Sentimentalität, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Sentimentalität · Nominativ Plural: Sentimentalitäten
Aussprache
WorttrennungSen-ti-men-ta-li-tät
HerkunftFranzösisch
Duden GWDS, 1999

Bedeutung

(oft) abwertend
1.
sentimentale Art; allzu große Empfindsamkeit; Rührseligkeit
2.
etw., worin sich Sentimentalität ausdrückt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sentiment · sentimental · sentimentalisch · Sentimentalität · Ressentiment
Sentiment n. ‘Wertung, Meinung, Gefühl, Empfindung’, Übernahme (17. Jh.) von gleichbed. frz. sentiment (afrz. sentement); zu afrz. frz. sentir, aus lat. sentīre ‘fühlen, empfinden, wahrnehmen, Einsicht haben, meinen, denken’. sentimental Adj. ‘(übertrieben) empfindsam, gefühlvoll, rührselig’ verbreitet sich in der 2. Hälfte des 18. Jhs. mit der Übersetzung von L. Sternes „A Sentimental Journey through France and Italy“ (1768) durch J. J. C. Bode „Yoricks empfindsame Reise durch Frankreich und Italien“ (1768) im Dt. Engl. sentimental ‘empfindsam, gefühlvoll, moralisch, reflektierend’, dann auch ‘übertrieben empfindsam, rührselig’, von Sterne angeblich zuerst 1739/40 in einem Brief benutzt, ist zu engl. sentiment ‘Meinung, Ansicht, Gefühl, (seelische) Empfindung, Gefühlsregung’, dann auch ‘Rührseligkeit’ gebildet, einer Übernahme von frz. sentiment (s. oben). Zur Bedeutungsgeschichte von engl. sentimental vgl. Rieve in: Europ. Schlüsselwörter 2 (1964) 167 ff. Daneben steht im 18. Jh. sentimentalisch Adj. vgl. Schillers Über naive und sentimentalische (‘reflektierende’) Dichtung. Sentimentalität f. ‘Empfindsamkeit, Gefühlsüberschwang, Rührseligkeit’, latinisierte Übernahme (Ende 18. Jh.) von gleichbed. engl. sentimentality. Ressentiment n. ‘Vorbehalt, gefühlsbedingtes Vorurteil, Abneigung, Groll’, Entlehnung (1. Hälfte 17. Jh.) aus gleichbed. frz. ressentiment, einer Bildung zu mfrz. frz. ressentir ‘lebhaft empfinden, fühlen, erkennen’, reflexiv ‘Nachwirkungen verspüren, sich grollend erinnern’; vgl. afrz. frz. sentir (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
Empfindsamkeit · ↗Gefühligkeit · ↗Gefühlsduselei · ↗Herzschmerz · ↗Larmoyanz · ↗Rührseligkeit · Sentimentalität · ↗Tränenseligkeit · ↗Weinerlichkeit  ●  ↗Tränendrüse  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anflug Brutalität Empfindsamkeit Gemisch Hauch Kitsch Larmoyanz Melancholie Nostalgie Pathos Romantik Rührseligkeit Sarkasmus Schmalz Selbstmitleid Sentiment Süße Süßlichkeit Verklärung Verlogenheit Zynismus abgleiten kitschig klebrig nostalgisch schwächlich süßlich triefend verlogen wohlfeil

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Sentimentalität‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Weil um die Ecke kein Aldi war, neigten sie auch nicht zur Sentimentalität.
Die Welt, 12.12.2005
Das ist jetzt die rückblickende Sentimentalität, die alles verklären will.
Süddeutsche Zeitung, 22.12.2001
Er wollte nicht gern lächerlich vor sich selbst sein, und Sentimentalitäten haßte er.
Baum, Vicky: Menschen im Hotel, München: Droemersche Verlagsanstalt 1956 [1929], S. 150
Sie verleiht uns die Kraft zur hysterischen Sentimentalität der Religiosität!
Altenberg, Peter: Pròdromos. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1906], S. 860
Zitationshilfe
„Sentimentalität“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Sentimentalität>, abgerufen am 15.10.2019.

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