Schweinerei, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schweinerei · Nominativ Plural: Schweinereien
Aussprache
WorttrennungSchwei-ne-rei (computergeneriert)
WortzerlegungSchwein-erei
Wortbildung mit ›Schweinerei‹ als Letztglied: ↗Mordsschweinerei · ↗Riesenschweinerei
eWDG, 1976

Bedeutung

salopp, derb, abwertend
1.
schmutziger, sehr unordentlicher Zustand
Beispiele:
wer hat denn die Schweinerei hier angerichtet, hinterlassen?
wer soll bloß diese Schweinerei beseitigen?
2.
unanständige Handlung, Gemeinheit, Lumperei
Beispiele:
eine bodenlose Schweinerei
der hat sich ja schöne Schweinereien geleistet!
Junge, die wollen dich in eine Schweinerei hineinziehen [Tageszeitung1965]
Missstand, Übelstand
Beispiele:
eine Schweinerei, dass es hier nichts zu trinken gibt!
scherzhaft die Schweinerei muss eine andere (= das muss anders) werden!
die Schweinerei ist groß, aber das angestammte Fürstenhaus gedeiht herrlich [RaabeII 1,137]
3.
Zote
Beispiel:
Er spuckte nur so den ganzen Tag mit Schweinereien um sich [BöllZug56]
unzüchtige Handlung
Beispiel:
So eine Gemeinheit, da Schweinereien zu treiben [St. ZweigAmok269]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schwein · Schweinerei · schweinern · schweinisch · Schwein(e)hund · Schweinigel · schweinigeln
Schwein n. Der Name des fleischbringenden Nutztieres ahd. (8. Jh.), mhd. mnd. asächs. aengl. swīn, mnl. swijn, nl. zwijn, engl. (älter, heute noch zoologisch) swine, afries. anord. svīn, schwed. svin, got. swein (germ. *swīna-) ist als Substantivierung einer alten Adjektivableitung vergleichbar mit lat. suīnus ‘vom Schwein’, aslaw. svinъ, russ. svinój (свиной) ‘vom Schwein’, svin’já (свинья) ‘Schwein’. Zugrunde liegt ie. *su̯īno- oder *su̯eino- ‘zum Schwein gehörig’, gebildet mit dem Beschaffenheit und Abstammung ausdrückenden, substantiviert vornehmlich Tierjunge bezeichnenden (s. ↗Füllen, ↗Küken) Suffix ie. -īno-, -eino- (germ. -īna-) zu dem unter ↗Sau (s. d.) gegebenen Ansatz ie. *sūs ‘Schwein, Sau’. Mit anderen n-Suffixen gebildet sind griech. hyēnós (ύηνός) ‘schweinisch, säuisch’ und hýaina (ὕαινα), s. ↗Hyäne. Schwein, ursprünglich Ausdruck für das junge Tier, bezeichnet bereits früh sowohl das Wildschwein als auch das Haustier. Die Wendung Schwein (‘Glück’) haben (Anfang 19. Jh. aus der Studentensprache) wird auf den Brauch zurückgeführt, bei Schützenfesten dem Verlierer ein Schwein als Trostpreis zu überreichen. Schweinerei f. ‘Unreinlichkeit, Unordentlichkeit, Verwerfliches, Anstößiges’ (17. Jh.); vgl. schweinen Vb. ‘sich wie ein Schwein aufführen’ (17. Jh.). schweinern Adj. ‘aus Schweinefleisch’ (17. Jh.), älter schweinen Adj., mhd. swīnīn, swīnen. schweinisch Adj. ‘unanständig, anstößig’ (18. Jh.); vgl. mhd. swīnisch ‘vom Schwein’. Schwein(e)hund m. Schimpfwort aus der Studentensprache (19. Jh.), eigentlich ‘Hund, der eine Schweineherde treiben hilft oder wilde Schweine jagt’, übertragen ‘unreinlicher Mensch’ (18. Jh.). Schweinigel m. ‘Igel’ (17. Jh.); die Volkszoologie unterscheidet nach der Form der Schnauze Schweinigel und Hundsigel. Als Schimpfwort ‘unanständiger, Obszönitäten erzählender Mensch’, mit volksetymologischer Umdeutung aus Schweinenickel (s. ↗Nickel)? schweinigeln Vb. ‘unflätige Reden führen, sich unanständig benehmen’ (18. Jh.), aus der Studentensprache.

Thesaurus

Synonymgruppe
Ferkelei  ugs. · ↗Sauerei  ugs. · Schweinerei  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Arglist · ↗Biestigkeit · ↗Boshaftigkeit · ↗Bosheit · ↗Bösartigkeit · ↗Böswilligkeit · ↗Gehässigkeit · ↗Gemeinheit · ↗Heimtücke · ↗Hinterhältigkeit · ↗Hinterlist · ↗Niedertracht · ↗Ruchlosigkeit · ↗Teufelei · ↗Tücke · ↗Verschlagenheit · böse / miese / schlechte / üble Absicht  ●  ↗Sadismus  fig. · Schweinerei  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Perversion Sauerei Straftatbestand absolut anrichten aufdecken aufhören ausgemacht auslassen begehen beseitigen blutig bodenlos dulden ehrlos eigentlich ekelhaft empfinden lecker mitmachen passieren riesengroß riesig sozialpolitisch ungeheuer unglaublich verdammt ziemlich zutrauen übel

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schweinerei‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da liegen dann kleine Schweinereien drin, nett angerichtet, übersichtlich, appetitlich.
Die Welt, 14.10.1999
Die Schweinerei vor der walisischen See hat allerdings mehr als eine Ursache.
Süddeutsche Zeitung, 23.02.1996
Er sagte, wie er sich vor den Generalen ausgedrückt hat, er habe von einer solchen Schweinerei nichts wissen wollen.
o. A.: Einhundertvierzehnter Tag. Donnerstag, 25. April 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 28121
Ich schimpfe gar nicht - ich erwarte nichts, und ich halte sie nicht für besonderer Schweinereien fähig.
Tucholsky, Kurt: An Hedwig Müller, 11.12.1935. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1935], S. 16636
Der Direktor klatschte ein drittes Mal, nun als Zeichen für seinen Untergebenen, einmal die »ganze Schweinerei« herbeizubringen.
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 932
Zitationshilfe
„Schweinerei“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Schweinerei>, abgerufen am 26.04.2019.

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