Selbstbewusstsein, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungSelbst-be-wusst-sein
Wortzerlegungselbst1Bewusstsein
Ungültige SchreibungSelbstbewußtsein
Rechtschreibregeln§ 2, § 25 (E1)
eWDG, 1976

Bedeutung

entsprechend der Bedeutung von selbstbewusst
Beispiele:
ein ausgeprägtes, starkes Selbstbewusstsein
jmds. schwach entwickeltes Selbstbewusstsein stärken
der Erfolg hob sein Selbstbewusstsein
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bewußt · Bewußtsein · selbstbewußt · Selbstbewußtsein · schuldbewußt · Schuldbewußtsein · unbewußt · das Unbewußte · bewußtlos
bewußt Adj. ‘mit klarem Verstand handelnd, erkennend, absichtlich, bekannt, in Rede stehend’. Frühnhd. bewust steht als md. Form neben frühnhd. bewist, bewüst, Part. Prät. eines inzwischen untergegangen Verbs frühnhd. bewissen ‘genau kennen, wissen’, reflexiv ‘sich auskennen, zurechtfinden’, das seinerseits wie mnd. bewēten ‘etw. ins Auge fassen, auf etw. bedacht sein, (um etw.) wissen’ (Part. Prät. bewēten ‘bei klarem Verstand, Bewußtsein’, bewust ‘bewußt, bekannt’) und aengl. bewitan ‘Sorge tragen, achten auf, Aufsicht führen’ eine Präfixbildung zu dem unter ↗wissen (s. d.) behandelten Simplex ist. Zuvor erscheint die hd. Präfixbildung nur als negiertes Part. Präs. in ahd. unbiwiʒʒanti (8. Jh.), Übersetzung von lat. ignorāns. Das Nebeneinander der Wurzelsilbenvokale i und u findet sich ebenso im Part. Prät. des Simplex, vgl. mhd. gewist, gewest (neben fast nur adjektivisch gebrauchtem gewiʒʒen), md. auch gewust. Die semantische Entwicklung des Part.adj. geht aus von den Bedeutungen ‘bekannt’ und ‘genau wissend’, wie sie in den seit frühnhd. Zeit bezeugten Verwendungen mir ist bewußt und (rückbezüglichem) ich bin mir bewußt (‘weiß genau’) vorliegen. Bewußtsein n. ‘spezifisch menschlich ideelle Widerspiegelung der objektiven Realität, klares Wissen, Gewißheit, Zustand, in dem der Mensch seiner Sinne mächtig ist’. Als philosophischer Terminus 1720 von Chr. Wolff geprägt, anfangs auch getrennt geschrieben (das bewust Sein). selbstbewußt Adj. ‘eine klare Vorstellung von sich selbst, von seiner Existenz besitzend’, meist in dem speziellen Sinn ‘vom eigenen Wert überzeugt, ihn deutlich betonend’; Selbstbewußtsein n. (beide um 1800). schuldbewußt Adj. ‘um seine Schuld wissend, reuig’ (18. Jh.); Schuldbewußtsein n. (19. Jh.). unbewußt Adj. ‘ohne etw. in ausgeprägter Weise im Bewußtsein zu reflektieren, instinktiv, nur vom Gefühl her’. Wie bei den nichtnegierten Formen findet sich auch hier ein Nebeneinander verschiedener Wurzelsilbenvokale, frühnhd. unbewist (15. bis 17. Jh.), unbewüst, md. unbewust, unbewost. Bereits im Frühnhd. erscheinen die Bedeutungen ‘unbekannt, nicht erinnerlich’ und ‘nicht wissend, ahnungslos, ohne Überlegung’. Substantiviert das Unbewußte n. in der Philosophie für das, was sich der Beachtung und Aufmerksamkeit entzieht (Jean Paul, 1804), in der analytischen Psychologie für abgewiesene und verdrängte Erlebnisse (Freud, 1900). bewußtlos Adj. ‘ohne Bewußtsein, ohnmächtig, zu keinem bewußten Verhalten, Erleben fähig’. Eine frühe Abstraktbildung zu bewußt (s. oben) ist das in der Literatursprache wieder untergegangene Substantiv Bewußt f. m. ‘Wissen, Bewußtsein, Kenntnis’ (15. Jh.), erhalten in der Ableitung bewußtlos (Ende 18. Jh.), zunächst meist in der Bedeutung ‘unwissentlich, unbewußt’, heute nur noch im oben angegebenen Sinn.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bild von sich selbst · Selbstbewusstsein · Selbstkenntnis · ↗Selbstkonzept · ↗Selbstwahrnehmung
Assoziationen
Synonymgruppe
Eigenwert · ↗Ich-Stärke · ↗Selbstachtung · Selbstbewusstsein · ↗Selbstgewissheit · ↗Selbstsicherheit · ↗Selbstvertrauen · ↗Selbstwert · ↗Selbstwertgefühl · ↗Selbstwertschätzung · ↗Selbstüberzeugung · ↗Stolz  ●  ↗Ego  ugs. · ↗Sendungsbewusstsein  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Mut Stolz Stärkung angeknackst angeschlagen ausgeprägt ausstrahlen bürgerlich demonstrieren erstarkt erwachend erwacht gesteigert gestiegen gestärkt gesund gewachsen mangeln mangelnd nagen national strotzen stärken tanken unerschütterlich ungebrochen wachsend weiblich zeugen übersteigert

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Selbstbewusstsein‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es sei wichtig, das neu erworbene schwule Selbstbewusstsein auch in das reale Leben zu transportieren.
Die Zeit, 18.06.2007, Nr. 25
Sich zu schminken, ist zu dieser Zeit Befreiung, Zeichen eines neuen weiblichen Selbstbewusstseins.
Der Tagesspiegel, 21.11.2004
Und die Körbe, die ich kassiere, kratzen nur noch leicht an der Oberfläche meines Selbstbewußtseins.
Merian, Svende: Der Tod des Märchenprinzen, Hamburg: Buntbuch-Verl. 1980 [1980], S. 195
Seine provozierenden Thesen stützt er ab durch ein betontes Selbstbewußtsein des Philosophen.
Heuß, Alfred: Hellas. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 3621
Er proklamierte hier das Programm des konsequent humanistischen Selbstbewußtseins als die kommende Revolution.
Barnikol, E.: Bauer. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 28966
Zitationshilfe
„Selbstbewusstsein“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Selbstbewusstsein>, abgerufen am 26.04.2019.

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