Schweinigel

GrammatikSubstantiv
WorttrennungSchwein-igel
WortzerlegungSchweinIgel
Wortbildung mit ›Schweinigel‹ als Erstglied: ↗schweinigeln  ·  mit ›Schweinigel‹ als Grundform: ↗Schweinigelei
eWDG, 1976

Bedeutung

salopp, derb, abwertend
1.
schmutziger, unreinlicher Mensch
2.
Mensch, der unanständige, obszöne Reden führt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schwein · Schweinerei · schweinern · schweinisch · Schwein(e)hund · Schweinigel · schweinigeln
Schwein n. Der Name des fleischbringenden Nutztieres ahd. (8. Jh.), mhd. mnd. asächs. aengl. swīn, mnl. swijn, nl. zwijn, engl. (älter, heute noch zoologisch) swine, afries. anord. svīn, schwed. svin, got. swein (germ. *swīna-) ist als Substantivierung einer alten Adjektivableitung vergleichbar mit lat. suīnus ‘vom Schwein’, aslaw. svinъ, russ. svinój (свиной) ‘vom Schwein’, svin’já (свинья) ‘Schwein’. Zugrunde liegt ie. *su̯īno- oder *su̯eino- ‘zum Schwein gehörig’, gebildet mit dem Beschaffenheit und Abstammung ausdrückenden, substantiviert vornehmlich Tierjunge bezeichnenden (s. ↗Füllen, ↗Küken) Suffix ie. -īno-, -eino- (germ. -īna-) zu dem unter ↗Sau (s. d.) gegebenen Ansatz ie. *sūs ‘Schwein, Sau’. Mit anderen n-Suffixen gebildet sind griech. hyēnós (ύηνός) ‘schweinisch, säuisch’ und hýaina (ὕαινα), s. ↗Hyäne. Schwein, ursprünglich Ausdruck für das junge Tier, bezeichnet bereits früh sowohl das Wildschwein als auch das Haustier. Die Wendung Schwein (‘Glück’) haben (Anfang 19. Jh. aus der Studentensprache) wird auf den Brauch zurückgeführt, bei Schützenfesten dem Verlierer ein Schwein als Trostpreis zu überreichen. Schweinerei f. ‘Unreinlichkeit, Unordentlichkeit, Verwerfliches, Anstößiges’ (17. Jh.); vgl. schweinen Vb. ‘sich wie ein Schwein aufführen’ (17. Jh.). schweinern Adj. ‘aus Schweinefleisch’ (17. Jh.), älter schweinen Adj., mhd. swīnīn, swīnen. schweinisch Adj. ‘unanständig, anstößig’ (18. Jh.); vgl. mhd. swīnisch ‘vom Schwein’. Schwein(e)hund m. Schimpfwort aus der Studentensprache (19. Jh.), eigentlich ‘Hund, der eine Schweineherde treiben hilft oder wilde Schweine jagt’, übertragen ‘unreinlicher Mensch’ (18. Jh.). Schweinigel m. ‘Igel’ (17. Jh.); die Volkszoologie unterscheidet nach der Form der Schnauze Schweinigel und Hundsigel. Als Schimpfwort ‘unanständiger, Obszönitäten erzählender Mensch’, mit volksetymologischer Umdeutung aus Schweinenickel (s. ↗Nickel)? schweinigeln Vb. ‘unflätige Reden führen, sich unanständig benehmen’ (18. Jh.), aus der Studentensprache.

Thesaurus

Synonymgruppe
Dreckschwein · ↗Ferkel · ↗Schmuddelkind · ↗Schmutzfink · ↗Wutz  ●  ↗Dreckspatz  verniedlichend · ↗(alte) Pottsau  derb, ruhrdt. · Schmierlapp(en)  derb · Schweinigel  ugs.
Assoziationen
  • Schlamper · Schlunz · ungepflegte Erscheinung

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Für die meisten ist er ein Schweinigel, pervers und verdorben.
Süddeutsche Zeitung, 30.01.1997
Der Igel in Schweinigel ist dagegen eine Verformung von »Nickel«, der Bezeichnung für einen groben, unerzogenen Menschen.
Krämer, Walter / Sauer, Wolfgang, Lexikon der populären Sprachirrtümer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 109
Wir grenzen hiermit das Blödeln ganz ausdrücklich auch gegen das sogenannte Schweinigeln ab.
Die Zeit, 29.03.1963, Nr. 13
Und so könnte es dahingehen zwischen Nichtstun, Schweinigeln, später FPÖ-Wählen und reality soap schauen.
Süddeutsche Zeitung, 18.06.2001
Zitationshilfe
„Schweinigel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Schweinigel>, abgerufen am 18.06.2019.

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