus, in dem eine Bildung zum Pronominalstamm ie. *seu̯e- (s. ↗sich) gesehen wird. Dagegen erklärt Wissmann in: Münchener Studien zur Sprachwiss. 6 (1955) 129 das stammhafte i in aengl. sidu und anord. siðr für alt (also nicht aus e hervorgegangen). Aus dem gleichen Grunde lehnt Trier Lehm (1951) 41 die oben vorgetragene Etymologie (also auch die Verbindung mit griech. éthos) ab und schließt die germ. Formen von Sitte an die unter ↗Saite und ↗Seil (s. d.) behandelten Substantive an, so daß Sitte (im Ablaut zu Saite stehend) als ‘Verbindendes, Bindung’ gedeutet werden kann. Unsitte f. ‘Anstand und Benehmen Zuwiderlaufendes’, ahd. unsitu (9. Jh.), mhd. unsite ‘üble Gewohnheit, Aufgebrachtheit, Zorn, unfeines oder grobes Benehmen’. sittlich Adj. ‘der Sitte, Moral entsprechend, moralisch’ (15. Jh.), ahd. situlīh (um 800), mhd. sitelich ‘dem Brauch gemäß, ruhig, milde, bescheiden, anständig’. Sittlichkeit f. ‘Wohlanständigkeit, Moral’ (Anfang 16. Jh.). unsittlich Adj. ‘unanständig, anstößig, unmoralisch’, ahd. unsitulīh (um 800), mhd. unsitelich ‘ungehörig, unziemlich, unpassend’. sittsam Adj. ‘brav, ehrbar, geziemend’ (15. Jh.), ahd. situsam ‘passend, geeignet’ (8. Jh.). Sittenlehre f. ‘Lehre von den Sitten, der Moral und Ethik, Moralphilosophie’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Ethik · ↗Morallehre · Sittenlehre · ↗Tugendlehre
Unterbegriffe
  • Bereichsethik · angewandte Ethik

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ethik Grundsatz Handbuch Kirche Papst Religion System allgemein christlich katholisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Sittenlehre‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie steht es mit der Sittenlehre und dem Verhalten des Menschen, der Person?
Die Zeit, 02.12.1994, Nr. 49
So war für ihn mit dem Naturrecht auch die Sittenlehre begründet.
Hohlwein, H.: Thomasius. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 8599
Eine solche Sittenlehre ist mir nicht eingegangen; ich suche sie - wie ihr alle.
Tucholsky, Kurt: Was soll mit den Zehn Geboten geschehen? In: Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1929]
In der Frage der Empfängnisverhütung zeigte sich in den synodalen Aussagen sogar ein Abgehen von der verbindlichen Sittenlehre der Kirche.
o. A.: Die Weltkirche im 20. Jahrhundert. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1979], S. 14820
Als Meister christlicher Sittenlehre tritt uns Thomas in einer tiefen und warmempfundenen Schrift J. Mausbachs (61) entgegen.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1927, S. 454
Zitationshilfe
„Sittenlehre“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Sittenlehre>, abgerufen am 22.04.2019.

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