Scholastiker, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Scholastikers · Nominativ Plural: Scholastiker
WorttrennungScho-las-ti-ker (computergeneriert)
HerkunftGriechisch
WortzerlegungScholastik-er
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
Vertreter der Scholastik
2.
abwertend Verfechter engstirniger Schulweisheit, spitzfindiger Mensch, Haarspalter
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Scholastik · scholastisch · Scholastiker · Scholastizismus
Scholastik f. Bezeichnung für die mittelalterliche theologisch-philosophische Lehre, die kirchliche Dogmen und antike (aristotelische) Philosophie zu verbinden sucht. Der Ausdruck ist ein Gelehrtenwort der 2. Hälfte des 18. Jhs., gebildet aus lat. scholasticus ‘zur Schule, zum Rhetorikstudium gehörend, rhetorisch’, griech. scholastikós (σχολαστικός) ‘müßig, fleißig, gelehrt’; zu griech. scholázein (σχολάζειν) ‘sich Zeit nehmen, Zeit, Muße für etw. haben, sich einer Sache widmen, lehren’, einer Ableitung von griech. scholḗ (σχολή) ‘Rast, Muße, (gelehrte) Unterhaltung, Schule’. Mit pejorativem Sinn (vgl. bereits lat. scholasticus m. ‘Lehrer, Gelehrter’, aber auch ‘Pedant’) ‘dogmatische, engstirnige Schulweisheit, Buchstabengelehrsamkeit’ (19. Jh.). Älter als das Substantiv ist scholastisch Adj. ‘die Scholastik betreffend, nach der Methode der Scholastik’ (17. Jh.), pejorativ (seit etwa 1700) ‘schulmäßig eng, spitzfindig’; lat. scholasticus (s. oben). Scholastiker m. ‘Vertreter der Scholastik’ (Mitte 18. Jh.), auch ‘Wortkrämer’ (um 1800); zuvor Scholaster (Luther). Scholastizismus m. ‘übertriebene Anwendung und Überbewertung der scholastischen Methode, Spitzfindigkeit’ (Ende 18. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Humanist Kirchenvater Mittelalter christlich lehren mittelalterlich spanisch unterscheiden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Scholastiker‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Daß in anderen Dingen auch die Kirche irren kann, geben auch die Scholastiker zu.
Schuder, Rosemarie: Agrippa und Das Schiff der Zufriedenen, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1987 [1977], S. 326
So treten uns hier in großer Fülle Namen von Scholastikern entgegen, die sich großenteils anderswo nirgends erwähnt finden.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1929, S. 436
Für den Handel, den er für ein schimpfliches Gewerbe hält, zeigt der Scholastiker kein Verständnis.
Vorländer, Karl: Geschichte der Philosophie. In: Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1913], S. 7242
Die Scholastiker waren überzeugt von der Realität eines göttlichen Denkens.
Die Zeit, 17.04.1947, Nr. 16
Despektierlich sprachen die Humanisten, die sich für die Wiederbelebung der klassischen Tradition einsetzten, nun von "Mittelalter" und "Scholastikern".
Der Tagesspiegel, 13.05.2001
Zitationshilfe
„Scholastiker“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Scholastiker>, abgerufen am 23.09.2019.

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