Sippschaft, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Sippschaft · Nominativ Plural: Sippschaften · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungSipp-schaft
eWDG, 1976

Bedeutung

salopp, abwertend Verwandtschaft
Beispiele:
ihre ganze Sippschaft war eingeladen
auf seine eigene Sippschaft lässt er nichts kommen
Sie haben mir imponiert, wie Sie sich von ihrer Hamburger Sippschaft losgesagt haben [NollHolt2,385]
übertragen üble Gesellschaft, Bagage
Beispiele:
eine widerliche, freche, verlogene, gefährliche, verbrecherische Sippschaft
diese ganze Sippschaft kann mir gestohlen bleiben
salopp, spöttisch das ist ja eine nette, feine, noble Sippschaft!
Die dreckige Sippschaft [die Teilnehmer am Kapp-Putsch] hoffte von neuem, in ihre Paläste und Ministerien zu kommen [SeghersDie Toten6,78]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sippe · Sippschaft · versippt
Sippe f. ‘Gesamtheit der (Bluts)verwandten’, ahd. sibba (8. Jh.), mhd. sippe ‘Blutsverwandtschaft, Verwandtschaftsgrad, angeborene Art’, asächs. sibbia, mnd. mnl. nl. sibbe, aengl. sibb ‘Verwandtschaft, Liebe, Freundschaft’, anord. sifjar (Plur.) ‘Verwandtschaft’, got. sibja ‘Verwandtschaft’ (germ. *sebjō); vgl. aengl. godsibb, engl. (älter) gossip, anord. guðsifi ‘Pate’, eigentlich ‘gute(r) Verwandte(r)’. Außergerm. Vergleichsmöglichkeiten sind unsicher. Man kann die germ. Formen zusammen mit aslaw. osobь ‘vereinzelt, für sich allein, besonders’, russ. osóba (особа) ‘Person’, osóbyj (особый) ‘besonders’ auf ie. *sebh-, *sobh-, daneben *su̯ebh-, *su̯obh- ‘von eigener Art’ zurückführen, also auf Bildungen mit bh-Formans zu den Pronominalstämmen ie. *se-, *seu̯e- (s. ↗sich), eigentlich ‘abseits, getrennt, für sich’. Ebenfalls unsicher ist der Versuch, hier die Namen der germanischen bzw. italischen Völkerstämme ahd. Swāba, Swābi, nhd. Schwaben, lat. Suēbī, Semnonēs, Sabīnī anzuschließen. Im Germ. bezeichnet Sippe anfangs wohl die ‘durch ein Bündnis begründete Verwandtschaft’, dann die ‘Zugehörigkeit durch Abstammung und Verwandtschaft’. Sippe wird im 16. Jh. ungebräuchlich, vielleicht durch Familie verdrängt, im 19. Jh. aber als umfassendere Bezeichnung neu belebt. Sippschaft f. ‘Verwandtschaft’, mhd. sippeschaft ‘(Bluts)verwandtschaft, Verwandtschaftsgrad’; seit dem 18. Jh. oft geringschätzig. versippt Part.adj. ‘verwandt’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(die) Linie der · ↗Angehörige · ↗Anhang · ↗Familie · ↗Familienclan · ↗Familienverband · ↗Geschlecht · Kind und Kegel · ↗Klan · ↗Sippe · vom Stamm der  ●  ↗Mischpoke  abwertend · Muschpoke  abwertend · ↗Verwandtschaft  Hauptform · ↗(ganze) Bagage  ugs., abwertend · ↗Blase  ugs., abwertend · ↗Clan  ugs. · Sippschaft  derb · bucklige Verwandtschaft  ugs., abwertend, scherzhaft · die Unseren  geh., variabel
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Plebs · Sippschaft · niederes Volk  ●  White trash  engl. · ↗Abschaum  derb · Asis  derb · ↗Asoziale  derb · ↗Bagage  ugs. · ↗Bodensatz  ugs. · ↗Brut  derb · ↗Gelichter (lit.)  geh., veraltet · ↗Geschmeiß  geh. · ↗Gesindel  derb · ↗Gesocks  derb · Gschleaf  ugs., bair. · Gschwerl  ugs., bair. · Kanaken  derb · ↗Kroppzeug  derb, norddeutsch · ↗Lumpenpack  derb · ↗Mischpoke  derb · ↗Mob  derb · ↗Pack  derb · Paselacken  derb, ruhrdt. · ↗Pöbel  derb · Volks  ugs., regional
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

ganz gesamt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Sippschaft‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da reichte es nicht, nur einen Übeltäter kaltzustellen, man radierte die ganze Sippschaft aus.
Der Tagesspiegel, 19.12.2004
Der nervt nämlich seine gesamte Sippschaft damit, jedes Wort von erfundenen griechischen Wurzeln abzuleiten.
Die Welt, 23.01.2003
Die Sippschaft der Marienkäferchen hat offenbar auf der ganzen Welt einen verwandten Geschmack.
Frisch, Karl von: Du und das Leben, Berlin: Verlag d. Druckhauses Tempelhof 1947 [1947], S. 212
Funktional vorrangig bleibt meistens die Knüpfung von Verwandtschaftsbeziehungen unter den verstreuten Sippschaften.
Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 2, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 964
Wir nannten sie nach der deutschen und niederländischen Sippschaft, Maximilian und Philipp.
Kolbenheyer, Erwin Guido: Das Gestirn des Paracelsus, München: J.F. Lehmanns 1964 [1921], S. 415
Zitationshilfe
„Sippschaft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Sippschaft>, abgerufen am 25.04.2019.

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